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Die Hummer sind los

In Maine und Massachusetts sind nicht die Bären, sondern die Hummer los. Seit die natürlichen Feinde der Tiere mit den großen Scheren im Meer abhanden kommen und die Wassertemperaturen höher werden, hat der Hummer ideale Vermehrungsbedingungen. Effekt: Für die Fischer sinkt der Hummerpreis auf solche Tiefen, dass sie ihre Boote im Hafen stehen lassen.

Eigentlich sollte um diese Zeit des Jahres an den kleinen Hafenorten im US-Bundesstaat Maine bereits am frühen Morgen das Tuckern von Dieselmotoren zu hören sein. An normalen Tagen fahren in der Früh unzählige Boote aus dem Hafen zum Hummer fischen hinaus.

Zu viele Hummer vor der Küste

Doch in diesem Jahr ist alles anders: Zu viele Hummer tummeln sich vor der Küste. Und da der Hummer aus Maine eine ganz besonders weiche Spezies ist, eignet sich dieser am besten zum Verzehr in der Region und nicht zum Versand in fernere Gegenden (zumal Hummer ja bis zum Bestimmungsort am Leben bleiben müssen).

Für ein Pfund Hummer (nach der US-Einheit Pound, also ein knappes halbes Kilo) bekommen die Fischer im Moment 1,25 Dollar, das ist in einigen Regionen um 70 Prozent weniger als der übliche Preis.

Fischerboote in Maine

AP/Robert F. Bukaty

In Orten wie Friendship in Maine zahlt sich Hummerfang im Moment nicht aus

„Unter vier Dollar pro Pfund kein Geschäft“

„Unter vier Dollar pro Pfund kann ein Hummerfischer keinen Profit erwirtschaften“, rechnet der Vorsitzende der Massachusetts Lobstermen’s Association, Bill Adler, gegenüber dem „Wall Street Journal“ vor. Die Gewinnspannen seien schon in guten Jahren sehr dünn, doch dieses Jahr würde sich das Problem verschärfen.

Über drei Jahrzehnte hinweg sind die Hummerpopulationen vor den Küsten Kanadas und der USA größer geworden. Der Grund sind die steigenden Temperaturen des Meerwassers, die zur Vermehrungsfreudigkeit des Hummers beitragen. Auf der anderen Seite ist das Überfischen der Meere gerade auch beim Hummer ein Problem. Der Hummer trifft kaum mehr auf natürliche Feinde im Meer.

Dorsch und Schellfisch fehlen

Die Populationen von Dorsch und Schellfisch sind in den Küstenabschnitten durch zu starken Fischfang stark dezimiert. Ein Mittel, die Hummerpopulationen zu minimieren, wäre, den Dorsch- und Schellfischfang massiv einzuschränken. Doch genau vor solchen Eingriffsmaßnahmen schrecken die Behörden zurück.

Mittlerweile mehren sich auch Berichte über Streitereien zwischen Hummerfischern. Es gäbe Gruppen von Fischern, die andere Fischer davon abhalten wollten, aufs Meer hinauszufahren und Hummer zu fischen. Die Hoffnung: Die Preise würden sich mit geringerem Hummerangebot zumindest wieder auf altes Niveau zurückführen lassen.

Behörde prüft Übergriffe

Patrick Keliher vom Maine Department of Marine Resources verspricht gegenüber dem „WSJ“, dass seine Behörde jedem Bericht über entsprechende Vorfälle auf den Grund gehen werde - an der freien Gewerbeausübung dürfe auch die Hummerpreisproblematik nichts ändern, so Keliher.

„Es ist kein gutes Geschäft“, zitiert das „WSJ“ einen 38-jährigen Fischer: „Mein Fang ist in diesem Jahr deutlich höher als in den Jahren davor, aber schaue ich in mein Kassabuch, dann sagt es, dass es mir gar nicht gut geht.“

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