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Die Macht der Sponsoren

Ein Memo der Olympiaorganisation in London sorgt für Aufsehen: Demnach hat sich McDonald’s vertraglich das Recht gesichert, als einziges Unternehmen Pommes frites bei den Spielen zu verkaufen. Alle anderen Gastronomiebetriebe dürfen sie lediglich in der Kombination von Fish and Chips anbieten. Das sei das einzige „Schlupfloch“, heißt es wörtlich.

In dem Schreiben des Organisationskomitees LOCOG heißt es weiter, die Kunden würden gebeten, die Kellner deswegen nicht zu belangen, diese könnten ja nichts dafür. Im schlimmsten Fall könnten auch noch Fish and Chips verboten werden.

„Den Verstand verloren“

Das sei die „grauenhafteste“ Sponsorenvereinbarung, heißt es in der „Times“, das Sponsoring hätte „endgültig den Verstand verloren“ im „Telegraph“. McDonald’s ist mit vier Filialen im Olympiapark vertreten, darunter befindet sich das weltweit größte Lokal der Kette mit 1.500 Sitzplätzen. Rund zehn Prozent aller Mahlzeiten bei Olympia sollen von McDonald’s verkauft werden.

Eigentlich wollen die Veranstalter die Besucher mit kulinarischen Leckerbissen sowohl aus Großbritannien als auch aus aller Welt versorgen - soweit das die Sponsorenverträge zulassen. Neben McDonald’s haben auch der Getränkekonzern Coca Cola, der Süßwarenhersteller Cadbury und die Brauerei Heineken Exklusivverträge. Ausgenommen sind auch jene, die im Olympiapark arbeiten - sie haben freie Pommes-Wahl.

Rogge: „Keine einfache Entscheidung“

Dass das alles nicht unbedingt die Unternehmen mit den aller gesündesten Produkten sind, fiel sogar dem Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, auf. In einem Interview mit der „Financial Times“ sagte er, die Entscheidung für McDonald’s sei nicht einfach gefallen. Man habe mit Vertretern des Unternehmens Gespräche über die fortschreitende Fettleibigkeit und Maßnahmen dagegen besprochen, so Rogge.

Andererseits hat das IOC in den vergangenen vier Jahren 3,9 Milliarden Dollar an Übertragungsrechten und immerhin 957 Millionen Dollar von den elf globalen Hauptsponsoren eingenommen. Neben McDonald’s und Coca Cola sind das Acer, Atos Origin, Dow Chemical, General Electric, Omega, Panasonic, Procter & Gamble, Samsung und Visa. Dazu kommen sieben Unternehmen, die als „Partner“ der Spiele in London bezeichnet werden, sieben weitere „Supporter“ sowie eine Reihe von Zulieferern.

Proteste von NGOs

Für Aufregung hatte zuvor schon gesorgt, dass Logos von allen Firmen, die keine Sponsorenverträge haben, vom Olympiagelände verbannt werden sollen. Das geht so weit, dass sogar T-Shirts von Besuchern mit den falschen Unternehmen verboten sein sollen. Und auch die Auswahl der Sponsoren stößt vielen auf: Non-Governmental-Organisationen (NGOs) protestierten zuletzt gegen die Geldgeber BP, Rio Tinto und Dow Chemical.

Der Ölkonzern BP steht spätestens seit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko in der Kritik. Der Bergbaumulti Rio Tinto stehe weltweit wegen Nichteinhaltung von ökologischen und arbeitsrechtlichen Standards am Pranger, so die Kritiker.

Der Chemiekonzern Dow Chemical finanzierte Teile des großen Olympiastadions. Dow Chemical produzierte das Pflanzengift Agent Orange, das im Vietnam-Krieg eingesetzt wurde und fatale Folgen hatte. Zudem besitzt die Firma seit 1999 Union Carbide, die für die Chemiekatastrophe von Bhopal 1984 verantwortlich war. Damals starben Tausende. Indien drohte sogar mit Boykott. Procter & Gamble schließlich steht wegen Tierversuchen in der Kritik.

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