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Plus 0,61 Prozent

Mit einem mehr als holprigen Start hat das Soziale Netzwerk Facebook am Freitag an der US-Technologiebörse (NASDAQ) seine Börsenpremiere gefeiert. Nach dem von reichlich Turbulenzen geprägten ersten Minuten konnte die Facebook-Aktie auch im Handelsverlauf nie richtig an Fahrt gewinnen.

Am Ende des Handelstages lag der Facebook-Kurs mit einem Plus von 23 Cent bzw. 0,61 Prozent nur knapp über den Ausgabekurs von 38 Dollar. Zuvor war die Aktie gleich mehrmals auf glatt 38 Dollar zurückgefallen, nachdem sie bei 42 Dollar gestartet war. Das „Wall Street Journal“ („WSJ“) berichtete, dass der Kurs nur deshalb nicht unter den Ausgabepreis gefallen sei, weil die an dem Börsengang beteiligten Banken mit massiven Stützungskäufen eingegriffen hätten.

Dabei hatten im Vorfeld manche Experten noch ein wahres Kursfeuerwerk angekündigt, wobei die Prognosen von „möglichen“ 15 bis 20 Prozent über „erreichbare“ 30 Prozent bis „alles unter 50 Prozent ist enttäuschend“ reichten. Außer Frage stehe nun, dass man „da draußen einige unglückliche Leute“ sehe, so Wayne Kaufman vom Brokerhaus John Thomas Financial: „Ich wette, da sind viele enttäuscht.“

Aktie weiter überbewertet?

Begleitet war das Börsendebüt von Facebook aber auch von technischen Pannen. Eine regelrechte Flut von Kauf- und Verkaufsaufträgen führte demnach gleich zum Auftakt zu Problemen und einem um rund eine halbe Stunde verspäteten Handelsstart.

Ungeachtet des holprigen Starts war die Facebook-Neuemission mit Einnahmen in Höhe von mindestens 16 Milliarden Dollar der bisher größte Börsengang in der Technologiebranche. Mit einer Gesamtbewertung von 104 Milliarden Dollar war das vor acht Jahren in einem Studentenwohnheim an der US-Eliteuni Harvard gegründete Facebook zum Börsenstart auf den Schlag mehr wert als der deutsche Elektronikriese Siemens oder der Autokonzern Volkswagen.

Mehr Aktien bereitgestellt

Wegen der hohen Nachfrage hatte Facebook nur zwei Tage vor dem Handelsstart 25 Prozent mehr Aktien für den Erstemission (IPO) bereitgestellt als ursprünglich geplant. Auch die Preisspanne war von 34 bis 38 Dollar von zuvor 28 bis 35 Dollar je Papier angehoben worden. Bis zu 18,4 Milliarden Dollar hat Facebook somit bei der IPO erlöst.

Nach dem Börsendebüt gilt es für Facebook nun, auch die hochgesteckten Hoffnungen des Marktes zu befriedigen: „Der Facebook-Börsengang hat das Potenzial, entweder der gesamten Branche Auftrieb zu geben oder sie zu lähmen“, meinte etwa Christian Leybold, Partner beim Investor eVenture Capital Partners. Eine Blase - wie Skeptiker bereits seit Monaten warnen - sah Leybold aber nicht, man müsse die Unternehmen eher als Einzelfälle betrachten. Andere Finanzmarktexperten bewerteten Unternehmen und Aktie dennoch als schlichtweg überbewertet.

„Meilenstein in Geschichte unserer Firma“

Den Gang an die Börse hatte Firmengründer und -chef Mark Zuckerberg am Freitag unter dem Applaus seiner Mitarbeiter mit der traditionellen Startglocke am Facebook-Firmensitz im kalifornischen Menlo Park eingeläutet. „Der Börsengang ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte unserer Firma“, sagte Zuckerberg, der nach dem Börsengang mit rund 56 Prozent der Stimmrechte weiter die Kontrolle über das Unternehmen behält. Die Mission von Facebook sei aber nicht, auf den Aktienmärkten präsent zu sein. „Unsere Mission ist, die Welt offener und verbundener zu machen“, sagte Zuckerberg.

Mark Zuckerberg, Facebook-Gründer, klatscht nach dem NASDAQ-Start

APA/Facebook/Zef Nikolla

NASDAQ-Eröffnung im Kapuzenpulli

Offenbar inspiriert von Zuckerberg, der auch den Börsenstart seines Sozialen Netzwerks im bekannten dunklen Kapuzenpullover feierte, zeigte sich dabei auch NASDAQ-Chef Robert Greifeld ausnahmsweise nicht im dunklen Anzug, sondern leger mit grauem T-Shirt.

Milliardenklage trübt Börsendebüt

Neben dem ernüchternden Kursverlauf trübte unterdessen auch eine 15-Milliarden-Klage den ersten Börsentag von Facebook. Nutzer werfen dem Sozialen Netzwerk vor, ihre Spuren im Internet aufgezeichnet zu haben - selbst nachdem sie die Facebook-Website geschlossen hätten. Die Kläger verlangen nun im Namen aller Geschädigten in den USA den genannten Milliardenbetrag.

Die Höhe der Forderung erklärt sich dadurch, dass es sich um eine der gefürchteten Sammelklagen handelt. Pro Tag und Nutzer verlangen die Kläger 100 Dollar als Wiedergutmachung und Strafe, bis zu 10.000 Dollar pro Person. Hinzu kommen die Kosten für Experten und Anwälte. Das Soziale Netzwerk hat mittlerweile mehr als 900 Millionen Mitglieder weltweit, steht aber wegen seiner Datenschutzrichtlinien in der Kritik.

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