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Sogwirkung durch „neuen Star“ erhofft

Rechtzeitig zur heißen Wahlkampfphase in den USA bringt sich die erzkonservative „Tea-Party“ in Stellung. Lange Zeit war es still um die Bewegung, doch am Dienstag sorgte sie in Texas für einen Paukenschlag: Einer ihrer Hoffnungsträger, der bis vor kurzem weitgehend unbekannte Ex-Staatsanwalt Ted Cruz, setzte sich bei der internen Kandidatennominierung der Republikaner für den US-Senat gegen den Politveteranen David Dewhurst durch.

Die mit den Republikanern assoziierte „Tea-Party“-Bewegung bringt damit die konservative Partei gehörig unter Druck. Der 41-jährige Cruz, der zum ersten Mal kandidierte, gilt nun als neuer Star, den die „Tea-Party“ in diesjährigen Wahlkämpfen hervorgebracht hat, wie die „Washington Post“ schreibt. Cruz sei ein konservativer Rebell, der die Republikaner und ihren tief in der Partei verwurzelten Kandidaten US-weit das Fürchten lehre, so die „New York Times“.

Ted Cruz

AP/Johnny Hanson

Cruz wird von seinen Anhängern bejubelt

Auch prominente Unterstützung half nichts

Die „Washington Post“ beschreibt Cruz als charismatischen Redner, der das politische Establishment in dem größten traditionell republikanischen US-Bundesstaat umgekrempelt hat. Dewhurst, Vizegouverneur von Texas, investierte sogar freiwillig Geld aus seinem privaten Vermögen in den Vorwahlkampf. Auch hatte er die einflussreiche Parteispitze hinter sich. Besonders pikant ist, dass Dewhurst der Wunschkandidat seines „Chefs“, des texanischen Gouverneurs Rick Perry, war. Perry selbst hatte sich aus dem republikanischen Vorwahlkampf ums Rennen um das Weiße Haus zurückgezogen und Mitt Romney das Feld überlassen.

Cruz gilt als Schützling des „Tea-Party“-Urgesteins Sarah Palin. Mit seinem Vorwahlerfolg hat er nun beste Chancen auf einen Sieg bei der im November zeitgleich mit der Präsidentenwahl stattfindenden Kongresswahl. Denn seit etwa 20 Jahren haben die Wähler in Texas keinen Demokraten mehr zum Senator in Washington gewählt.

Bunt zusammengewürfelte Bewegung

Die „Tea-Party“ kam in etwa im Zuge der Wirtschaftskrise 2008 auf. Unter ihrem Dach versammeln sich Vertreter unterschiedlicher Gruppen, die ihre Wut auf das politische Establishment in Washington und insbesondere die Haushalts- und Steuerpolitik eint. Präsident Barack Obama ist für viele regelrecht verhasst.

Bei der Kongresswahl vor zwei Jahren konnten mehrere der von der „Tea-Party“ unterstützte Kandidaten Mandate erobern. Danach rückte die Bewegung allerdings etwas in den Hintergrund, unter anderem, weil sie vielen Republikanern zu radikal erschien, als dass mit ihr auch eine Präsidentenwahl zu gewinnen sei.

„Tea-Party“ ist „erwachsen geworden“

Die „Tea-Party“ sieht sich im nun wieder im Aufwind und spricht bereits von dem größten Erfolg in diesem Jahr. Führende „Tea-Party“-Persönlichkeiten sehen in dem Abschneiden von Cruz das Erwachsenwerden der Bewegung. Sie sehen in dem Sieg vor allem aber auch ein Signal, dass die Bewegung insgesamt nicht abgeschrieben ist, zumal auch in Indiana der dortige „Tea-Party“-Favorit Richard Mourdock bei einer Republikaner-Vorwahl einen langjährigen Platzhirschen verdrängte.

Druck auf Romney steigt

Weitere Erfolge für die „Tea-Party“ könnten bei parteiinternen Vorwahlen in diesem Monat folgen. Laut der „New York Times“ zeigt der Erfolg in Texas die sich weitende Kluft zwischen Republikanern und der Anti-Establishment-Bewegung. Medien sprechen bereits von einer „Ohrfeige“ für das Establishment durch die bunt zusammengewürfelte „Tea-Party“-Bewegung.

Die Auswirkungen des texanischen Ergebnisses könnten jetzt bis zu Romney reichen. Romney hat sich offiziell noch nicht für einen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten entschieden. Die „Tea-Party“ könnte nun Druck auf Romney machen, einen ihnen genehmen Kandidaten zu wählen.

Romney will Vize per App mitteilen

Mit Spannung wird erwartet, wen Romney als seinen Vizekandidaten an Bord holt. Romneys Wahlkampfteam erklärte am Dienstag, die Entscheidung als Erstes über eine Smartphone-App mitteilen zu wollen. „Die historische Ankündigung rückt näher“, sagte Romney-Beraterin Beth Myers. Die kostenlose Anwendung mit dem Namen „Mitt’s VP“ könne nun für das iPhone und Smartphones mit dem Betriebssystem Android heruntergeladen werden.

Romney soll Ende August auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa im US-Staat Florida offiziell zum Herausforderer von Obama gewählt werden. US-Medien spekulieren, dass der Ex-Gouverneur von Massachusetts womöglich bereits in den kommenden Tagen seinen „Running Mate“ für die Wahl im November vorstellen könnte. Als Favoriten werden der frühere Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, und Senator Rob Portman aus Ohio gehandelt. Weitere Namen, die kursieren, sind Senator Marco Rubio aus Florida und der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal.

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