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Waffen legal erworben

Nach dem Blutbad von Colorado wird über das Motiv des Amokläufers gerätselt. Offensichtlich hatte der 24 Jahre alte Student James Holmes seine Tat von langer Hand vorbereitet: Waffen, massenhaft Munition und schusssichere Spezialkleidung, die er bei dem Blutbad mit zwölf Toten nutzte, hatte er in den vergangenen Monaten ganz legal erworben.

Seine Wohnung hatte Holmes mit Sprengfallen präpariert, bevor er in der Nacht auf Freitag in der Mitternachtspremiere des Batman-Film „The Dark Knight Rises“ in Aurora bei Denver wahllos das Feuer auf die Kinobesucher eröffnete. 30 der insgesamt 58 Verletzten wurden nach Angaben des Gouverneurs von Colorado, John Hickenlooper, am Freitagabend (Ortszeit) noch in Krankenhäusern behandelt. Elf befänden sich in kritischem Zustand.

Erinnerung an Columbine

Der Vorfall geschah nicht weit entfernt vom Schauplatz des Amoklaufs an der Columbine High School im Jahr 1999. Dort hatten zwei Teenager 13 Menschen getötet und 23 weitere verletzt, bevor sie sich selbst erschossen.

6.000 Schuss Munition im Internet gekauft

Nach Einschätzung der Polizei handelte der Student der Neurowissenschaften allein. Der 24-Jährige sei der Polizei zuvor nicht bekannt gewesen, er sei ein „unbeschriebenes Blatt“. Am Montag soll Holmes erstmals vor Gericht erscheinen. Er habe Waffen und Munition offensichtlich ganz legal erworben, sagte Auroras Polizeichef Dan Oates laut dem Sender CNN. Allein 6.000 Schuss Munition habe er im Internet gekauft.

Zwei FBI-Agenten verschaffen sich über eine Teleskopmastbühne Zutritt zur Wohnung des Täters

APA/EPA/Bob Pearson

Spezialkräfte arbeiten sich zu Holmes’ Wohnung vor

Kopfzerbrechen bereitete den Ermittlern die mit Sprengsätzen präparierte Wohnung des Amokschützen. Sicherheitshalber wurden neben dem Wohnhaus des Täters auch vier umliegende Apartmenthäuser evakuiert. Die komplizierte Konstruktion aus Sprengstoff und entzündlichen chemischen Substanzen beschrieb Polizeichef Oates als etwas, „was wir noch nie gesehen haben“. „Es gibt eine Menge Drähte“, sagte er. Im Laufe des Samstags wollten Experten die Sprengfallen entfernen und die Wohnung betreten.

Polizei will Wohnung betreten - Explosionen möglich

Wie Polizeisprecherin Cassidee Carlson mitteilte, soll die Sicherheit der Bevölkerung dabei Vorrang haben. Der Polizeisprecherin zufolge wollten Spezialisten nach dem Betreten der Wohnung zuerst die von Holmes gelegten Stolperdrähte unschädlich machen. Dann sollten die mit ihnen verbundenen Sprengsätze entfernt werden. Bei der Polizeiaktion könne es zu kontrollierten Explosionen und möglicherweise auch zu einem Feuer kommen, hieß es. Die Ermittler haben mit Hilfe von Kameras und Spiegeln in der Wohnung Flaschen mit vermutlich entzündlichen Substanzen ausgemacht. Man wisse aber nicht ganz genau, was sich noch dort befinde, sagte die Sprecherin.

„Rote Haare wie der Joker“

Der Amokläufer hatte den Kinosaal kurz nach Filmbeginn betreten, wie Augenzeugen berichteten. Nach Angaben der Polizei war er mit einem Gewehr und zwei Pistolen bewaffnet, außerdem trug er eine kugelsichere Schutzweste und eine Gasmaske, als er in das voll besetzte Kino stürmte. In New York City sagte Polizeikommissar Raymond Kelly, dass Holmes seine Haare rot gefärbt hatte - wie „Batmans“ Antagonist, der „Joker“. Er geht von der Tat eines geistig Verwirrten aus.

