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„Ein Haufen Lügen“

Für die eine Hälfte des Jackson-Clans ist nun alles wieder in Ordnung: Katherine Jackson, Mutter des verstorbenen Popstars Michael Jackson, ist nach einer rätselhaften zehntägigen Abwesenheit wieder im heimatlichen Los Angeles und hat erneut die Obsorge über Michael Jacksons Kinder Paris, Prince und Blanket übernommen. Die andere Hälfte der Musikfamilie sieht darin eine verlorene Schlacht.

Begonnen hatte die jüngste Aufregung in dem oft recht zwielichtigen Clan mit dem plötzlichen Verschwinden der 82-jährigen Katherine am 15. Juli. Die drei verwaisten Kinder des Popstars wussten laut eigener Aussage nicht, wo sich ihre Großmutter befand. Telefonisch war sie nicht erreichbar, Michael Jacksons 14-jährige Tochter Paris vermutete in einer Botschaft auf der Social-Web-Plattform Twitter gar eine Entführung. Kurz darauf tauchte das Gerücht auf, Katherine Jackson habe einen schweren Schlaganfall erlitten.

Clanmutter in „Geiselhaft“?

Dass Jacksons Kinder plötzlich ohne gesetzlichen Vormund dastanden, bewog daraufhin deren Cousin Tito Joe Jackson, das einstweilige Sorgerecht zu beantragen. Die Kinder sollen das ausdrücklich befürwortet haben. Erst danach tauchte Katherine Jackson plötzlich in der Öffentlichkeit auf - mit einem vorbereiteten Statement, das sie in einem Wellnessressort im Bundesstaat Arizona vor laufender Kamera des TV-Senders ABC vorlas. Es gehe ihr gut, alle Gerüchte über Entführung oder gesundheitliche Probleme seien „ein Haufen Lügen“.

Das Statement erinnerte manche Medien an eine Botschaft aus „Geiselhaft“. Rund um Katherine Jackson waren als „Bewacher“ Sohn Jermaine und die beiden Töchter Janet und Rebbie gruppiert. Laut dem ABC-Reporter, der zu den Jacksons gerufen worden war, verboten die drei Geschwister sogar vorher abgesprochene Fragen an die Mutter. Es gibt die Vermutung, dass Janet, Rebbie, Jermaine und der Bruder Randy über die Clanmutter völlige Kontrolle erlangen wollen, damit sie an das Erbe des toten Popsängers herankommen.

Es geht um Hunderte Millionen Dollar

Exakte Angaben zum Umfang des Erbes von Michael Jackson gibt es nicht. Fest steht nur: Es dürfte trotz eines vom Popstar zu Lebzeiten aufgehäuften Schuldenbergs beträchtlich sein. Bekannt ist, dass sich die „Einnahmen“ des Musikers seit seinem Tod am 25. Juni 2009 auf 475 Millionen Dollar (387 Mio. Euro) summierten. Der Musiker vererbte sein Vermögen zu 40 Prozent seinen Kindern, zu 40 Prozent seiner Mutter und zu 20 Prozent karitativen Organisationen. Über die Einhaltung dieser Anordnung wacht eine Stiftung.

Wie die Fronten im Jackson-Clan verlaufen, ist unklar. Die zwielichtigste Rolle spielen Rebbie, Janet und Randy. Auf Seite der Kinder stehen angeblich die Brüder Marlon und Jackie. Jermaine und Tito scheinen allein in den letzten Tagen mehrmals die Fronten gewechselt zu haben. Schwester La Toya hält sich aus der Causa heraus. In der Mitte stehen die Kinder des Stars. Allein die Twitter-Botschaften der beiden älteren, Paris und Prince, belegen deren Überforderung und Instrumentalisierung.

Von rätselhaften SMS bis zu Schlägereien

Laut offizieller Darstellung brauchte Katherine Jackson lediglich auf „Anraten von Ärzten ein paar Tage Erholung und Ruhe“. Dass das so nicht stimmt, wurde aber nur allzu bald offensichtlich: Da gab es den Versuch von Janet, Rebbie und Randy, die Kinder „zur Großmutter zu bringen“; da gab es veröffentlichte - und auf rätselhafte Weise wieder gelöschte - SMS von Prince, wonach Janet bestätige, dass Katherine Jackson bewusst isoliert werde; und nicht zuletzt gab es angeblich eine Schlägerei zwischen ein paar Brüdern auf dem Jackson-Anwesen.

Dazwischen gelang es zumindest Titos Sohn Tito Joe und Katherine Jacksons Anwalt Perry Sanders, mit der 82-Jährigen zu reden. Beide erklärten vor dem zuständigen Pflegschaftsgericht, sie hätten dabei den Eindruck gehabt, dass mit ihr „etwas nicht stimmt“. Er habe seine Großmutter „so noch nie reden gehört“, sagte Tito Joe. Ähnlich schilderte Sanders sein Gespräch mit seiner Mandantin. Er äußerte den Verdacht, Katherine Jackson habe dabei eventuell eine verborgene Botschaft loswerden wollen, da sie unter Beobachtung stehe.

„Skandalnudel“ als einzig Vernünftige

Anwalt Sanders jedenfalls konnte sich laut eigenen Angaben in der Nacht auf Freitag in einem persönlichen Gespräch davon überzeugen, dass es seiner Mandantin gutgehe. „Ich hatte heute ein langes und produktives Treffen mit Frau Jackson“, zitierte die US-Nachrichtenagentur AP aus einer Aussendung des Anwalts. Dem TV-Sender CNN sagte Sanders, dass Katherine Jackson das Sorgerecht für die Kinder ihres verstorbenen Sohnes zurückfordere, das vorübergehend einem älteren Cousin der Kinder zugesprochen worden war.

Außerdem meldete sich am Freitag La Toya Jackson mit einem Appell an alle Beteiligten zu Wort. La Toya, die einst als die Skandalnudel des Clans galt, nimmt sich inzwischen vergleichsweise vernünftig aus - und verlangte von ihren Geschwistern, das unwürdige öffentliche Schauspiel, das den Namen der Familie entehre, zu beenden. Öffentlich bleiben die Jacksons aber auf jeden Fall: Am Freitagabend (Ortszeit) ist ein gemeinsames Konzert von Tito, Marlon, Jackie und Jermaine Jackson geplant. Das Promiklatschportal TMZ.com quittierte das mit der sarkastischen Bemerkung, dass „die Jacksons nichts so vereinen kann wie ein Zahltag“.

Lukas Zimmer, ORF.at

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