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Keine Gewaltspuren

Mysteriöser Tod des ehemaligen libyschen Ministerpräsidenten und Ölministers Schukri Ghanem: Der 69-Jährige wurde am Sonntag in Wien tot aufgefunden. Während es aus Familienkreisen zunächst geheißen hatte, Ghanem sei in seiner Wohnung entdeckt worden, berichtete die Polizei am Sonntagabend in einer Aussendung, die Leiche Ghanems sei gegen 8.40 Uhr in der Neuen Donau treibend gefunden worden.

Wie Pressesprecher Roman Hahslinger auf Anfrage der APA sagte, seien bei dem Toten keine Spuren von Gewalt festgestellt worden. „Aber wenn ihn jemand hineingestoßen hat, gibt es auch keine Gewaltspuren“, konnte der Beamte eine Fremdeinwirkung nicht völlig ausschließen. „Möglicherweise ist ihm aber auch schlecht geworden, und er ist ins Wasser gefallen.“ Die Familie hatte als wahrscheinliche Todesursache einen Herzinfarkt genannt.

Ehemaliger libysche Ministerpräsident und Ölminister Shukri Ghanem vor einem Bild von Gaddafi

APA/EPA/Sadri Elmhedwi

Ghanem im Mai 2008 in Tripolis

Schon länger in Wien

Ghanem war jahrelang ein Gefolgsmann des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi gewesen, ehe er dem Regime Mitte Mai des vergangenen Jahres den Rücken gekehrt hatte. Laut ersten Polizeiermittlungen hatte Ghanem Sonntagfrüh seine Wohnung verlassen. Der leblose Körper sei noch nicht lange im Wasser gelegen, so Hahslinger. Aufschlüsse über die Todesursache soll eine Obduktion bringen. Das Ergebnis könnte noch Montagmittag vorliegen, so Hahslinger.

Wie der Journalist und Islamexperte Amer al-Bajati am Sonntag laut ersten APA-Meldung unter Berufung auf die Familie Ghanems mitteilte, sei Ghanem Sonntagfrüh tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Der Sprecher des Wiener Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal, bestätigte die Todesmeldung. Die Familie von Ghanem hatte schon länger in Wien gewohnt, da der ehemalige Ölminister auch öfters mit der in der Bundeshauptstadt ansässigen Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) zu tun hatte.

Abkehr von Gaddafi

Ghanem war von März 2003 bis Mai 2006 unter Gaddafi Ministerpräsident und von März 2006 bis Mitte Mai 2011 Chef der staatlichen libyschen Ölgesellschaft, also Ölminister, gewesen. Im Mai 2011 wandte sich Ghanem von Gaddafi ab und ging nach Italien. Bei einer Pressekonferenz in Rom klagte er am 1. Juni des Vorjahres über die „unerträgliche Gewalt“ des damaligen Regimes in Tripolis und über den Bürgerkrieg in seinem Land. „Ich habe jahrelang in Libyen gearbeitet und gedacht, dass man intern Reformen durchsetzen kann. Das war jedoch nicht möglich, vor allem jetzt, wo die Gewalt unerträglich geworden ist“, so Ghanem damals in seinem Pressestatement.

Zuletzt sei Ghanem sehr besorgt über die Entwicklungen in seiner Heimat gewesen, berichtete Bajati. Zudem habe er sich auch stark unter Druck gesetzt gefühlt, weil im Internet Anschuldigungen wegen mutmaßlicher Korruptionsfälle verbreitet worden seien. Seitens der Familie hieß es, dass der Leichnam Ghanems möglicherweise nach Libyen überstellt werde.

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