Polizei am Einsatzort vor dem Kino

dapd/AP/The Denver Post/Karl Gehring

Großaufgebot der Polizei am Tatort

Oates sagte, laut Kinobesuchern habe der Amokläufer zunächst womöglich eine Tränengasgranate oder Rauchbombe geworfen und dann das Feuer eröffnet. Polizisten zufolge wurde Holmes nach der Tat auf einem Parkplatz hinter dem Kino festgenommen. Er habe keinen Widerstand geleistet.

Eltern sprachen Angehörigen ihr Beileid aus

Holmes hat nach Angaben des Senders NBC an der University of Colorado in Aurora Neurowissenschaften studiert. Er habe sich im Juni 2011 eingeschrieben, aber sei dabei gewesen, sein Studium aufzugeben, hieß es unter Berufung auf Angaben der Medizinischen Fakultät. Nach weiteren Angaben wuchs Holmes in San Diego (Kalifornien) auf. Eine Polizeivertreterin zitierte aus einer Erklärung seiner Eltern, die den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aussprachen.

Kinokette untersagt Gesichtsmasken

In den US-Kinos wurden nach den tödlichen Schüssen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. In Washington gab es Taschendurchsuchungen beim Einlass in die Kinosäle, in New York patrouillierte die Polizei verstärkt vor Lichtspielhäusern. "Die zweitgrößte Kinokette AMC teilte mit, dass es bis auf weiteres in ihren Häusern nicht erlaubt sei, Gesichtsmasken zu tragen oder Spielzeugwaffen mitzubringen. Es würden alle notwendigen Maßnahmen getroffen, damit diejenigen, die am Wochenende ins Kino gehen wollten, dies „unter den gegebenen Umständen mit der größtmöglichen inneren Ruhe“ tun könnten, hieß es.

Obama verspricht Gerechtigkeit

Präsident Barack Obama versprach den Opfern und ihren Angehörigen am Samstag Gerechtigkeit. „Die Regierung ist bereit, alles zu tun, um diejenigen vor Gericht zu bringen, die für dieses abscheuliche Verbrechen verantwortlich sind“, sagte Obama in seiner wöchentlichen Radioansprache. Seine Regierung werde zudem „alle möglichen Schritte ergreifen“, um die Sicherheit der US-Bürger zu garantieren.

Obama sprach in seiner Ansprache von einer „bösen“ Tat, die sich einer rationalen Erklärung entziehe. Er schließe die überlebenden Opfer des Verbrechens in seine Gebete ein und bitte Gott, ihnen „Trost und Heilung zu spenden, in den harten Tagen, die vor ihnen liegen“.

Der Präsident forderte die US-Bürger gleichzeitig auf, die Tat zum Anlass zu nehmen, sich auf die wesentlichen Dinge im Leben zu konzentrieren und weniger Augenmerk auf „kleine und banale Dinge“ zu legen. „Es kommt darauf an, wie wir miteinander umgehen und uns unsere Liebe zeigen“, sagte er. „Es kommt darauf an, was wir täglich tun, um unseren Leben einen Sinn und Zweck zu geben. Darauf kommt es an. Darum sind wir hier.“

Obama und Romney unterbrechen Wahlkampf

Angesichts des bei der Tat benutzten Waffenarsenals appellierte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg an Obama und dessen republikanischen Herausforderer, Mitt Romney, die Waffengesetze zu verschärfen. Obama und Romney verzichteten am Freitag wegen des Massakers auf geplante Wahlkampfreden und gedachten stattdessen der Opfer.

Obama zeigte sich unmittelbar nach Bekanntwerden der Tat „schockiert und tief betrübt“. Seine Frau Michelle und er seien schockiert über die „entsetzliche und tragische“ Tat, erklärte Obama am Freitag in Washington. Kurz danach meldete sich auch Romney zu Wort. Seine Frau Ann und er seien „tieftraurig über die sinnlose Bluttat“.

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