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70 Prozent der Isländer wollen „Loonie“

2008 ist in Island der Bankensektor zusammengebrochen, das Land ist knapp vor dem Staatsbankrott gestanden. Mittlerweile geht es mit der Wirtschaft wieder bergauf, doch die schwache isländische Krone macht dem Land nach wie vor zu schaffen. Die Stimmen, die fordern, eine neue Währung einzuführen, mehren sich auch in der Regierung.

Doch während die EU die Fortschritte Islands lobt und einen baldigen EU-Beitritt in Aussicht stellt, steht in Island als Ersatz für die Krone weniger der Euro zur Debatte - vielmehr der kanadische Dollar, berichtet die „Financial Times Deutschland“ („FTD“).

2008 brach in Island der Bankensektor zusammen. Eine Staatspleite wurde nur durch einen Milliardenkredit des IWF und der skandinavischen Länder verhindert.

„Müssen neue Währung einführen“

Die Idee, den kanadischen Dollar einzuführen, stammt laut „FTD“ vom Chef der isländischen Opposition, David Gunnlaugsson. Bei dem Vorschlag sei es ihm allerdings gar nicht um den kanadischen Dollar gegangen, sagte Gunnlaugsson dem britischen „Economist“, er habe vielmehr eine Diskussion über eine Alternative zum Euro anregen wollen. Doch auch Premierministerin Johanna Sigurdardottir zog vergangene Woche laut „FTD“ die Möglichkeit, als Alternative zum Euro eine andere Währung zu übernehmen, in Betracht: „Wir müssen eine neue Währung einführen und wir müssen darüber reden, was passiert, wenn wir das nicht tun.“

Kanada „offen für Diskussion“

Auch Kanada hat sich mittlerweile in die Debatte eingebracht. So sagte der kanadische Botschafter in Island, Alan Bones, Anfang März in einem Radiointerview, dass Kanada offen für eine Diskussion sei, wenn Island über eine Annahme des kanadischen Dollars sprechen wolle. Noch würden sich die kanadische Notenbank und Regierung mit Äußerungen sehr zurückhalten, schreibt die „FTD“, in kanadischen Medien werde das Thema aber ausgiebig diskutiert.

Die „FTD“ sieht den Vorteil für die Isländer im Falle einer Annahme des kanadischen Dollars darin, dass sie die Stabilität und die Glaubwürdigkeit der Devise importieren würden. Allerdings würde Island auch die Möglichkeit verlieren, selbst Geldpolitik zu betreiben. Die kanadische Nationalbank würde auch die Nationalbank Islands werden, ohne dass Island Einfluss auf sie ausüben könnte.

2008 drohte Staatsbankrott

Unterdessen zahlte Island am Montag einen Teil seiner Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) vorzeitig zurück. Das Land überwies rund 443 Mio. Dollar (339 Mio. Euro) an den IWF, wie der Fonds am Donnerstag bekanntgab. Insgesamt beliefen sich die Schulden Islands beim IWF auf 2,15 Mrd. Dollar, davon stehen noch 1,6 Mrd. Dollar aus. Ein Tilgungsplan sieht ihre Rückzahlung in den kommenden vier Jahren vor.

Die Ratingagentur Fitch stufte die Kreditwürdigkeit Islands Mitte Februar um eine Stufe hinauf. Mit der Note „BBB-“ gilt das Land laut Fitch nun wieder als vertrauenswürdiger Kreditnehmer. Mit der Hochstufung solle der von Island erzielte Fortschritt bei der Wiederherstellung der makroökonomischen Stabilität gewürdigt werden, erklärte die Ratingagentur. Die Agenturen Moody’s und S&P bewerten die Bonität Islands bereits mit Investmentstatus.

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