Themenüberblick

Bisher schwerster Zwischenfall

Im Syrien-Konflikt ist es zu einem Grenzgefecht zwischen der Armee und jordanischen Truppen gekommen. Die Auseinandersetzungen in der Region Tel Schihab-Turra seien am Freitagabend ausgebrochen, als syrische Truppen auf Flüchtlinge geschossen hätten, die die Grenze nach Jordanien überqueren wollten.

Nach Angaben aus jordanischen Sicherheitskreisen eröffneten syrische Soldaten auf eine Gruppe von etwa 500 Flüchtlingen das Feuer. Die Jordanier feuerten zurück, da die Flüchtlinge schon in Jordanien waren. Es habe einen etwa 30 Minuten dauernden heftigen Schusswechsel gegeben. Unter den Flüchtlingen waren laut syrischen Aktivisten Dutzende hochrangige Offiziere der Assad-Armee. Nach jordanischen Angaben erhielten einige der Ankommenden eine Vorzugsbehandlung und wurden an einen Ort für syrische Deserteure gebracht.

Furcht vor Ausweitung des Konflikts

Zwar haben jordanische Soldaten schon in der Vergangenheit auf syrische Truppen gefeuert, um den Beschuss von Flüchtlingen zu stoppen. Doch das war der bisher schwerste Zwischenfall an der Grenze seit Beginn des Aufstands gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vor 17 Monaten. Er schürte erneut die Furcht vor einer Ausweitung des Konflikts auf die Nachbarländer. Ein Vertreter Jordaniens bestätigte die Angaben. Es habe auf jordanischer Seite anscheinend keine Verluste gegeben, sagte er.

Zuvor hatten bereits der Abschuss eines türkischen Militärjets durch die syrische Luftabwehr im Juni und der Beschuss libanesischer Dörfer durch Assad-Truppen die Furcht vor einer Ausbreitung des Konflikts in der ohnehin an Spannungen reichen Region geschürt. Seit Beginn des Aufstandes haben nach Angaben der Vereinten Nationen (UNO) 150.000 offiziell registrierte Flüchtlinge Schutz in der Türkei, Jordanien, im Libanon und im Irak gesucht.

Wieder heftige Kämpfe in Aleppo und Damaskus

Die syrische Armee beschoss unterdessen nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten am Sonntag weiter Viertel der Wirtschaftsmetropole Aleppo. Neben dem strategisch wichtigen Viertel Salaheddine, aus dem die Rebellen in den letzten Tagen verdrängt worden waren, würden auch vier weitere Stadtteile - Chaar, Tariq al-Bab, Hanano und Bustan al-Qasr - attackiert , erklärte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Bisher 17.000 Tote

Seit Beginn der Proteste gegen das Assad-Regime vor 17 Monaten kamen nach UNO-Schätzungen etwa 17.000 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Zivilisten.

Demnach waren auch in der Hauptstadt Damaskus Schüsse zu hören, beschossen worden seien zudem die Ortschaften Al-Tal und Harista in der Provinz Damaskus. Kämpfe gab es den Angaben zufolge auch in Ortschaften der südlichen Provinz Daraa. Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren am Samstag landesweit mindestens 148 Menschen getötet worden, unter ihnen 85 Zivilisten. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

„Assads Tage sind gezählt“

Die Tage der Assad-Herrschaft sind nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes (BND) möglicherweise schon bald gezählt. „Es gibt viele Anhaltspunkte dafür, dass die Endphase des Regimes begonnen hat“, sagte BND-Chef Gerhard Schindler der Zeitung „Die Welt“ (Samstag-Ausgabe).

Assads Armee habe rund 50.000 ihrer einst 320.000 Soldaten verloren. Darunter seien viele Verwundete, Deserteure und 2.000 bis 3.000 Überläufer zur militanten Opposition, die nach BND-Erkenntnissen aus rund 20.000 Kämpfern bestehe. „Die Erosion des Militärs hält an.“ Die kleinen, regional verankerten und wendigen Rebellengruppen zermürbten mit ihrer Art von Guerillataktik die Armee zunehmend.

Links: