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Mehr Zeit für Vorbereitungen

Der Start der standardisierten Reifeprüfung wird um ein Jahr verschoben. Das gab Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) nach einem Schulpartnergipfel gemeinsam mit den Bildungssprechern Werner Amon (ÖVP) und Elmar Mayer (SPÖ) Anfang des Monats bekannt.

An den allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) wird es damit erst ab 2015 und an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) ab 2016 bei den Klausuren einheitliche Maturaaufgaben in den Fächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen geben.

Freiwilliger Start möglich

Allerdings sollen jene Standorte, die sich bereits ausreichend vorbereitet fühlen, wie bisher geplant 2014 (AHS) bzw. 2015 (BHS) mit der neuen Reifeprüfung beginnen können. Dabei müssen jeweils zwei Drittel der Eltern-, Schüler- und Lehrervertreter der Schule zustimmen. Noch vor dem Sommer sollen Initiativanträge ins Parlament eingebracht werden, in denen die Details geregelt werden, kündigte Schmied an.

Schmied hob hervor, dass mit dem „Optionenmodell“ nicht nur dem unterschiedlichen Vorbereitungsniveau an den einzelnen Standorten Rechnung getragen, sondern auch klar gezeigt werde, dass man die Meinung der Schulpartner ernst nehme. Die Entscheidungen an den einzelnen Schulen sollen nun möglichst schnell getroffen werden, spätestmöglicher Zeitpunkt ist laut Schmied zum Ende der siebenten Klasse AHS, wenn die Schüler die Themen für die vorwissenschaftliche Arbeit festlegen müssen.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Bildungssprechern Werner Amon

APA/Herbert Pfarrhofer

Bildungssprecher Werner Amon und Unterrichtsministerin Claudia Schmied

„Nehme die Sorgen ernst“

Die Ministerin hatte wie auch Amon eine Verschiebung bisher stets dezidiert ausgeschlossen. Dass die Schulen nun doch ein Jahr Aufschub erhalten, begründete Schmied damit, dass es noch immer Standorte gebe, wo Schüler, Eltern und Lehrer warnten, dass die Vorbereitungen nicht zeitgerecht abgeschlossen werden könnten. Andere hingegen seien bereits startklar. Sie habe mit Amon und Mayer eine Lösung gesucht, „die beiden Gegebenheiten gerecht wird“.

Schmied verteidigte die Verschiebung, immerhin seien 45.000 Schüler betroffen. „Vielleicht ist es auch ein Zeichen von Stärke zu sagen: Ich nehme die Sorgen ernst.“ Eine weitere Verschiebung schloss Schmied allerdings aus: „Wir müssen jetzt an diesem Termin festhalten." Dafür forderte sie auch die Mithilfe der Lehrer: Ich erwarte mir jetzt auch von allen Lehrerinnen und Lehrern, dass sie das Thema ernst nehmen.“

Vorbereitung „müsste gut zu schaffen sein“

In dem zusätzlichen Jahr zur Vorbereitung seien alle Beteiligten - vom Ministerium und den Landesschulräten bis hin zu den einzelnen Schulstandorten - bei der Umsetzung gefordert. „Ich denke, das müsste jetzt gut zu schaffen sein“, betonte Schmied.

Laut Christian Dorninger, dem interimistischen Direktor des für die österreichweit einheitlichen Klausuren zuständigen Bundesinstituts für Bildungsforschung (BIFIE), sollten im Laufe eines Jahres bereits bis zu 90 Prozent der betroffenen Lehrer durch Fortbildungsmaßnahmen zur Zentralmatura erreicht werden. Aus seiner Sicht wäre die Verschiebung gar nicht nötig gewesen. „Jetzt haben wir mehr Zeit, aber in Wirklichkeit ist das Programm seit letzter Woche voll angelaufen.“

Scharfe Kritik an Starttermin

Vor allem für Mathematik hatten Schüler-, Eltern- und Lehrervertreter wegen angeblich mangelnder Vorbereitung wiederholt eine Verschiebung des Starttermins an den AHS gefordert. Die von der ÖVP-nahen Schülerunion dominierte Bundesschülervertretung hatte im April eine parlamentarische Bürgerinitiative für eine Verschiebung der Zentralmatura gestartet. Auch Teile der ÖVP selbst hatten eine Verschiebung gefordert.

