China: Bo Xilais Frau kommende Woche vor Gericht

Die Ehefrau des entmachteten chinesischen Politikers Bo Xilai muss sich kommende Woche wegen Ermordung eines britischen Geschäftsmanns vor Gericht verantworten. Gu Kailais Anwalt Shen Zhigeng sagte heute der Nachrichtenagentur AFP, Prozessbeginn sei kommenden Donnerstag in der Stadt Hefei im Osten Chinas. Erst Ende Juli hatten die staatlichen Medien berichtet, dass die Justiz Anklage gegen Gu und einen Hausangestellten des Ehepaars erhoben habe.

Die Anklage wirft Gu vor, zusammen mit ihrem Komplizen einen Freund des Ehepaars, Neil Heywood, vergiftet zu haben. Der in China lebende Heywood war im vergangenen November in einem Hotelzimmer der südwestlichen Metropole Chongqing tot aufgefunden worden.

Als KP-Chef von Chongqing abgesetzt

Bo war Mitte März als Chef der Kommunistischen Partei in Chongqing abgesetzt worden. Der Politiker hatte sich im Kampf gegen Korruption einen Namen gemacht und galt als aussichtsreicher Kandidat für einen Sitz im neunköpfigen Ständigen Ausschuss des Politbüros der KP. Im Zusammenhang mit seiner Entlassung machten jedoch Gerüchte über unsaubere Geschäfte Bos und Mutmaßungen über einen Putschversuch in der Partei die Runde. Bo gehört weiter der KP an, soll aber wegen parteiinterner Korruptionsermittlungen gegen ihn unter Hausarrest stehen.

Beobachtern zufolge soll der Prozess auf Wunsch der chinesischen Behörden möglichst schnell über die Bühne gehen. Denn in wenigen Monaten findet der 18. Parteitag der KP Chinas statt, der eine Verjüngung der Parteiführung besiegeln soll - und dieses Ereignis soll nicht von einem „Skandalverfahren“ überschattet werden.