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Fixer Wohnsitz in Wien

Der ehemalige libysche Ministerpräsident und Ölminister Schukri Ghanem, der am Sonntag tot in Wien aufgefunden wurde, war in Österreich stark verwurzelt. Er hatte mehrere Jahre die Position des Vizegeneralsekretärs der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) inne, die ihren Sitz in der Bundeshauptstadt hat.

Auch mehrere Firmen liefen laut Medienberichten auf seinen Namen. Zudem besaßen er und weitere Familienmitglieder - zwei Töchter sollen österreichische Staatsbürgerinnen sein - einen fixen Wohnsitz in Wien-Donaustadt neben der UNO-City, also unweit des Fundortes seiner Leiche in der Neuen Donau.

Büro in Innenstadt

Der ehemalige Gefolgsmann des getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi war zuletzt in Wien wohnhaft, bestätigte auch die Polizei. Der 69-Jährige arbeitete der Polizei zufolge in den vergangenen Monaten in einem Büro in der Wiener Innenstadt. Vor seiner Abkehr vom Gaddafi-Regime war er im März des Vorjahres auch verdächtigt worden, in Österreich Milliardensummen für den damaligen Machthaber geparkt zu haben. Es wurde sogar überlegt, seine Konten in Wien zu sperren. Auch in der Schweiz soll er über beträchtliches Vermögen verfügt haben.

Angst vor Rache, Sorge wegen Anschuldigungen

Nach seinem Bruch mit dem später von Rebellen getöteten Gaddafi soll Ghanem die Rache des damals noch aktiven Regimes gefürchtet haben. Zuletzt sei Ghanem sehr besorgt über die Entwicklungen in seiner Heimat gewesen, berichtete der Journalist und Islamexperte Amer al-Bajati am Sonntag der APA.

Zudem habe er sich auch stark unter Druck gesetzt gefühlt, weil im Internet Anschuldigungen wegen mutmaßlicher Korruptionsfälle verbreitet worden seien. Seitens der Familie hieß es, dass der Leichnam Ghanems möglicherweise nach Libyen überstellt werde.

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