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Mehrere Schuldsprüche bereits aufgehoben

„Der Fall Thomas Quick“ lautet nicht nur der Titel eines Buches, das demnächst im schwedischen Buchhandel erscheint, sondern ist möglicherweise auch einer der größten Skandale in der Justizgeschichte Schwedens.

Quick, der sich heute Sture Ragnar Bergwall nennt, wurde in acht Mordfällen für schuldig gesprochen. In Summe gestand der zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung Verurteilte rund 30 weitere Morde und galt - obwohl sich bereits früh erste Zweifel an diesen Aussagen mehrten - lange als einer der schlimmsten Serienmörder des Landes.

Stets fehlten allerdings technische Beweise - vielmehr passierten die Urteile vor allem auf Quicks Geständnissen. Nach Psychotherapie in der Haft zog der Verurteilte diese wieder zurück und setzte nach und nach Wiederaufnahmeverfahren durch. Der Polizei sowie beteiligten Psychiatern warf Quick unter anderem vor, ihn vor Verhören unter Drogen gesetzt zu haben. Er habe sich die nötigen Kenntnisse über betroffene Fälle durch systematische Zeitungslektüre angeeignet.

Keinen einzigen Mord begangen?

Mittlerweile kann nicht mehr ausgeschlossen werden, dass schwedische Gerichte einen Mann als Serienmörder verurteilt haben, obwohl dieser nicht einen einzigen begangen hat. Wie die Polizei im Bezirk Dalarna der Zeitung „Svenska Dagbladet“ („SVD“)bestätigte, soll als Letztes der infrage kommenden Verbrechen auch die Ermordung eines Israelis vor 24 Jahren neu aufgerollt werden. Der jetzt 62-jährige Thomas Quick war deswegen 1997 aufgrund seines Geständnisses verurteilt worden.

Als immer wahrscheinlicher gelte in Schweden somit, dass Quick als geltungssüchtiger Lügner auch vor den sieben anderen Schuldsprüchen das jeweilige Mordgeständnis zusammenfantasiert hat und bei der Kriminalpolizei wie vor Gericht auf leichtgläubige Zuhörer stieß. Drei Schuldsprüche wurden bereits wieder aufgehoben, vier weitere Fälle werden bereits neu untersucht.

„Verhindern, dass das noch einmal passiert“

Hinterbliebene von Opfern bei zwei der angeblich von Quick begangenen Morde verlangten in dieser Woche zudem die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission. Von dieser soll geklärt werden, was in dem Fall alles schiefgelaufen ist und wie das künftig verhindert werden könne, so der Vater eines Mordopfers gegenüber der Zeitung „The Local“.

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