Kurz stellt derzeitige schulische Integration infrage

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) hat angekündigt, sich als Nächstes der „Baustelle“ Bildung zu widmen - und will dabei auch seit Jahren bestehende Maßnahmen der Integration von Migranten an Schulen infrage stellen, wie er in der „Presse“ (Dienstag-Ausgabe) ankündigte.

Nach einer Bestandsaufnahme soll gemeinsam mit dem Expertenrat für Integration bis Herbst ein Bildungskonzept für junge Migranten erarbeitet werden, das Unterrichtsministerium will Kurz dabei laut seinem Sprecher relativ rasch einbinden.

Kurz zweifelt an derzeitiger Förderung

Konkret will Kurz etwa den „Wildwuchs an Schulversuchen“ zum muttersprachlichen Unterricht durchforsten. Außerdem müsse etwa überprüft werden, ob es sinnvoll ist, Kinder unmittelbar nach der Einwanderung nach Österreich „sofort ins Regelschulwesen aufzunehmen, selbst wenn sie kein Wort Deutsch können“, wird Kurz zitiert.

Er will nun prüfen lassen, ob die derzeitige Sprachförderung der richtige Weg ist, bei der Kinder als außerordentliche Schüler grundsätzlich in der Klasse sitzen und nebenbei elf Stunden Deutschunterricht in eigenen Gruppen oder über einen Zweitlehrer integrativ in der Klasse erhalten. Ziel der seit 2006 angebotenen und in der Vorwoche vom Nationalrat verlängerten Sprachförderung ist es, neben den Sprachkompetenzen auch die Integration in die Klasse zu verbessern.

Keine Freude in Unterrichtsministerium

Im Unterrichtsministerium reagiert man auf den öffentlichen Vorstoß pikiert. Es werde im Bildungsbereich „schon lange ein großes Integrationspaket abgearbeitet“, hieß es aus dem Büro von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ). Besonders, dass Kurz die Sprachförderung infrage stellt, wird nicht goutiert: Immerhin sei diese äußerst positiv evaluiert worden, und die Maßnahme wurde auch durch die Regierung gerade erst bis 2014 verlängert.