Heftige Proteste von Muslimen in Addis Abeba

Bei heftigen Protesten von Muslimen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba sind zahlreiche Menschen verletzt und viele Demonstranten festgenommen worden. Sprecher der Muslime gaben die Zahl der Verletzten bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen am Freitag mit über 200 an. Regierungssprecher Shimeles Kemal bestätigte diese Angaben gestern nicht, sagte aber, dass 72 Demonstranten festgenommen worden seien.

Gegen liberale Gesetzgebung

Während in der äthiopischen Hauptstadt zahlreiche Staats- und Regierungschefs zum Gipfel der Afrikanischen Union (UA) eintrafen, protestierten die Muslime gegen eine aus ihrer Sicht zu liberale Gesetzgebung im Land und Eingriffe in die innerreligiöse Rechtsprechung.

Die Demonstranten hatten sich nach Angaben des Regierungssprecher zunächst auf dem Gelände einer zentralen Moschee im Osten der Stadt versammelt. Anschließend seien sie durch die Straßen gezogen und hätten „öffentliches Eigentum zerstört“. Die Polizei habe mit Tränengas und Schlagstöcken eingegriffen.

Brutales Vorgehen der Polizei

Die Polizei habe brutal versucht, den Protest der etwa 600 Menschen zu ersticken, sagte der Sprecher der muslimischen Gemeinde, Ahmedin Jebal Mohammed. Dabei hätten die Polizisten auch das Gelände der Moschee gestürmt.

Äthiopiens Ministerpräsident Meles Zenawi hat die anhaltenden Proteste der Muslime gegen die Gesetzgebung als „Zeichen des Extremismus“ gewertet. Von den rund 90 Millionen Einwohnern Äthiopiens sind etwa ein Drittel Muslime.