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Junge „keine No-Future-Generation“

Die Jugendarbeitslosigkeit ist eines der drängendsten Probleme im Kriseneuropa. In der gesamten Euro-Zone stieg sie im Mai auf 22,6 Prozent. In Spanien findet jeder zweite Jugendliche, der eine Arbeit sucht, keinen Job. Verglichen damit ist die Lage in Österreich geradezu rosig.

Trotzdem machen derzeit etwa 10.000 Jugendliche landesweit eine Ausbildung in einer überbetrieblichen Lehrwerkstätte, weil sie keine Lehrstelle in einem Unternehmen finden konnten. Mehr als 33.000 Jugendliche unter 25 Jahren waren im Juni auf Jobsuche - ein Plus von 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Obwohl die wirtschaftliche Großwetterlage und die konkreten Herausforderungen beim Einstieg in die Arbeitswelt auch hierzulande nicht zu vernachlässigen sind, ist das Gros der 14- bis 24-Jährigen zuversichtlich, wie eine am Mittwoch präsentierte Umfrage unter 800 Jugendlichen ergab.

Praktika auch für Lehrlinge

Auffallend bei dem am Mittwoch von Wirtschafts- und Jugendminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) gemeinsam mit dem Politologen Peter Filzmaier präsentierten „Jugendmonitor“ ist aber besonders eines: Gleich zwei Drittel der Befragten wollen „in Zukunft in der Nähe meines jetzigen Wohnortes arbeiten“. „Am Wohnort zu beharren, ist nicht das, was in der beruflichen Praxis gefordert wird“, kritisierte Mitterlehner. „Wir wollen die jungen Menschen motivieren, mehr Mobilitätsbereitschaft in der Berufswelt zu zeigen.“

Das solle etwa durch die Erleichterung von Auslandspraktika - auch für Lehrlinge, nicht nur Schüler - gelingen. Angesichts steigender Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und den Anforderungen der Unternehmen seien eine höhere Beweglichkeit und das Sammeln internationaler Erfahrungen ein Gebot der Stunde. „Die Mobilität scheint gering, die Heimatverbundenheit hoch“, konstatierte Filzmaier. Aber immerhin 19 Prozent wollen - „wenn möglich“ - in Zukunft im Ausland arbeiten.

Positiver Blick auf Ausbildung

Insgesamt zeige die aktuelle Umfrage, dass Österreichs Jugend „keine No-Future-Generation ist“, so Filzmaier. Fast drei Viertel der Befragten sind neben dem positiven Blick in die Zukunft der Meinung, in ihrer Ausbildung gut auf das Berufsleben vorbereitet worden zu sein. Die 24 Prozent, die angaben, in der Ausbildung nicht ausreichend auf das Berufsleben vorbereitet worden zu sein, gaben zu fast zwei Drittel an, nicht berufs- bzw. praxisbezogen ausgebildet worden zu sein. „Eine Einmahnung“, so Filzmaier.

Siebenter Jugendmonitor

Zum siebenten Mal seit 2010 wurde die Lage der Jugendlichen speziell beleuchtet. Die Studie des Instituts für Strategieanalysen und des Gallup-Instituts hat einen Schwankungsbreite von plus/minus 3,5 Prozent.

Lehre besonders beliebt

Hoch angesehen scheint vor allem die Lehre zu sein: Knapp mehr als zwei Drittel glauben, mit dieser gleiche oder gar bessere Jobchancen zu haben als mit anderen Ausbildungen. 56 Prozent gehen davon aus, zumindest gleich gute Berufschancen wie mit der Matura zu erlangen; 19 Prozent glauben an noch bessere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt durch den Lehrabschluss. „Vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dürfte dieser Wert hoch sein. Da wird die Konkretheit des Lehrberufes - die an und für sich auch als einengend gesehen werden könnte - wohl höher eingeschätzt“, sagte Filzmaier.

„Die duale Ausbildung (Lehre und Berufsschule, Anm.) wird mit Sicherheit verbunden. Man weiß, wohl auch von den Eltern: Mit einer ordentlichen Ausbildung kommt man gut durch das Leben und kann noch weitere Ausbildungen anhängen“, so Mitterlehner. Die Lehre sei auch ein „sicherer Anker in der Krise - alles andere als eine Sackgasse“.

Nicht von Krise angesteckt

Insgesamt blicken 79 Prozent der befragten Jungen zuversichtlich in die Zukunft. Eine knappe Mehrheit ist zudem der Meinung, die Jobsuche in Zukunft relativ leicht zu bewältigen. 67 Prozent sehen nach einer Lehre gleiche oder gar bessere Jobchancen als mit einer anderen Ausbildung.

Der positive Blick der Jugend in die Zukunft mit 79 Prozent ist aktuell auch um drei Prozent über dem erhobenen Wert von Dezember 2011. Auch die Frage, wie die Stimmung im Freundeskreis eingeschätzt wird, wurde diesmal zu 75 Prozent mit sehr bzw. eher zuversichtlich beantwortet. „Die jungen Leute lassen sich von der Finanz- und Euro-Krise nicht anstecken“, sagte Mitterlehner. Er hoffte in Sachen positiver Zukunftssicht der Jugend auf eine sich selbst erfüllende Prophezeiung für Österreichs Wirtschaft.

Gewerkschaft: Kritik an Unternehmen

Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) nutzte den Jugendmonitor zu einer Unternehmensschelte und warf diesen vor, zu wenige Lehrlinge auszubilden. Im Vergleich zum Jahr 1980 gebe es 60.000 weniger Lehrstellen, zugleich klage die Wirtschaft Jahr für Jahr über Fachkräftemangel, so ÖGJ-Chef Jürgen Michlmayr in einer Aussendung.

Durch den demografischen Wandel - laut Prognosen sinke die Zahl der 15-Jährigen von 2010 bis 2015 um rund 15.000 - wird es künftig für Unternehmen deutlich schwieriger, Jugendliche in die Lehre zu bringen. Auch der Wettbewerb mit weiterführenden Schulen würde sich negativ auf die Lehrlingszahlen auswirken. Daher seien neue Zielgruppen für die Lehre zu erschließen und die Zahl der Ausbildungsabbrüche zu verringern.

So solle das Potenzial von Jugendlichen mit Migrationshintergrund stärker genutzt, das Nachholen eines Lehrabschlusses erleichtert und die Drop-out-Quote durch Coachings (Bedarfsbegleitung für Betriebe bzw. Lehrlinge ab Herbst) verringert werden, fordert die ÖGJ.

Hundstorfers Lob der Lehre

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) nahm den Jugendmonitor zum Anlass, die Lehrlingsausbildung zu loben. Erst kürzlich habe das Sozialministerium in einem bildungsorientierten „Erwerbskarrierenmonitoring“ erhoben, dass man nach Abschluss einer Lehre im Schnitt mehr verdienen könne als nach einer AHS-Matura bzw. genau so viel wie nach der Matura in einer Berufsbildenden Höheren Schule. „Die Lehre ist also ein sehr guter Start ins Berufsleben“, so der Minister.

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