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Digitaler Lifestyle von Anfang an

Schon als Baby absolvieren sie ihre ersten Onlinegehversuche am elterlichen Smartphone, im Kindesalter bauen sie ihre Klickkompetenz beim Spielen am heimischen PC aus und mit Eintritt in eine höhere Schule führt schließlich kein Weg mehr an eigenem Computer und Smartphone mit Internetanschluss vorbei.

Als „Digital Natives“ nutzen die Kinder das Internet zum gemeinsamen Austausch, Spiel und Zeitvertreib. Aus pädagogischer Sicht spricht laut Experten nichts dagegen, dass Kinder Zeit vor dem Computer verbringen. Aufholbedarf besteht aber bei der elterlichen Unterstützung im Umgang mit dem Internet.

Gespräche statt Kontrolle

In den USA versuchen Eltern das Onlineleben ihrer Kinder zunehmend durch spezielle Kontroll- und Überwachungssoftware im Auge zu behalten. Das breite Angebot an Kaufsoftware reicht dabei von Filtern, die Websites mit einschlägigen Inhalten blockieren über Überwachungsprogramme, die täglich anzeigen, welche Websites vom Kind aufgerufen, welche Beiträge gepostet und welche Inhalte hochgeladen wurden, bis zu Smartphone-Apps, die eine Kopie jeder SMS vom Handy der Kids auch an die Eltern schickt.

Die heimischen Medienexperten sehen in diesem Vorgehen keine Lösung. „Bei kleinen Kindern kann man zu Hause darüber nachdenken, am Router einschlägige Seiten zu sperren. Will ein älteres Kind aber gezielt eine Website aufrufen, die zu Hause gesperrt ist, wird es dies dann einfach bei einem Freund tun“, so Alexander Pfeiffer, Lehrgangsleiter für Medienpädagogik an der Donau Uni Krems. Die heimliche Überwachung jedes Onlineschritts sei genauso wie das Lesen des Offlinetagebuchs ein Vertrauensbruch und klar zu verurteilen.

Interesse daran, was Kinder vor PC tun

Doch wie können Eltern das Onlineleben ihrer Kinder sinnvoll begleiten? „Wichtig ist vor allem, dass man sich dafür interessiert, was die Kinder am Computer tun“, fasst Barbara Buchegger vom Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) zusammen. „Die PC-Nutzung muss ein ganz normales alltägliches Gesprächsthema am Esstisch sein“, so auch Pfeiffer. Denn nur wer am Onlineleben der Kinder teilnimmt, kommt auch als fachkundige Ansprechperson infrage, falls es zu etwaigen Problemen kommt.

Generell gehe es weniger um das Erlernen des technischen Umgangs, hier seien die Kinder meist schon geschickter als die Eltern, sondern um das Erlernen einer medienkritischen Haltung, so Pfeiffer. „Medienkritik und Medienethik sind zwei wichtige Kompetenzen, die Eltern den Kindern noch zeigen können.“ Dazu gehören etwa Themen wie „wie erkenne ich eine gute App“ und „welchen Informationen im Netz kann ich glauben“.

Jüngere Kinder lernen beim Spielen

In jüngeren Jahren stehe meist das Spielen am Computer im Mittelpunkt. Viele Eltern könnten das zeitintensive Interesse an den Games jedoch nicht nachvollziehen und hielten Computerspiele grundsätzlich für „lächerliche Zeitverschwendung“.

„Die Eltern müssen hier über ihren eigenen Schatten springen, sich trotzdem dafür interessieren und die Spiele auch ausprobieren“, so Buchegger. „Außerdem sollten sie anerkennen, welche Fähigkeiten das Kind beim Spielen erlernt. Neben der berühmten Hand-Augen-Koordination und der Reaktionsgeschwindigkeit wird etwa das Erfassen von komplexen Situationen, der Umgang mit Frustration, sowie bei Onlinespielen auch die Teamfähigkeit trainiert.“

Individuelle Absprachen statt Zeitlimits

Bei der Begrenzung der Computerzeit ist ein bloßes Zeitlimit wie etwa „um 20.00 Uhr“ oftmals nicht sinnvoll, sondern beschwört eher Konflikte herauf, da der Spielverlauf nicht damit vereinbar ist. „Sinnvoller ist es, sich individuelle Grenzen auszumachen. Das könnte etwa so ausschauen, dass man abspricht: ‚Beim ersten Speicherpunkt nach 19.45 Uhr machst du Schluss‘“, so Buchegger weiter.

Doch was tun, wenn der Nachwuchs trotz aller Absprachen einfach nicht vom Computer wegzubringen ist? Buchegger rät auch hier genauer hinzuschauen: „Wenn ein Kind für das gute Zeugnis ein neues Spiel bekommen hat, ist es total o. k., wenn es dieses dann zwei Wochen durchgehend spielen will. Die meisten Spiele sind inzwischen sowieso online vernetzt, sodass die Vereinsamung, die Eltern durch das exzessive Zimmerhocken sehen, gar keine ist.“

Alternative Freizeitangebote setzen

Will ein Kind jedoch gar nicht mehr weg vom PC, sind die Eltern gefragt. „Ein Computerverbot hilft meist nicht viel, stattdessen müssen die Eltern andere Freizeitangebote setzen. Das kann freilich hin und wieder auch heißen, sie zu etwas zu zwingen“, so Buchegger weiter.