Grüne: „Fatale Fehlentscheidung“

Die Grünen fordern Schmied nach der Verschiebung zum Rücktritt auf. Die Entscheidung der Ministerin sei „eine fatale Fehlentscheidung“, so der grüne Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung. Schmied sei nun mit zwei zentralen Reformen - der gemeinsamen Schule und der Zentralmatura - gescheitert: „Sie sollte die Konsequenzen ziehen und das Feld räumen.“

In Anspielung an die „überschwängliche Freude der ÖVP-nahen Interessenvertretungen über die abgeblasene Zentralmatura“ sieht Walser die „Bildungsblockierer triumphieren - zum Schaden des Bildungssystems“: „Der Kleingeist gewinnt die Oberhand über den Reformwillen. Und die Ministerin lässt sich auf offener Bühne von den Blockieren hinrichten.“ Das sei „die Bankrotterklärung der rot-schwarzen Bildungspolitik“. Von der eigenen Partei habe Schmied keine Unterstützung erhalten, von der ÖVP sei sie „bis aufs Messer bekämpft worden“.

FPÖ und BZÖ: Sieg der Vernunft

Als einen „Sieg der Vernunft“ wertete FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz die Verschiebung der Zentralmatura um ein Jahr. Die FPÖ habe das bereits angesichts der knappen Vorbereitungszeit für Schüler und Lehrer wiederholt gefordert. „Was außerdem noch gefragt ist, ist die umfassende Veröffentlichung der Ergebnisse der ersten Zentralmatura-Probeläufe“, so Rosenkranz in einer Aussendung.

Als „notwendigen Schritt“ bezeichnete BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner die Verschiebung. Die vorangegangenen Diskussionen hätten „bereits gezeigt, dass es sich bei den Vorbereitungen zur Zentralmatura um eine Husch-Pfusch-Aktion gehandelt hat“, so Haubner in einer Aussendung.

Eltern- und Schülervertreter jubeln

Als „Erfolg der Schulpartner“ wertete der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen die Verschiebung. Das sei „eine absolut zielführende Entscheidung“. Eine „Neuauflage“ der Matura neu werde man „sicherlich genau verfolgen und kritisch beobachten“, so Vorsitzender Theodor Saverschel bei der Pressekonferenz der Unterrichtsministerin. Seiner Ansicht nach gibt es Bereiche wie die Fremdsprachen, die schon jetzt gut vorbereitet seien. In anderen wie der Mathematik sei jedoch auch der neue Zeitplan „sehr enthusiastisch, weil noch viel zu tun ist“.

In Feierlaune zeigte sich Bundesschulsprecherin Conny Kolmann von der ÖVP-nahen Schülerunion. Gerade der Druck der Schülervertreter mit einer Bürgerinitiative habe zum Umdenken im Unterrichtsministerium geführt. „Dabei möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass gerade unser Vorschlag, die Schulstandorte entscheiden zu lassen, umgesetzt wird“, so Kolmann.

Verhalten optimistisch zeigte sich der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin. „Durch das eine Jahr Aufschub ist das Problem nicht gelöst, aber es ist notwendig, um die Probleme zu lösen.“ Aus seiner Sicht ist noch viel Vorbereitung nötig. Der neue Zeitplan sei dann einhaltbar, wenn es „die notwendigen Festlegungen gibt“, forderte er etwa Präzisierungen zur Leistungsbeurteilung. „Wir werden fleißig arbeiten müssen.“

Drei Säulen

Die standardisierte Reifeprüfung besteht aus drei voneinander unabhängigen Säulen: Zentral ist die Klausur, bei der alle Schüler Österreichs am selben Tag in Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen zentral vorgegebene Aufgaben lösen, die vom Lehrer nach einem vorgegebenen Schlüssel bewertet werden.

Bei der neuen Matura muss außerdem jeder Schüler eigenständig außerhalb der Unterrichtszeit eine vorwissenschaftliche Arbeit (an den BHS: Diplomarbeit) erstellen und präsentieren. Bei der mündlichen Prüfung können die Schulstandorte eigene Schwerpunkte setzen: Die Lehrer eines Faches einigen sich dabei auf einen Themenpool, aus dem die Prüflinge ihre Aufgabe ziehen.

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