Syrischer Oppositioneller will Exilregierung in Kairo bilden

Der syrische Anwalt und Menschenrechtsaktivist Haitham al-Maleh ist nach eigenen Angaben mit der Bildung einer Exilregierung in Kairo beauftragt worden. Eine Koalition von syrischen „Unabhängigen ohne politische Zugehörigkeit“ habe ihn mit der Aufgabe betraut, sagte der 81-jährige konservative Muslim heute laut der französischen Nachrichtenagentur AFP in der ägyptischen Hauptstadt.

Er werde nun Konsultationen mit der Opposition innerhalb und außerhalb Syriens aufnehmen, sagte Maleh, der mehrere Jahre in seinem Heimatland im Gefängnis saß. Wenn Assad den auch international erhobenen Forderungen nach einem Rücktritt Folge leiste, „wollen wir uns nicht in einem politischen oder administrativen Vakuum wiederfinden“, sagte Maleh. Daher müssten jetzt „alle Seiten kooperieren“. Die syrische Opposition ist stark zerstritten.

Hunderttausende fliehen aus Aleppo

Der zähe Kampf um die nordsyrische Metropole Aleppo jagt unterdessen Hunderttausende Menschen aus der Stadt. Allein am vergangenen Wochenende sind rund 200.000 Menschen aus dem Großraum geflohen, schätzt das UNO-Flüchtlingshilfswerk. Die Aufständischen kämpften sich heute nach eigenen Angaben Richtung Stadtzentrum vor. Das Militär beschoss die Viertel in Rebellenhand mit Artillerie und Hubschraubern. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an beide Seiten, das Blutvergießen sofort zu stoppen.

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Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Es fehlt Geld für schnelle Hilfe. Mindestens 40 Polizisten sollen nach Angaben der Syrischen Menschenrechtsbeobachter in Aleppo getötet worden sein, als Hunderte Rebellen in mehrstündigem Kampf zwei Polizeistationen in den Vierteln Salihin und Bab al-Nairab eroberten. „Wir schieben nun die Front in Richtung Stadtzentrum vor“, sagte Abu Omar al-Halebi, ein örtlicher Kommandeur der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA), der dpa am Telefon.

Zentrale Einrichtungen angegriffen

Nach Halebis Darstellung attackierten die Kämpfer heute weitere zentrale Einrichtungen des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad, darunter das Militärkrankenhaus und das Hauptquartier der herrschenden Baath-Partei. Die Angaben lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen, weil Journalisten und andere Beobachter unter den Kriegsbedingungen kaum arbeiten können.

Die Regierungstruppen versuchen seit Samstag, die Aufständischen mit massivem Militäraufgebot aus der strategisch wichtigen Handelsstadt Aleppo zurückzudrängen. Bisher scheint das Regime vor allem auf Bombardements aus der Luft und Artilleriebeschuss zu setzen, um die FSA-Kämpfer in ihren Stellungen mürbe zu machen.

„Humanitäre Kampfpausen“

Angesichts der Gewalt forderte die Europäische Kommission „humanitäre Kampfpausen“. Dadurch solle ermöglicht werden, Verletzte und Zivilisten aus umkämpften Gebieten in Sicherheit zu bringen, erklärte die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgieva, in Brüssel. „Die Situation in Syrien wird zunehmend zu einer humanitären Katastrophe, die schreckliche Erinnerungen an Ex-Jugoslawien weckt“, meinte Georgieva.