Beschneidungsdebatte: Thema für Stöger „nicht wichtig“

Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) hält die Debatte über religiös motivierte Beschneidungen in Österreich für eine „aufgesetzte Diskussion“. Dabei sei ein Thema aus Deutschland übernommen worden, „das nicht wichtig ist“, meinte Stöger gestern am Rande einer Pressekonferenz gegenüber der APA.

Grundsätzlich habe jedes Landeskrankenhaus die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob es Beschneidungen durchführt oder nicht, stellte der Gesundheitsminister fest. „Das ist keine Pflichtleistung. Es muss auch nicht jeder Schönheitsoperationen anbieten.“

Grundsätzlich verwies Stöger auf die Kompetenzen des Justizministeriums in dieser Causa. Es gehe um die Einwilligungsfähigkeit der Patienten, und das sei klar eine Frage, die das Justizressort betreffe.

Ärztekammer: Gewissensentscheidung jedes Arztes

Die Ärztekammer verwies darauf, dass kein Arzt verpflichtet sei, eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung an Buben vorzunehmen. „Das ist eine Entscheidung, die jede Ärztin, jeder Arzt auf der Basis ihres bzw. seines eigenen Gewissens zu treffen hat“, stellte der Vizepräsident der Ärztekammer und Obmann der niedergelassenen Ärzte, Johannes Steinhart, in einer Stellungnahme gegenüber der APA fest.

Aus medizinischer Sicht handle es sich um einen „kleinen, in der Regel unkomplizierten Eingriff. Ungeachtet dessen stellt aber auch die Beschneidung - wie grundsätzlich jeder invasive Eingriff - eine Körperverletzung dar.“ Vor der Operation eines Erwachsenen sei daher dessen Einwilligung einzuholen, bei Kindern jene der Erziehungsberechtigten, erläuterte Steinhart.

Kritik an „Stopp“ in Vorarlberg

Gestern hatte Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) den Ärzten in seinem Bundesland empfohlen, vorerst keine Beschneidungen an Buben aus religiösen Gründen mehr durchzuführen. Islamische und jüdische Glaubensvertreter übten daran heute heftige Kritik.

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Vorarlberger Landesrat sorgt für Verwunderung

Der Vorarlberger Gesundheitslandesrat Christian Bernhard will religiös motivierte Beschneidungen weiter in Landesspitälern durchführen lassen, wenn Juristen die Unbedenklichkeit bestätigen. Eine diesbezügliche Anfrage sorgte im Justizministerium für Verwunderung.

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