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Schneller Kredit ohne lästige Fragen

Überraschend anfallende Reparaturen, ein bevorstehender Urlaub oder eine offene Rechnung veranlassen viele Menschen dazu, Wertgegenstände vorübergehend zu belehnen. Pfandleihhäuser verzeichnen eine boomende Nachfrage nach der Leihpfändung von Schmuck, Autos und Versicherungen. Die Kundenschicht ist dabei bunt gemischt.

Unzählige Pfandleihhäuser werben im Internet mit schnellem Geld für die Belehnung von Schmuck, Fahrzeugen und Lebensversicherungen. Das Prinzip ist immer gleich: Das Leihhaus schätzt den Gegenstand und bietet dem Kunden daraufhin einen Teil des Schätzwerts als sofort verfügbares Darlehen an. Im Fall von Schmuck bleibt der belehnte Gegenstand beim Pfandhaus - Autos und Motorräder hingegen dürfen meist weiter benützt werden. Wird das Geld nach einer meist mehrmonatigen Frist nicht zurückbezahlt, verkauft das Pfandleihhaus den Gegenstand.

Laut Arbeiterkammer ist für die Kunden Vorsicht geboten: Die Kreditform käme in vielen Fällen enorm teuer, die Kostenstruktur ist oft intransparent. Die Nachfrage steigt aber dennoch, sowohl bei klassischen Anbietern wie dem Dorotheum als auch bei kleineren Anbietern.

Nur der Porsche muss garagiert werden

Franz Hauser, Inhaber des Pfandleihhauses Money Rent, verzeichnet seit Mitte vorigen Jahres um zehn bis 15 Prozent mehr Anfragen auf seine Pfandleihen. Hauser belehnt in erster Linie Autos - der Kunde erhält einen Teil des Werts des Autos und darf dieses weiter benützen. Der Reserveschlüssel bleibt beim Pfandleihhaus. Lediglich bei wertvollen Marken wie Porsche und Jaguar bleibt das Auto bei Money Rent garagiert - dafür gibt es dann aber auch mehr Geld.

Zwischen 1.500 und 2.000 Euro

Laut Hauser, dessen Familienunternehmen Niederlassungen in mehreren Bundesländern hat, kämen die Kunden vor allem deshalb zu Pfandleihhäusern, weil sie dort, anders als bei Banken, unbürokratisch und sehr schnell Kleinkredite erhalten. Zwischen 1.500 und 2.000 Euro betrage durchschnittlich das gegebene Darlehen.

Über die Kosten wird nicht gerne gesprochen - diese werden individuell nach verschiedenen Faktoren berechnet, man versuche aber, sehr transparent zu sein, so Hauser. Diese Finanzierungsmöglichkeit rentiere sich nur für kurzfristigen Kapitalbedarf, gesteht er. Alles, was über ein paar Monate hinausgehe, werde richtig teuer. Da würde man den Kunden dann eher zu einem Bankkredit raten.

Kreditwürdigkeit ist egal

Die Kreditwürdigkeit der Kunden spiele dabei überhaupt keine Rolle - bewertet würde nur der Zustand des Fahrzeugs. Möglich ist es auch, Lebensversicherungen zu verpfänden. Selbst wenn der Kunde arbeitslos ist, erhalte er ein Darlehen. Die Kunden kämen dabei aus allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen: Vom Lehrer bis zum Arzt und AMS-Geld-Empfänger sei alles dabei, so Hauser gegenüber ORF.at. Und die Menschen kämen gerne wieder: 30 bis 40 Prozent seien Stammkunden.

Über 90 Prozent der Kunden zahlten das Geld nach mehreren Monaten wieder zurück. Passiert das nicht, und reagiert der Kunde nicht auf eine Mahnung, macht sich ein Detektiv auf die Suche nach dem Fahrzeug und nimmt dieses mit. Anschließend gibt es noch eine letzte Frist von sechs Wochen - kann das Geld bis dahin nicht bezahlt werden, gehört das Auto dem Pfandleihhaus. „Das passiert aber nur sehr selten, vielleicht in drei bis fünf Prozent der Fälle“, so Hauser.

Großteil zahlt Darlehen zurück

Auch das größte Auktionshaus, das Dorotheum, verbucht seit Jahren steigende Umsätze im Pfandleihegeschäft. Andreas Wedenig, Leiter des Pfandbereichs im Dorotheum, führt das gegenüber ORF.at auf die Entwicklung des Goldpreises zurück. Die Kunden zählten freilich nicht zu den „Armen der Armen“ - die Kundschaft besitze etwas, habe jedoch meist einen kurzfristigen Liquiditätsengpass zu bewältigen. 90 bis 95 Prozent der verpfändeten Stücke würden wieder ausgelöst, so Wedenig.

Auslöser für die Belehnung seien meist überraschende Ausgaben wie eine Autoreparatur, von denen man jedoch weiß, dass man das Geld dafür in ein bis zwei Monaten aufbringen kann. Zur Überbrückung wird eine Brosche oder Goldkette verpfändet, so Fasching. Die Kunden ersparen sich dadurch einen Notverkauf oder die Kosten von unbezahlten Rechnungen. Rund 60 bis 80 Prozent des aktuellen Wertes würde der Kunde dafür an Kredit erhalten. Maximal könnten die Wertgegenstände für fünf Monate belehnt werden. Zahlt der Kunde bis dahin den Kredit nicht zurück, wird der Gegenstand versteigert.

Nicht in allen Fällen jedoch ist der Grund für eine Pfandleihe der Goldpreis oder ein kurzfristige Kapitalbedarf: Vor allem in den Sommermonaten gäbe es immer wieder Kunden, die ihren Schmuck an das Auktionshaus verpfänden, damit dieser dort während des Urlaubs sicher gelagert werde.

Familientafelsilber wird zu Geld gemacht

Groß ist nicht nur der Ansturm auf Pfandleihhäuser, auch die Österreichische Gold- und Silberscheideanstalt (Ögussa) verzeichnet seit Ende 2008 rasant steigende Zuwächse beim Goldankauf. „Das hat ordentlich zugenommen“, so Geschäftsführer Marcus Fasching im Interview mit ORF.at. Auch Fasching führt den Anstieg auf die Goldpreisentwicklung zurück. Nach 2008 verdreifachten sich die Umsätze, 2011 bremste sich der Boom dann wieder etwas ein. „Die Leute nutzen die Kursspitzen“, so Fasching.

Die Kunden stammten aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten: junge Menschen, die etwas geerbt hätten, was ihnen nicht gefällt, ebenso wie ältere. Viele seien überrascht, wie viel ihr Schmuck wert sei. „Meist kommen sie erst einmal mit ein, zwei Stücken, und wenn sie dann sehen, wie viel sie dafür bekommen, kommen sie mit fünf Ketten und vielleicht gemeinsam mit einer Freundin wieder“, so Fasching. Bei einem Goldpreis von derzeit etwas mehr als 20 Euro pro Gramm kämen dann schnell einmal 1.000 Euro pro Kunde zusammen.

Petra Fleck, ORF.at

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