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IWF fordert neue Strategien

Das europäische Krisenmanagement ist laut einem aktuellen Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu wenig ambitioniert. Die Euro-Krise wird als größte Gefahr für eine weitere Weltwirtschaftskrise gesehen. Ein „grundsätzlicher Strategiewechsel“ sei dringend notwendig, so der IWF.

Die europäische Schuldenkrise stelle derzeit das größte externe Risiko für die Konjunktur der fünf größten Volkswirtschaft USA, China, Euro-Zone, Japan und Großbritannien dar, warnt der IWF. In einem Worst-Case-Szenario rechnete der IWF vor, dass die Euro-Zone bis zu fünf Prozent an Wirtschaftsleistung verlieren könnte, sollte die Krise nicht rasch bekämpft werden.

Sorge vor neuer Rezession

Auch das britische Wachstum würde um rund fünf Prozent schrumpfen, die US-Wirtschaft könnte um zwei Prozent und Japan ein Prozent zurückgehen. Das würde bedeuten, dass fast alle größeren Industrienationen erneut in die Rezession rutschen würden. Schon ein geringer Rückgang bei den Konsumausgaben oder eine Veränderung bei den Anlagewerten könnte reichen, um das fragile europäische Finanzgerüst endgültig zum Einsturz zu bringen.

Sollte sich die Euro-Krise verschärfen, würde das auch in den ärmeren Ländern der Welt zu mittleren bis gravierenden Problemen führen, heißt es beim IWF. Es könnte den Finanzbedarf der Ärmsten auf bis zu 27 Milliarden Dollar hinauftreiben. Dementsprechend genau werden derzeit die Maßnahmen in Europa beobachtet. Und hier stellt der IWF der Euro-Zone keine guten Noten aus. „Es wird der Eindruck vermittelt, dass nicht genug getan wird, um die Ängste zu zerstreuen und das Bankenproblem zu bekämpfen.“

IWF fordert „unkonventionelle Unterstützungen“

Die am Donnerstag bekanntgegebenen Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Euro-Rettung wurden vom IWF zwar generell begrüßt, gleichzeitig wurde aber auch betont, dass Geldpolitik allein nicht die Probleme der Euro-Zone lösen könne. Eine weitere Lockerung und „unkonventionelle Unterstützung“ würde aber die Spannungen lösen, während andere politische Maßnahmen ergriffen würden und ihre Wirkung zeigten.

Wie weit die Euro-Krise reicht, zeigt sich auch an China. Zwar wurde das Wachstum für heuer mit acht Prozent geschätzt, doch die Konjunktur verliert deutlich an Fahrt. Falls Peking keine wirtschaftspolitischen Gegenmaßnahmen ergreifen sollte, könnte das Wachstum um bis zu vier Prozentpunkte fallen, warnte der IWF Anfang des Monats. Die Euro-Krise belaste die Stimmung von Investoren und Konsumenten in China.

Immobilien für neuen Aufschwung in USA

Aber die Euro-Krise ist nicht das einzige Sorgenkind. So müssen die USA 2013 ein „finanzielles Kliff“ umschiffen, indem vier Billionen Dollar an Steuernachlässen und Regierungsausgaben eingespart werden müssen. Aber in den USA wird im November gewählt, daher dürften diese Entscheidungen frühestens Anfang 2013 fallen. Um das US-Wachstum anzukurbeln, kommt dem Immobilienmarkt nach Einschätzung des IWF eine Schlüsselrolle zu.

In den kommenden Jahren dürfte ein jährlicher Bedarf von rund 1,5 Millionen Immobilien entstehen, sagte IWF-Volkswirt Gian Maria Milesi-Ferretti am Donnerstag. „Das wird dem US-Wachstum mittelfristig eindeutig Schwung verleihen. Eine Kräftigung des Marktes wird positive Auswirkungen auf andere Branchen haben.“ Sollten die Maßnahmen greifen, gibt es für die USA auch etwas Licht am Ende des Tunnels: So rechnen die Experten bis 2016 wieder mit einem Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent.

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