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„Beträchtliche Extrakosten“

Durch die „Energiewende“ wird der Strompreis in den nächsten Jahren um 25 Prozent steigen, schätzt E-Control-Vorstand Walter Boltz. „Da addieren sich viele Einzelkomponenten auf“, so Boltz im Interview mit dem „WirtschaftsBlatt“ (Montag-Ausgabe).

Als Kostenfaktoren verweist Boltz auf die verpflichtende Förderung von Ökostrom in Österreich mit etwa 350 bis 400 Mio. Euro im Jahr, ferner auf den Netzausbau und die Reservekraftwerke. „Das wird für alle eine teure Sache“, sagte der Vorstandsdirektor des Energieregulators. Allein der deutsche Atomausstieg verursache für Österreich Mehrkosten von rund 150 bis 200 Mio. Euro, „wenn die Deutschen ihre Energiewende-Maßnahmen so weiterziehen“. Die „beträchtlichen Extrakosten“ für den Netzausbau aufgrund der erneuerbaren Energien würden natürlich auf die Kunden umgewälzt, „die Netze zahlen immer die Stromkunden“, so Boltz.

An vierter Stelle in EU

Österreich lag 2010 beim Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch an vierter Stelle unter den 27 EU-Staaten. Laut den Anfang letzter Woche von Eurostat veröffentlichten Daten lag Schweden mit 47,9 Prozent an der Spitze, gefolgt von Lettland (32,6), Finnland (32,2) und Österreich (30,1).

Dann folgen Portugal (24,6), Estland (24,3), Rumänien (23,4), Dänemark (22,2), Slowenien (19,89), Litauen (19,7), Spanien und Bulgarien (je 13,8), Deutschland (11,0), Italien (10,1), die Slowakei (9,8), Polen (9,4), Griechenland und Tschechien (je 9,2), Irland (5,5), Zypern (4,8), die Niederlande (3,8), Großbritannien (3,2), Luxemburg (2,8) und Malta (0,4). Keine Zahlen lagen aus Frankreich (das 2009 bei 11,9 Prozent lag), Ungarn (2009 bei 8,1 Prozent) und Belgien (2009 bei 4,6 Prozent) vor.

Österreichs Anteil sank allerdings gegenüber 2009 von 31,0 auf 30,1 Prozent. Zuvor hatte es ständige Steigerungen gegeben: von 26,6 Prozent 2006 auf 28,9 Prozent 2007 auf 29,2 Prozent 2008 und 31,0 Prozent 2009.

Vergehen gegen Betrug im Stromhandel

Zur geplanten Bekämpfung von Betrug im Stromhandel in der EU verwies Boltz im „WirtschaftsBlatt“ auf die EU-„Remit“-Verordnung „über die Integrität und Transparenz des Energiegroßhandelsmarktes“. In Österreich solle die Umsetzung noch vor dem Sommer durchs Parlament, vorgesehen seien als effektive Sanktionen voraussichtlich Geldstrafen. Wer dagegen verstoße, werde potenziell aber auch strafrechtlich verfolgt wie im Handels- und Finanzbereich. Bei wiederholten großen Verstößen seien Haftstrafen nicht ausgeschlossen.

Als Beispiel für früher mögliche Praktiken im Energiehandel führte Boltz an: „Beim Insiderhandel konnte man binnen Stunden 500.000 Euro verdienen, und das war in Deutschland ohne Remit nicht illegal. Wenn Sie wussten, dass Sie morgen ein großes Kraftwerk abschalten, kauften Sie die Megawattstunde zum Beispiel um 20 Euro ein. Am nächsten Tag stieg der Preis wie das Amen im Gebet auf 60, und Sie verkauften wieder.“ Künftig wird es ein EU-weit einheitliches Berichtssystem zur Energieregulierungsagentur ACER geben. „Alle Geschäfte müssen vorab dort angemeldet werden. Damit wird Marktmanipulation und Insiderhandel unmöglich“, so Boltz.

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