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Risiko besonders ausgesetzt

Die Ratingagentur Moody’s hat vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise zu einem Rundumschlag gegen die Großbanken ausgeholt. Sie stufte am späten Donnerstag insgesamt 15 Kreditinstitute mit einem weltweiten Kapitalmarktgeschäft herab, darunter die Wall-Street-Banken Goldman Sachs, Citigroup und JPMorgan, aber auch die Deutsche Bank.

Die herabgestuften Banken seien in besonderer Weise den Risiken und der Volatilität des Kapitalmarkts ausgesetzt, sagte der zuständige Moody’s-Experte Greg Bauer in New York. Er betonte allerdings, dass die Häuser auch Geschäfte besäßen, die stabilisierend wirkten. „Diese Aktivitäten können bedeutende ‚Schock-Absorber‘ sein.“

Bis zu drei Stufen

Im schlimmsten Falle ging es gleich drei Bonitätsnoten nach unten. Das traf allerdings nur auf die Credit Suisse zu, die von der zweitbesten Bewertung „Aa1“ auf ein noch gutes „A1“ abrutschte. Bei der Deutschen Bank ging es um zwei Stufen runter von einem guten „Aa3“ auf ein befriedigendes „A2“.

Am härtesten traf es der Mitteilung von Moody’s zufolge die US-Häuser Bank of America und Citigroup. Deren Bonität wurde demnach auf die Note „Baa2“ herabgestuft. Sie liegen damit nur knapp über dem Ramschniveau. Das Rating von Morgan Stanley, einer der am schärfsten beobachteten Banken, wurde um zwei Stufen auf „Baa1“ gesenkt - weniger als erwartet. Die Bank kritisierte die Bewertung dennoch. Diese berücksichtige nicht alle strategischen Maßnahmen, die bereits in den vergangenen Jahren ergriffen worden seien. Auch Citigroup wies die Analyse als unbegründet und völlig ungerechtfertigt zurück.

Von der Herabstufung sind fünf US-Institute, drei französische und drei britische Banken, zwei Schweizer Institute sowie eine kanadische und eine deutsche Bank betroffen.

Nach Herabstufung heimischer Banken

Moody’s hatte Anfang Juni mit dem in der Finanzbranche befürchteten Rundumschlag begonnen. Damals traf es auch die heimischen Banken: Die Bewertung der Verbindlichkeiten und Einlagen der Raiffeisen Bank International (RBI) und der UniCredit Bank Austria wurden um eine Stufe gesenkt, die der Erste Group um zwei Stufen.

Moody’s hatte im Februar erklärt, wegen der lahmen Wirtschaft und der Flaute auf den Kapitalmärkten 114 Banken und Versicherer zu überprüfen. Dabei hatte die Agentur zum Teil bereits angekündigt, um wie viele Stellen sich das Rating der einzelnen Häuser verschlechtern könnte. Dementsprechend hatte es bei Bekanntgabe der ersten Herabstufungen vor einigen Tagen auch kaum Reaktionen auf den Finanzmärkten auf die Schritte gegeben.

Kritik an Agenturen

Moody’s hatte sein Vorhaben im Februar unter anderem mit der schwachen Wirtschaftsentwicklung in Europa und den schwachen Aussichten auf den Kapitalmärkten begründet. Die Agenturen S&P und Fitch hatten schon zum Jahreswechsel die Bonitätsnoten für mehrere Länder und Banken gesenkt oder damit gedroht, das zu tun. Kritiker haben den US-Agenturen vorgeworfen, die Krise in Europa mit ihren Herabstufungen prozyklisch zu verschärfen.

Eine schlechtere Kreditwürdigkeit kann die Aufnahme von frischem Geld erschweren und verteuern. Allerdings gibt es keinen Automatismus. Die stark auf dem Kapitalmarkt aktiven Großbanken mussten bereits Gewinnrückgänge wegen der Schuldenkrise verdauen.

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