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Prostituierte nicht bezahlt

Der US-Geheimdienst Secret Service hat elf seiner Agenten wegen mutmaßlicher Kontakte zu Prostituierten am Rande des Amerika-Gipfels in Kolumbien abberufen. Auch fünf Mitglieder der US-Armee seien dem Verdacht auf „schweres Fehlverhalten“ ausgesetzt und in ihre Kasernen zurückbeordert worden, erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, am Samstag.

Die Personenschützer, die von den Armeemitgliedern unterstützt werden sollten, hätten mehrere Prostituierte in ihr Hotel gebracht und dort Trinkgelage abgehalten, berichtete am Abend (Ortszeit) der TV-Sender CNN. Carney sagte, die Sicherheit des Präsidenten sei in keinem Moment gefährdet gewesen. Die Vorfälle hätten sich bereits vor der Ankunft von US-Präsident Barack Obama in dem südamerikanischen Land abgespielt.

Ein früherer Reporter der „Washington Post“ und Geheimdienstexperte berichtete, eine Prostituierte sei zur Polizei gegangen, weil einer der US-Agenten seine Rechnung bei ihr nicht beglichen habe. Mitarbeitern des US-Geheimdienstes sei die Kontaktaufnahme zu Prostituierten streng untersagt.

Mehr Frauen in Obama-Beschützerteam

„Der Secret Service nimmt jeden Verdacht auf Fehlverhalten sehr ernst“, so ein Sprecher des Secret Service, Edwin Donovan. In Kolumbien treffen sich mehr als 30 amerikanische Staats- und Regierungschefs zum Amerika-Gipfel.

Unterdessen wurde die Zusammensetzung des Beschützerteams der US-Delegation und des Präsidenten verändert: Nun seien weit mehr Frauen im Einsatz, die auch Spanisch sprechen könnten und „sehr streng“ seien, hieß es von offizieller Seite.

„Bin sehr enttäuscht“

Die „Natur des Fehlverhaltens in Verbindung mit einer Null-Toleranz-Politik bei persönlichem Fehlverhalten“, habe zu der Entscheidung geführt, die Mitarbeiter von ihren Aufgaben zu entbinden, sagte Morrissey. Der Vorgang werde untersucht. Obamas Sprecher Jay Carney sagte, der Präsident habe dennoch weiterhin volles Vertrauen in den Secret Service, der vor allem für seine Sicherheit verantwortlich ist.

Auch der Kommandeur des für Mittel- und Südamerika zuständigen Southern Command der US-Armee, General Douglas Fraser, musste kurz darauf einräumen, dass auch fünf Mitarbeiter seines Stabes in den Fall verstrickt seien. Er sei „enttäuscht über den ganzen Vorfall“, wurde Fraser zitiert. Den Soldaten, die wegen des Verdachts auf „schweres Fehlverhalten“ abkommandiert wurden, drohen nun Disziplinarverfahren.

Prostituierte ging zur Polizei

Der Skandal sei ins Rollen gekommen, als einer der Personenschützer eine Prostituierte nicht habe bezahlen wollen, berichtete der Fernsehsender CNN unter Berufung auf einen früheren Reporter der „Washington Post“ und Geheimdienstexperten, der ein Buch über den Secret Service veröffentlicht hat. Die Prostituierte sei zur Polizei gegangen.

Die „Washington Post“ verwies darauf, dass es zuletzt mehrfach Vorfälle mit Obamas Sicherheitsbeamten gab: So sei ein Agent nach einem Vorfall vor dem APEC-Gipfel im November auf Hawaii wegen Totschlags angeklagt worden. Ein weiterer Beamter sei bei einem Einsatz zur Vorbereitung eines Besuchs von Obama im US-Bundesstaat Iowa im August der Trunkenheit am Steuer beschuldigt worden. Kurz nach Obamas Wahl 2009 war der Secret Service in die Kritik geraten, weil sich zwei Promijäger zu einem Dinner ins Weiße Haus eingeschlichen hatten: Ohne Einladung kamen die beiden unbehelligt durch die Sicherheitskontrollen.

Die nun betroffenen Secret-Service-Mitarbeiter wurden in die USA zurückgeschickt, vorläufig vom Dienst suspendiert und am Samstag im Hauptquartier des Geheimdienstes in Washington zu den Vorwürfen befragt. Am Gipfelort wurden sie durch andere Beamte ersetzt.

Präsidentenschutz und Betrugsbekämpfung

Das United States Secret Service (USSS) ist eine Bundesbehörde, die erst seit März 2003 dem Ministerium für Heimatschutz untersteht. Davor unterstand sie dem Finanzministerium. Bekannt ist das Secret Service vor allem wegen seiner Funktion als Sicherheitsdienst des Präsidenten, des Vizepräsidenten, Ex-Präsidenten - und von Präsidentschaftskandidaten im Wahlkampf. Außerdem schützen USSS-Mitarbeiter auch die Botschaften in Washington.

Die ursprüngliche Hauptaufgabe des Secret Service war und ist jedoch die Bekämpfung der Finanzkriminalität. Gegründet wurde das Secret Service 1865 zum damals alleinigen Zweck, Geldfälschungen zu bekämpfen.

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