Zeitung: Ungereimtheiten in AUA-Bilanz 2007

Die Lufthansa-Tochter AUA durchläuft gerade die radikalste Sanierungskur ihrer Unternehmensgeschichte. Dabei muss Airline-Boss Jaan Albrecht auch jene Sünden der Vergangenheit aufarbeiten, die der AUA allein ab 2008 mehr als eine Milliarde Euro Verlust beschert haben. Aber auch 2007 hätte die AUA statt des offiziell ausgewiesenen Gewinns von 3,3 Mio. Euro einen saftigen Verlust ausweisen müssen - rund 235 Mio. Euro.

Das geht, wie „Die Presse“ in ihrer Dienstag-Ausgabe berichtet, aus dem Gutachten des Wirtschaftstreuhänders Herbert Heiser hervor, der im Rechtsstreit zwischen der AUA und Scheich Mohamed bin Issa Al Jaber vom Gericht beigezogen wurde.

Heiser sollte die Frage beantworten, ob die AUA Anfang 2008 tatsächlich saniert war, wie der damalige AUA-Chef Alfred Ötsch behauptet hatte. Al Jaber wollte bei der AUA mit 150 Mio. Euro einsteigen. Angesichts des finanziellen Sturzflugs sprang er aber wenig später, im Frühjahr 2008, wieder ab, weil er sich über die wirtschaftliche Lage der Fluglinie falsch informiert sah.

AUA: Bilanz von Wirtschaftsprüfer bestätigt

Die von der Anwaltskanzlei Reich-Rohrwig vertretene AUA sieht die Sache anders. „Al Jaber hätte aufgrund der traditionell hohen Zyklizität des Luftfahrtgeschäfts mit einem Verlust im ersten Quartal 2008 rechnen müssen“, umreißt AUA-Sprecher Peter Thier in der Zeitung die Position der Fluglinie. Die Frage nach einem möglichen Wertminderungsbedarf sei sehr wohl diskutiert worden, da aber niemand die schwere Wirtschaftskrise vorhersehen habe können, habe man sie nicht gemacht.

Die Bilanz 2007 sei zudem vom Wirtschaftsprüfer bestätigt worden, und das sei just Deloitte gewesen, die Al Jaber dann als Berater für seine Firmenprüfung heranzog.

Von Deloitte wurde diese Behauptung zurückgewiesen: Eine „Doppelvertretung“ habe es in diesem Zusammenhang nicht gegeben. Vielmehr sei der Jahresabschluss der AUA zum 31. Dezember 2007 von einer anderen großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (genannt wurde Ernst & Young) geprüft worden.