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„Nicht billig, aber praktisch“

Mikrokredite sind in ihrer ursprünglichen Form eigentlich ein Instrument der Entwicklungshilfe. Das Prinzip findet jedoch auch in europäischen Ländern immer größere Nachfrage - weniger als Unternehmensgründungshilfe, sondern für private Schuldentilgung: Immer mehr Menschen leihen sich unbürokratisch für kurze Zeiträume kleine Beträge bei privaten Geldgebern - mit teils enormen Zinsen.

In Spanien, einem der größten Sorgenkinder der Euro-Zone mit Rekordarbeitslosigkeit und enormer Verschuldung, scheint das Geschäft mit den „Payday Loans“ (Überbrückungskrediten) zu boomen: „Wir merken ein deutlich steigendes Interesse“, sagt Markus Seebacher im Interview mit ORF.at. Der gebürtige Österreicher arbeitet für den spanischen Onlinekreditgeber Deenero Spain als Software-Entwickler.

Kredite von maximal 300 Euro

Unter der Website quebueno.es vertreibt Deenero Kleinkredite von maximal 300 Euro für höchstens etwa einen Monat. Spätestens am ersten Montag des nächsten Monats muss der Betrag in der Regel zurückbezahlt werden. „Am Beginn des Monats haben wir natürlich die besseren Chancen, unser Geld auch wieder zurückzubekommen, da die meisten Leute dann ihr Gehalt überwiesen bekommen“, so Seebacher.

71,50 Euro kosten etwa 300 Euro für 25 Tage - für kürzere Zeiträume bzw. kleinere Beiträge zahlt der Kunde entsprechend weniger. Die Überbrückungskredite sind in erster Linie eine Alternative zu teuren Kontoüberziehungen und werden meist in Anspruch genommen, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten und die Zeit bis zum nächsten Lohn überbrückt werden muss, so Seebacher gegenüber ORF.at. Für langfristige Finanzierungen seien sie weniger geeignet, weshalb man das Volumen von vornherein begrenzt. Gleichzeitig sichert sich das Unternehmen durch die niedrigen Beträge ab - einzelne Ausfälle sind bei Durchschnittsbeträgen von 230 Euro einfach zu verkraften.

40-Euro-Kredit für vier Tage für eBay-Kauf

Deenero arbeitet in einem heißumkämpften Markt - sowohl lokal als auch europaweit gäbe es eine Vielzahl von Konkurrenten, heißt es vonseiten des Unternehmens. Dass freilich auch diese Variante nicht günstig ist, gibt man freimütig zu: „Unser Produkt kann man mit einem Taxi vergleichen. Es ist nicht billig, aber manchmal äußerst praktisch“, so Firmenchef Rolf Cederström. Kürzlich hätte sich beispielsweise ein Kunde für einen Kauf auf eBay 40 Euro für vier Tage ausgeborgt, damit er sein Konto nicht überziehen muss. Die Kosten dafür: 6,70 Euro.

Was die Kunden dazu bewegt, für solch kleine Beträge derart hohe Zinsen zu berappen, hat laut Seebacher mehrere Gründe: Zum einen sind es die teuren Folgen eines Ausreizens des Kontorahmens bei der Bank - die Überziehungskosten spanischer Banken sind in manchen Fällen deutlich höher als die Kosten für Überbrückungskredite. Zum anderen griffen viele Kunden auf die „Payday Loans“ zurück, weil deren Abwicklung schnell und unkompliziert ist, so Seebacher. Der Kredit kann von überall aus online beantragt werden, ohne Dokumente vorweisen zu müssen, Mails oder Faxe zu verschicken. Die Kosten sind von Anfang an klar, und das Geld ist meist in wenigen Minuten - maximal in einer Stunde - auf dem Konto, verspricht der Geldgeber.

Check via Facebook und Co.

Que Bueono wirbt zwar mit einfachen und unbürokratischen Krediten, hinter der Vergabe steht jedoch eine ausgeklügelte Bonitätsprüfung. Die angegebenen Daten werden nicht nur mit staatlichen Stellen wie dem Finanzamt abgeglichen, sondern auch in Sozialen Netzen wie Facebook nachgeprüft. Anschließend wird der Kunde einer Risikoanalyse unterzogen. Dieser Prüfung halten offenbar nicht viele Spanier stand: „Unsere Akzeptanzquote liegt bei zehn Prozent“, so Seebacher. 90 Prozent der Interessenten würden abgewiesen, weil sie falsche Daten angeben oder die nötige Bonität schlicht nicht besitzen.

Die Kundengruppe bezeichnet Seebacher als „sehr heterogen“. Personen mit geringerem Einkommen und oftmals unsicheren Arbeitsverhältnissen überwiegen jedoch. Das große Interesse an dieser Form der Kredite führt er auch auf die angespannte finanzielle Situation in Spanien zurück.

Boom in Großbritannien

Der Markt für Kurzzeitkredite floriert nicht nur in Spanien - auch immer mehr Briten verschaffen sich via „Payday Loans“ Geld. 1,9 Milliarden Pfund wurden über diesen Weg allein 2010 für höchstens einen Monat verliehen - die Zinsen sind dort teilweise noch höher als bei spanischen Anbietern. In Deutschland brummt das Geschäft ebenfalls, wie die „Welt“ berichtet. 425 Euro beträgt etwa der durchschnittliche Kredit beim Anbieter Vexcash - ein Betrag, der so niedrig ist, dass ihn Banken oft gar nicht herleihen.

Gesetze in Österreich strenger

In Österreich ist die Gesetzeslage strenger: Nach Auskunft der Finanzmarktaufsicht (FMA) bedarf das gewerbsmäßige Betreiben eines Kreditgeschäfts laut Bankwesengesetz einer Konzession. Darunter fällt auch die Kreditvermittlung, mit Ausnahme der Berechtigung im Rahmen der Gewerbeordnung, erklärt Klaus Grubelnik von der FMA.

Ein 2009 gegründeter Kreditvermittler wurde von der FMA nach kurzer Zeit aufgrund fehlender Konzessionen abgedreht. Das Prinzip von bankless-life.at war ähnlich dem der „Payday Loan“-Anbieter, mit dem Unterschied, dass das Projekt auf „Social Lending“ zwischen Privatpersonen setzte, das ähnlich funktioniert wie Crowdfunding. Aufgebaut war bankless-life.at via Vereinsstruktur. Interessenten gaben bekannt, wie viel Geld sie brauchen und schlugen Zinshöhe und Laufzeit vor. Ihr Geld bekamen sie daraufhin von meist mehreren Vereinsmitgliedern, die darin eine rentable Anlagemöglichkeit sahen. Der Geldtransfer war nur zwischen Vereinsmitgliedern möglich.

Petra Fleck, ORF.at

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