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Angst, zur Lachnummer zu werden

„Im Silicon Valley geht es zu wie in der Highschool, aber nur mit den klugen Kids, und jeder ist reich“, so die junge Unternehmerin Kim Taylor im Trailer der neuen US-Reality-Show „Silicon Valley“. Und das Bild, dass die Sendung über das IT- und Technologiezentrum zu zeichnen scheint, ist ähnlich: junge Menschen, die viel Party machen, wenig arbeiten und trotzdem beruflich Erfolg haben.

Hinter der Show, für die derzeit die Dreharbeiten laufen, steckt die Schwester von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Randi Zuckerberg . Wie die „New York Times“ („NYT“) berichtete, soll „Silicon Valley“ vom 2010 entstandenen Kinofilm „The Social Network“ über die Facebook-Gründung inspiriert worden sein. „Es geht um eine Welt, in der jeder zu denken scheint, dass man mit einer guten Idee sofort zu Erfolg und sagenhaftem Reichtum kommt, weil das schon öfter so funktioniert hat“, schreibt die „NYT“.

Zuckerberg will Menschen inspirieren

Randi Zuckerberg, die bisher keine Interviews über ihre Show geben wollte, rührt auf ihrer Facebook-Seite eifrig die Werbetrommel für die Show. „Menschen zu inspirieren, mit einem eigenen Unternehmen den amerikanischen Traum zu leben, kann nur gut sein“, schreibt sie dort etwa.

Arbeiter mit Headphone an einem Computer in einem Großraumbüro

Corbis/Erich Schlegel

Ein Leben hinter Rechnern

Viel Kritik an der Show kommt hingegen von Unternehmern und Bewohnern aus dem Silicon Valley. Eine ehemalige Facebook-Kollegin von Zuckerberg erklärte etwa via Twitter, dass sie Angst habe, dass die Serie die ganze Industrie im Valley als Lachnummer darstellen würde. Zuckerbergs Kommentar zu diesem Tweet wird die besorgte IT-Angestellte wohl kaum beruhigt haben: „Glaub mir, genug Menschen in der Branche machen sich selbst zur Lachnummer. Wir bilden nur die Realität ab.“

Vom Leben auf der Überholspur

Die Teilnehmer der Show hat die Produktionsfirma via Inserat auf der Plattform Craigslist.com gefunden. Man suche „Charaktere mit einer geheimen wilden Seite“: „Solange ihr auf der Überholspur lebt, meldet euch bei uns“, hieß es in dem Aufruf. Schon damals war Unruhe in der Valley-Community zu spüren. Doch die wirkliche Aufregung kam erst mit der Veröffentlichung des Trailers, in dem die Protagonisten viel eher an verwöhnte Beverly-Hills-Erben erinnern als an hart arbeitende IT-Spezialisten.

Blick auf Silicon Valley

Corbis/Kim Kulish

San Jose gilt als Zentrum des Silicon Valley

„Stellvertretend für alle Unternehmer, die alles riskiert haben, um etwas aufzubauen, bin ich entsetzt“, erklärte etwa Francisco Dao, der Gründer von 50 Kings, einer privaten Community für Technologie- und Medienentwickler. „Der Horror von Reality-TV kommt ins Silicon Valley.“ Frances Berwick, der Geschäftsführer von Bravo TV versuchte zu beruhigen: Trotz des Titels versuche die Serie nicht, das Leben im gesamten Valley abzubilden, schon gar nicht die langweiligen Aspekte der Wirklichkeit. „Im Schnittprozess versuchen wir, alles loszuwerden, was zu einschläfernd ist.“

Reality-Show ohne Bezug zur Realität?

Dass die Serie viel mit der Wirklichkeit zu tun hat, wird auch in einem CNN-Artikel bezweifelt. Nicht umsonst war das Silicon Valley vor „The Social Network“ kaum interessant für Hollywood: Die Entstehung von Technologieunternehmen sei eben schwer für Film- und Fernsehen zu dokumentieren. „Start-up-Unternehmer haben in der Regel kaum Interesse an ausschweifendem Partyleben: Der Aufbau einer Firma beansprucht die Gründer jede Minute des Tages - und lässt kaum Zeit für ein ausschweifendes Privatleben.“

In der Serie „Silicon Valley“ wird das anders aussehen, suggeriert zumindest der Trailer: schicke Bars, Partys und teure Autos - und schöne Menschen, die in kurzer Zeit mehr Geld verdienen, als sie in der im Übermaß vorhandenen Freizeit ausgeben können.

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