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Mehr Bass fürs Handy

Sodcasting, das vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln praktizierte laute Abspielen von Musik mit hörbar überforderten Handylautsprechern, könnte in Zukunft eine Spur erträglicher werden. In Österreich wurde nun ein Pulver entwickelt, um zumindest die Qualität der winzigen Handyboxen zu steigern.

Das Quäken vieler Handylautsprecher sorgt nicht nur bei audiophil veranlagten Personen oft für Entsetzen, Jugendliche scheint es hingegen nicht weiter zu stören. Bisher gab es aber rein technisch nur wenige Verbesserungsmöglichkeiten bei den Minilautsprechern.

Neuere Handys haben üblicherweise zumindest zwei Lautsprecher: Ein kleiner sitzt beim Ohr und ist für die Verständlichkeit der Telefongespräche zuständig, der andere Lautsprecher (manchmal auch mehrere) sorgt dafür, dass Klingeln und Musik hörbar sind. Bedingt durch die Bauweise der Handys und den Platzverbrauch anderer Komponenten wie den immer größer werdenden Bildschirmen sind die Lautsprecher klein und der damit erzeugbare Schall „natürlich“ begrenzt.

Bauteile von Handylautsprechern

ORF.at/Nadja Igler

Verschiedene Handylautsprecher im Vergleich

Mehr „Speed“ für Handylautsprecher

Um einen Ton hörbar zu machen, muss ein Lautsprecher Luft bewegen. Wie viel Luft er bewegen kann, hängt von der Oberfläche der Membran und vom Hub ab, also wie stark die Membran sich bewegen kann. Vor allem für Basstöne muss viel Luft bewegt werden, was aufgrund der geringen Größe, durchschnittlich zwischen ein bis zwei Zentimeter sind Handylautsprecher groß, schwierig ist. Ist das Rückvolumen, also der Fassungsinhalt der Lautsprecherbox, zu klein, kann wenig bis gar keine Luft bewegt werden, der Ton klingt flach und blechern.

Bauteile von Handylautsprechern

Knowles

Die Bauteile für einen Lautsprecher mit N’Bass

Ein in Österreich entwickeltes weißes Pulver namens N’Bass soll hier Abhilfe schaffen. Die Österreich-Tochter des US-Akustikspezialisten Knowles, laut eigenen Angaben Weltmarktführer bei Handylautsprechern, hat das poröse Pulver entwickelt. Zwei Gramm davon haben die Oberfläche eines Fußballfelds. Das wird vor allem durch die zahlreichen Löcher in den winzigen Kugeln erreicht.

Pulver saugt Luft wie Schwamm auf

Steigt der Druck in der Lautsprecherbox, wird die Luft in das Pulver „gedrängt“, wie bei einem Schwamm werden die Luftmoleküle aufgesogen - bei gleichbleibendem Platzbedarf kann die Tonqualität verbessert werden, alternativ kann der gewonnene Platz für einen größeren Lautsprecher genutzt werden. Laut Knowles wird das Pulver bereits in Geräten eines Handyherstellers eingesetzt, Namen wollte ein Vertreter von Knowles aber aus Vertragsgründen nicht nennen.

Bauteile von Handylautsprechern

ORF.at/Nadja Igler

Beispiel eines Handylautsprechers mit N’Bass-Verstärkung

Knowles arbeitet laut eigenen Angaben mit großen und namhaften Handyherstellern zusammen, die allesamt Lautsprechern in den Handygehäusen nicht viel Platz zugestehen wollen. Daher gebe es etwa mittlerweile rechteckige statt wie früher runde Lautsprecher, um den Platz besser nützen zu können.

„Smartphones sind keine Hi-Fi-Geräte“

Mittlerweile gebe es aber auch den Trend, sich über die Lausprecherleistung differenzieren zu wollen, nachdem die Kunden selbst gerne einen besseren Sound hätten, so Knowles gegenüber ORF.at. Allerdings sei es in den Geschäften oftmals schwierig, den Sound vor dem Kauf zu testen. Klar sei aber auch: „Smartphones sind keine Hi-Fi-Geräte, es gibt physikalische Grenzen.“

Andere Lösungen wie die Nutzung des Bildschirms als Lautsprecher oder die Erzeugung des Tons direkt im Ohr, wie bereits vor Jahren in Japan entwickelt, könnten bisher bei Preis und Leistung nicht mithalten, so Knowles weiter. Das Pulver selbst sei wegen derzeit fehlender Nachfrage und damit geringer Produktion noch vergleichsweise teuer, mit steigender Nachfrage soll sich das aber ändern.

Nadja Igler, ORF.at

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