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Stundenlange Unklarheit bei Händlern

Das Kursfeuerwerk bei Facebooks Börsengang ist ausgeblieben. Ein Plus von 23 Cent, 0,61 Prozent über dem Ausgabekurs von 38 Dollar, wurde erreicht. Stützungskäufe von beteiligten Banken sollen dem „Wall Street Journal“ zufolge ausschlaggebend gewesen sein, dass der Kurs nicht unter den Ausgabepreis gefallen war. Es waren zuvor Aufschläge von über 50 Prozent erwartet worden.

Ob nicht auch Pannen an der Börse zu dem gebremsten Interesse beigetragen haben, untersucht nun die US-Börsenaufsicht. Sie leitete bereits am Freitag nach Handelsschluss Ermittlungen ein. Denn Investoren und Broker waren stundenlang im Unklaren über den Stand ihrer Kaufaufträge gelassen worden.

Die Technologiebörse NASDAQ erklärte, sie wolle die in der ersten halben Stunde des Computerhandels eingegangenen Bestellungen in einem Offline-Verfahren bereinigen. Investoren sind überzeugt, dass diese Zwischenfälle entscheidend waren, dass das Interesse an den Anteilsscheinen weniger euphorisch war wie zunächst erwartet.

83 Millionen Aktien in der ersten Minute

Begonnen hat der Aktienhandel vielversprechend. Noch in der ersten Handelsminute wechselten 83 Millionen Aktien den Besitzer. Das Interesse brach aber noch in der ersten halben Stunde ab. „Da gab es einige Unsicherheit rund um die Eröffnung, weil die Leute nicht wussten, auf welchem Stand ihre Aufträge waren“, sagte ein Händler. Auftragsbestätigungen, die sonst innerhalb weniger Sekunden vorlägen, sei die Börse bis zum Ende des Handelstages schuldig geblieben. „Wir mussten vollkommen blind fliegen“, sagte ein Händler von Morgan Stanley, der mehr als 30 Kaufanfragen eingereicht hatte.

Auch ein Broker von Raymond James Financial wartete vergeblich auf eine Rechnung für seine vor Handelsbeginn vorgelegten Bestellungen ab einem Preis von 42 Dollar je Aktie. „So etwas haben wir durchaus erlebt, wenn der Markt verrücktspielt, aber noch nicht, wenn es nur um ein einzelnes Papier geht“, sagte der Händler.

Pannenserie an US-Börsen

Schuld an den Zwischenfällen beim Facebook-Börsengang war offenbar eine Störung im Kommunikationssystem der NASDAQ mit den Brokern. An den US-Börsen häuften sich zuletzt die Pannen: Erst vor rund einer Woche ging an der NASDAQ der viel kleinere Börsengang von Andina Acquisition schief, als eine Serie von Bestellungen zurückgegeben werden musste.

Vor einem Monat versagte beim Debüt des Softwareherstellers Splunk ein automatischer Kaufstopp. Einige Handelsabschlüsse mussten wieder rückgängig gemacht werden. Großes Aufsehen erregte im März der Computerhandelsplatz BATS, der wegen technischer Fehler seinen eigenen Börsengang abbrechen musste und schließlich absagte.

Branche unter Druck

Die enttäuschten Erwartungen bei Facebook haben jedenfalls die gesamte Branche und auch die Wall Street in Mitleidenschaft gezogen, hatten sich doch einige Händler erhofft, dass Facebook den gesamten Markt beflügeln könnte. Stattdessen fuhren auch andere Internetgrößen, darunter das Onlinenetzwerk LinkedIn, das Schnäppchenportal Groupon und das Internetradio Pandora, ein Minus ein. Die Aktie des engen Facebook-Partners und Spieleentwicklers Zynga musste nach heftigen Kursverlusten zweimal vom Handel ausgesetzt werden.

Selbst der seit acht Jahren börsennotierte Internetriese Google konnte sich dem Negativtrend nicht entziehen und verlor wie AOL deutlich. Lediglich Yahoo konnte den Handelstag im Plus beenden. Grund dafür seien laut der Wirtschaftsplattform Bloomberg Verhandlungen über ein milliardenschweres Anteilpaket vom chinesischen Partner Alibaba.

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