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Gegen alle Widerstände

In den acht Jahren seit der Gründung des Sozialen Netzwerks hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg zahlreiche Konkurrenten hinter sich gelassen. Um den schnellen Erfolg ging es ihm dabei nicht, er will mit Facebook lieber alles durchdringen.

Die 28-Prozent-Beteiligung, die Zuckerberg derzeit an Facebook hält, macht den 27-Jährigen zum Milliardär. Doch das war nicht das erklärte Ziel Zuckerbergs, der etwa 2006, als das Unternehmen noch verhältnismäßig klein war, ein milliardenschweres Kaufangebot von Yahoo ausgeschlagen hatte.

Facebook-Schicht soll alles vernetzen

Zuckerberg will das Unternehmen wie auch das Produkt nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten, was gerade bei den Nutzern nicht immer auf Gegenliebe stößt. Seine Vision sei, Menschen weltweit zu vernetzen, wird Zuckerberg nicht müde zu wiederholen.

Alle Lebenssituationen solle eine Facebook-Schicht durchdringen und Leuten die Möglichkeit geben, alles miteinander zu teilen. Diese Idee setzt er seit der Gründung Facebooks 2004 mit erstaunlichem Starrsinn durch, auch wenn Facebook gelegentlich einen Schritt zurück machen musste - weil es den Nutzern zu weit ging.

Lob von Steve Jobs

Zuckerberg zog daraus die Lehre, dass man den Nutzern mehr Zeit lassen muss, um sich zu gewöhnen. Die letzten Änderungen sorgten bei weitem nicht für den Aufschrei, den noch das Werbeprogramm „Beacon“ vor drei Jahren verursachte. Zuckerberg schaffte es zudem, Konkurrenten wie das ehemals viel populärere MySpace erfolgreich hinter sich zu lassen - bereits im April 2008 überholte Facebook MySpace nach Nutzerzahlen.

Diese Zielstrebigkeit brachte Zuckerberg sogar ein seltenes Lob des notorisch kritischen kürzlich verstorbenen Apple-Mitgründers Steve Jobs ein. Er bewundere Zuckerberg dafür, dass er nicht auf schnelles Geld aus sei und stattdessen selbst seine Vision umsetzen wolle, sagte Jobs laut seinem Biografen Walter Isaacson.

Börsenrecht sieht Veröffentlichung vor

In Zukunft wird sich Zuckerberg auch intensiv mit Analysten und Investoren auseinandersetzen müssen, bei der Vorstellung der Quartalszahlen sogar öffentlich. Allerdings hatte Zuckerberg schon bisher mit zahlreichen Investoren zu tun, darunter dem Softwarehersteller Microsoft.

Der Börsengang ist allerdings nicht freiwillig: Spätestens mit dem Überschreiten der Schwelle von 500 Anteilseignern muss ein Unternehmen nach US-Börsenrecht seine Geschäftszahlen offenlegen, allerdings ohne die Möglichkeit, wie bei einem Börsengang dabei auch noch neues Kapital zu erlangen.

Im Börsenprospekt lässt Facebook allerdings keine Zweifel aufkommen, dass Zuckerberg auch in Zukunft weiter das Sagen bei dem Sozialen Netzwerk haben möchte. Zuckerberg hat zwar nur 28 Prozent der Anteile. Weil andere Anteilseigner ihm ihre Stimmen übertragen haben, kommt er momentan aber auf 57 Prozent aller Stimmrechte.

Streit über mögliche Beteiligungen

Mit einem möglichen Marktwert von zuletzt kolportierten 75 bis 100 Mrd. Dollar läge Facebook deutlich hinter Tech-Schwergewichten wie Apple, Microsoft und IBM. Den weltgrößten Onlineeinzelhändler Amazon und den Unterhaltungskonzern Disney hätte Facebook damit aber nach heutigem Stand überholt. Nicht schlecht für eine Firma, die vor rund acht Jahren im Studentenwohnheim gestartet wurde.

Die offenbar chaotische Gründungszeit sorgte - auch angesichts des Lockrufs der Börsenmilliarden - für jahrelange Konflikte mit Plagiatsvorwürfen, Klagen und viel schmutziger Wäsche. Teile davon wurden von Hollywood für „The Social Network“ verfilmt.

Eine Hauptrolle in dem Streit um Facebook haben die Winklevoss-Zwillinge: Sie werfen Zuckerberg vor, die Facebook-Idee von ihnen geklaut zu haben. Die Parteien handelten einen Vergleich aus. Ein Holzhändler aus New York will sich noch während der Entwicklungszeit mit 1.000 Dollar bei Facebook beteiligt haben, der von ihm vorgelegte Vertrag soll laut Facebook aber eine Fälschung sein. Der Fall ist in den USA noch anhängig.

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