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Schwierige Berufswahl

Je höher der Bildungsabschluss, desto kürzer dauert die Jobsuche, und desto höher ist das Anfangseinkommen. Zu diesem nicht unerwarteten Ergebnis kommt das erstmals durchgeführte „bildungsbezogene Erwerbskarrierenmonitoring“ (BibEr-Monitoring) von Statistik Austria, Sozialministerium und Arbeitsmarktservice (AMS).

Fast zwei Drittel aller Uni- und Fachhochschulabsolventen finden innerhalb der ersten drei Monate nach Abschluss einen Job, auf praktisch den gleichen Wert kommen Absolventen einer berufsbildenden mittleren Schule (BMS). Bei den Lehrabsolventen sucht knapp die Hälfte nur höchstens drei Monate, bei den Absolventen einer berufsbildenden höheren Schule (BHS) rund ein Drittel.

Starkes Gefälle auch nach einem Jahr

Nach dem Abschluss verdienen immerhin 43 Prozent aller Uni- bzw. Fachhochschul- (FH) und 25 Prozent aller BMS-Absolventen mehr als 2.400 Euro brutto. Von den Absolventen einer Lehre sind es nur acht, von den BHS-Maturanten nur sieben und von ihren AHS-Kollegen nur zwei Prozent. Umgekehrt liegt die Einstiegsentlohnung für knapp 64 Prozent aller AHS-Maturanten unter 1.200 Euro brutto pro Monat. Bei den Lehrabgängern sind es 34 Prozent, bei BMS- und BHS-Absolventen jeweils um die 40 Prozent und bei den Akademikern 23 Prozent.

Ein ähnliches Bild zeigt ein Vergleich der Brutto-Medianeinkommen ein Jahr nach dem Abschluss (Jahreseinkommen dividiert durch zwölf): Absolventen einer Universität oder FH kommen auf 2.850 Euro, Absolventen einer Lehre oder BHS auf je 1.900 Euro, BMS-Absolventen (ohne Gesundheitsschulen) auf 1.500 Euro, AHS-Maturanten auf 1.300 und Pflichtschulabsolventen auf 525 Euro. Bei den Uniabschlüssen selbst gibt es ein starkes Gefälle: Psychologieabsolventen kommen etwa nur auf 1.900 Euro, Mediziner, Chemiker, Informatiker und Wirtschaftswissenschaftler auf mehr als 3.000 Euro.

Matura allein reicht nicht

Die AHS-Matura wird allerdings immer mehr zur „Zwischenstation“, so Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ). Nur jeder Fünfte mit der AHS als höchstem Abschluss hat innerhalb von drei Monaten einen Job, 40 Prozent suchen nach mehr als einem Jahr noch immer - das entspricht praktisch dem Wert von Personen mit nur Pflichtschulabschluss.

„Wer nach der Pflichtschule keine weitere Bildungsinstitution besucht, braucht sehr lange, um einen Job zu finden, und erhält ein geringeres Einkommen.“ Außerdem sei das Arbeitslosigkeitsrisiko größer: „Ein häufiger Besuch am AMS ist programmiert.“ Das BibEr-Monitoring soll in den nächsten Jahren ausgebaut werden, um etwa Zeitreihen zu erstellen.

Hundstorfer wirbt für Gesundheitsschulen

„Superstar“ der Ausbildungen ist laut Hundstorfer aber eine Form der BMS: 85 Prozent aller Absolventen von Gesundheitsschulen (Krankenschwestern- und Pflegeausbildung) fänden innerhalb von drei Monaten nach dem Abschluss einen Job, auch beim Starteinkommen stünden sie vielen Uniabsolventen nicht nach, so Hundstorfer. Für das Monitoring wurden die Verwaltungsdaten von allen 221.000 Personen, die 2008/09 eine formale Ausbildung absolvierten, berücksichtigt und Informationen von Statistik Austria und AMS miteinander verknüpft.

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