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Vorwurf der Fahrlässigkeit

Der frühere Regierungschef von Island, Geir Haarde, muss sich seit Anfang März vor einem Sondergericht für seine Rolle in der Finanzkrise verantworten. Ihm wird Mitverantwortung am Kollaps des isländischen Bankensystems vorgeworfen. Haarde ist der einzige Politiker des Landes, der sich für die Finanzkrise in Island verantworten muss.

Der 60-jährige Ex-Premier wies zu Prozessbeginn die Anschuldigung zurück, er habe Interessen des Staates verletzt, weil er die Krise nicht verhindert habe. Der Anklageschrift zufolge wird Haarde der Fahrlässigkeit beschuldigt. Er habe es versäumt, beim Kollaps der drei größten isländischen Banken - Kaupthing, Landsbanki und Glitnir - einzugreifen. Bei einem Schuldspruch drohen dem Politiker zwei Jahre Haft. Der Ex-Premier und frühere Chef der konservativen Unabhängigkeitspartei war im Jänner 2009 infolge der Bankenpleite zurückgetreten.

„Sonst wäre ich nicht geflogen“

„Erst nach dem Zusammenbruch haben alle gesagt, dass sie ihn kommen gesehen haben“, sagte Haarde. Er räumte ein, er habe möglicherweise eine Beratergruppe zur finanziellen Stabilität nicht ausreichend konsultiert, doch selbst deren Informationen hätten den Kollaps der drei größten Banken nicht verhindern können. Selbst kurz vor dem Zusammenbruch sei ihm von den Banken versichert worden, dass die Kreditlinien funktionierten, so dass er beruhigt zur UNO-Vollversammlung nach New York flog. „Ansonsten wäre ich nicht geflogen, aber mir wurde gesagt, dass alles in Ordnung war“, so Haarde.

Viele verloren Erspartes

Während der Finanzkrise im Jahr 2008 sammelten Islands Banken Schätzungen zufolge Schulden an, die dem zehnfachen Wert des Bruttoinlandsprodukts der Insel entsprachen. Die isländische Krone verlor stark an Wert. Viele der rund 320.000 Einwohner des Landes verloren ihre Ersparnisse. Mit Milliardenkrediten anderer Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) wurde eine Staatspleite verhindert.

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