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Als Wundermittel verkauft

Tausende Kapseln aus pulverisiertem Menschenfleisch von toten Babys und Föten hat der südkoreanische Zoll beschlagnahmt. In den vergangenen zehn Monaten seien mehr als 17.000 dieser Kapseln beim Versuch, sie aus China einzuschmuggeln, entdeckt worden, teilte die Behörde am Montag mit.

Die Kapseln seien in Südkorea als Mittel zur Förderung der Leistungsfähigkeit und Heilung von Krankheiten verkauft worden. In Medienberichten heißt es, die Pillen würden von abergläubischen Menschen als eine Art Jungbrunnen gesehen, Krebspatienten ohne Hoffnung auf Heilung würden sie als Wundermittel einnehmen. Laut den Zollbehörden seien 35 Schmuggelversuche seit vergangenem August verhindert worden.

Im Gepäck und per Post

Die Ware werde von in China lebenden Koreanern entweder bei der Einreise nach Südkorea in ihrem Gepäck eingeschmuggelt oder per Post verschickt. Die erwischten Schmuggler hätten gemeint, es handle sich um normale Leistungspillen, sie wollten weder über den Inhalt noch über die Herstellung etwas gewusst haben.

Die Kapseln wurden zwar beschlagnahmt, weitere Konsequenzen gab es aber nicht: Die einzeln beschlagnahmten Mengen seien zu klein gewesen, und die Schmuggler konnten glaubhaft versichern, dass sie nicht für den Verkauf bestimmt waren, sagte ein Mitarbeiter der Behörde, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AP.

Aus Spitälern und Abtreibungskliniken

Bereits im Sommer des Vorjahres hatte der südkoreanische Fernsehsender SBS berichtet, dass Pharmafirmen in China dieses lukrative Geschäft begonnen hätten. Sie hätten Partner in Spitälern und Abtreibungskliniken, von dort würden Föten und tot geborene Kinder bezogen. Diese würden dann getrocknet und pulverisiert. Der Fernsehsender unterzog die Pillen auch einem DNA-Test, bei dem bestätigt wurde, dass sie zu 99,7 Prozent aus menschlichem Material bestehen. Eine Kapsel werde in Südkorea für 40.000 Won (etwa 27 Euro) verkauft.

China untersucht Vorwürfe

Medienberichten zufolge befinden sich Produktionszentren in mehreren nordöstlichen chinesischen Städten, vor allem in der Provinz Jilin. Der südkoreanische Zoll selbst wollte nichts zur Herkunft der Kapseln sagen, Medien vermuteten, dass diplomatische Verstimmungen mit China vermieden werden sollten.

Chinas Behörden hatten nach ersten Hinweisen im vergangenen Jahr eine Untersuchung eingeleitet. Damals hieß es aus dem Gesundheitsministerium in Peking, man gehe der Sache nach. Sprecher Deng Haihua sagte der Zeitung „China Daily“, sein Land habe strenge Regelungen für den Umgang mit den sterblichen Überresten von Säuglingen, Föten und auch Plazentas. Auf die aktuellen Berichte gab es aus China zunächst noch keine Reaktion.

Die Behörde warnte davor, dass die Kapseln ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellten. Sie würden Bakterien und andere gefährliche Stoffe enthalten. „Wir müssen schärfere Maßnahmen treffen, um die öffentliche Gesundheit zu schützen“, sagte ein Sprecher der „Korea Times“. Konkrete Krankheitsfälle nach der Einnahme sind bisher aber nicht bekannt. Die Zollbehörde kündigte an, die Kontrollen weiter zu verschärfen.

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