Erste Homosexuellenparade in Hanoi

Einige Dutzend Schwule, Lesben und Sympathisanten haben heute in der Hauptstadt Hanoi die erste Gay-Pride-Parade Vietnams veranstaltet. Mit Fahrrädern fuhren etwa hundert Menschen klingelnd und singend durch den auch dichten Verkehr und zogen Ballons und flatternde Banner in Regenbogenfarben hinter sich her.

„Wir wollen den Leuten klarmachen, dass es keine Krankheit ist, jemand vom selben Geschlecht zu lieben, wir sind Menschen wie alle anderen auch“, sagte Huy, ein 21 Jahre alter Student.

Parade war nicht genehmigt

Die Veranstalter wollten Lesben und Schwulen mit der Parade mehr Selbstwertgefühl geben. Gleichgeschlechtliche Liebe ist in dem Land als Thema noch weitgehend tabu. Die Gesellschaft hält konservative Familienwerte hoch und Familien misshandeln Kinder, die sich outen oft oder schleppen sie zu angeblichen Heilern.

Die Parade war nicht genehmigt. Die Teilnehmer hatten sich auf Fahrräder geeinigt, um den Sicherheitsapparat nicht durch einen Protestmarsch zu provozieren. Freie Meinungsäußerung und Demonstrationen sind in dem kommunistischen Land nicht erlaubt.

Kommt Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen?

Behörden schritten allerdings nicht ein. Konservative Familienwerte stoppen viele Lesben und Schwule, sich zu outen, aber der kommunistische Staat ist eher progressiv. Homosexualität ist nicht verboten.

Der Justizminister schrieb im Juli auf der Website seines Ministeriums, es sei an der Zeit, gleichgeschlechtliche Ehen anzuerkennen. Das Einparteienparlament will sich im nächsten Mai mit einem entsprechenden Gesetzentwurf befassen. Auch in Ho-Chi-Minh-Stadt gingen am Vortag Menschen mit Regenbogen-T-Shirts für Toleranz und Mitgefühl auf die Straße und forderten mit Aufschriften auf Fähnchen mehr Rechte für Lesben und Schwule.

Video dazu in iptv.ORF.at