Bei Jugendlichen, die ihre gesamte Zeit vor dem Rechner verbrächten und dabei Schule und Freunde vernachlässigten, stecke oft was ganz anderes dahinter, so die Expertin. „Hier ist es sinnvoll, sich Hilfe zu holen und etwa als erste Anlaufstelle zu den Erziehungsexperten der Familienberatungsstellen zu gehen.“

Teenievernetzung via Facebook

Im Alter von zehn bis elf Jahren wird das Internet als vorrangiges Kommunikationsmittel - und damit vor allem Soziale Netzwerke - interessant. Obwohl die Altersgrenze für ein Facebook-Profil offiziell mit 13 Jahren angesetzt ist, sind in der Realität auch viele jüngere Kinder bereits Mitglied, indem sie einfach ein falsches Alter angegeben haben.

Sollen Eltern ihren Kindern unter 13 Jahren den Facebook-Eintritt verwehren? Ein Facebook-Verbot kann in dem Alter fast einer sozialen Isolation gleichkommen, da die Vernetzung unter Klassenkollegen und Freunden fast ausschließlich über Soziale Netzwerke läuft.

„Ist der Wunsch nach einem eigenen Profil groß, empfehle ich Eltern lieber nachzugeben und ihre Kinder durch die Facebook-Welt zu begleiten,“ so Medienpädagogin Buchegger. „Wichtig ist, dass sich Eltern und Kind zusammensetzen, um zu besprechen, wofür das neue Konto genutzt wird und es dann auch gemeinsam einrichten.“

Worauf bei Kinderprofil achten?

Bei der Einrichtung eines Facebook-Accounts sollte das Kind entweder unter einem Fantasienamen (Pseudonym) oder zumindest nur unter dem Vornamen auftreten. Statt dem Nachnamen kann man zum Beispiel den zweiten Vornamen angeben, statt dem echten Profilfoto eine Comicfigur oder ein selbstgezeichnetes Icon.

Die Angabe des echten Geburtsdatums ist für die Kinder meist wichtig, um die Glückwünsche der Freunde zum richtigen Zeitpunkt zu bekommen. In den Privatsphäre-Einstellungen sollte allerdings eingestellt werden, dass das Geburtsjahr – bei Kindern unter 13 Jahren sowieso geschummelt - nicht öffentlich im Profil angezeigt wird.

„Eltern sollten darauf achten, dass das gefälschte Geburtsjahr trotzdem unter 18 Jahren liegt, denn für minderjährige Nutzer bietet Facebook erhöhte Privatsphäre-Sicherheitsvorkehrungen“, rät Buchegger. Von der Eingabe von E-Mail-Adresse und Telefonnummer sollte man ganz absehen und auch sonst sollten die Privatsphäre-Einstellungen Schritt für Schritt gemeinsam durchgegangen werden.

Facebook-Games und freizügige Fotos

Sind die Kinder bei Facebook-Spielen wie „Bubble Safari“, „The Sims Social“, „Habbo Hotel“ oder ähnlichem aktiv, sollten die Eltern regelmäßig eventuelle Spielbekanntschaften genauer unter die Lupe nehmen. Denn oft ist der kindliche Spielfreund nicht der, für den er sich ausgibt und versucht auf diesem Weg die Kontaktaufnahme und Beeinflussung des Kindes.

Besonders bei Mädchen im Teenageralter ein großes Thema ist das Hochladen von freizügigen Fotos von sich. Die Bilder sollten auf jeden Fall nicht komplett öffentlich gemacht, sondern nur einem eingeschränkten Nutzerkreis wie etwa den eigenen Freunden freigegeben werden. Eltern sollten auch hier das Gespräch suchen und über mögliche Gefahren durch eventuelle Betrachter mit unerwünschten Hintergedanken aufklären. Gemeinsam sollte dann diskutiert werden, welche Bilder noch o. k. sind und welche die Grenze überschreiten.

Die eigenen Eltern als Facebook-Freunde?

Ob Eltern sich mit ihren Kindern auf Facebook befreunden sollten, um sie besser im Auge zu behalten, bzw. ob die Kinder das zulassen, hängt vor allem vom Alter ab. Während jüngere Kinder sich meist darüber freuen, wenn Eltern oder Lehrer mit ihnen befreundet sind, und sich dadurch geschützter fühlen, nimmt die generationenübergreifende Facebook-Freundschaft mit der Pubertät meist ein jähes Ende.

„Ab einem bestimmten Alter entfreunden sich die Jugendlichen wieder,“ so Buchegger. „Hier sollte man einfach cool bleiben. Es ist völlig normal, dass Teenager ihre Eltern als peinlich ansehen.“ Das sei im Internet nicht anders als im echten Leben.

7,5 Mio. Kinder unter 13 Jahren bei Facebook

Nach Schätzungen des US-Konsumentenschutzmagazins „Consumer Reports“ waren im vergangenen Jahr rund 7,5 Millionen Kinder unter 13 Jahren bei Facebook angemeldet. Zuletzt dachte Facebook darüber nach, das Onlinenetzwerk auch für jüngere Kinder unter 13 Jahren zu öffnen. Eine Überlegung dabei ist, die Konten der Kinder mit den Accounts ihrer Eltern zu verknüpfen. Die Erwachsenen könnten dann etwa entscheiden, mit wem sich ihre Kinder auf Facebook anfreunden und welche Apps sie nutzen dürfen.

Beate Macura, ORF.at

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