Spanien fordert mehr Solidarität von Deutschland

Spaniens Europaminister Inigo Mendez de Vigo hat von Deutschland mehr Solidarität in der Euro-Krise gefordert. „Deutschland hat wie kein anderes Land von den Exporten innerhalb der EU profitiert“, sagte der Politiker der „Bild“-Zeitung (Samstag-Ausgabe). Zudem dürfe die Geschichte nicht vergessen werden.

„Die EU ist eine Erfolgsgeschichte des Aufbaus, des friedlichen Miteinanders“, sagte er. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei Deutschland „in einer weitaus schwierigeren Situation auch sehr geholfen“ worden. Viele Länder hätten auf Geld „zugunsten Deutschlands verzichtet“.

„Politiker reden Pleite förmlich herbei“

De Vigo warnte darüber vor einer Diskussion über Griechenlands mögliche Pleite. „Ich halte es für sehr gefährlich, was gerade auch in Deutschland passiert“, sagte er der Zeitung. „Man bekommt das Gefühl, dass einige Politiker eine Pleite förmlich herbeireden wollen.“ Die Euro-Zone drohe zu zerbrechen, wenn in Deutschland weiter auf diese Weise diskutiert werde.

Zuletzt hatte unter anderen Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mit öffentlichen Überlegungen zu einem Austritt Athens aus der Gemeinschaftswährung für Wirbel gesorgt. Dieser habe „längst seinen Schrecken verloren“, hatte Rösler gesagt und war dafür heftig kritisiert worden.

EZB bereit für Entlastungskauf spanischer Anleihen?

Die Europäische Zentralbank ist einem Zeitungsbericht zufolge bereit, Spanien mit dem Ankauf von Staatsanleihen unter die Arme zu greifen. Die EZB solle im Namen des Rettungsschirms EFSF tätig werden, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ im Voraus aus ihrer Samstag-Ausgabe unter Berufung auf Insider in Brüssel. Sobald ein entsprechender Antrag Spaniens bei den Euro-Ländern eintreffe, könne die EZB sofort aktiv werden, um die Zinslasten zu verringern. Die entsprechenden Vorbereitungen seien getroffen.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dementierte diese Berichte: „Nein, an diesen Spekulationen ist nichts dran“, sagte Schäuble der „Welt am Sonntag“ zu Berichten, der Euro-Rettungsfonds EFSF könnte demnächst spanische Staatsanleihen aufkaufen. Schäuble wies darauf hin, es sei bereits ein hinreichend großes Hilfspaket für Spanien geschnürt worden. Dieses 100-Milliarden-Euro-Paket zur Rekapitalisierung spanischer Banken schließe auch eine Soforthilfe von 30 Milliarden Euro ein.

„Der Finanzbedarf Spaniens ist kurzfristig nicht so groß“, wandte sich Schäuble in der „WamS“ gegen eine Dramatisierung der Lage. „Die hohen Zinsen sind schmerzlich, und sie schaffen eine Menge Beunruhigung - aber die Welt geht nicht unter, wenn man bei einigen Anleiheauktionen ein Paar Prozent mehr zahlen muss“, sagte der Finanzminister.