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„Permanente Instabilität“

Die israelische Armee will im Großraum Tel Aviv ein Raketenabwehrsystem installieren und testen. Die Militärführung in Jerusalem teilte am Montag mit, es handle sich um eine jährliche „Routineübung“ mit dem System „Iron Dome“ („Eisenkuppel“). Die Einschätzung des Militärgeheimdienstes klingt allerdings anders.

Vor dem Hintergrund des Atomstreits mit dem Iran und Spekulationen über einen möglichen Angriff Israels sorgte die geplante Übung im Großraum Tel Aviv für Aufmerksamkeit. Die Großstadt gilt als Hauptziel möglicher Raketenangriffe bei einem neuen Nahost-Krieg.

Der israelische Militärgeheimdienstchef Generalmajor Aviv Kochavi hatte zuletzt gesagt, etwa 200.000 Raketen könnten aus feindlichen Ländern auf Israel abgefeuert werden. „Wir haben es mit einem feindseligeren, islamistischeren, empfindlicheren Nahen Osten zu tun“, sagte er. Man müsse sich auf „permanente Instabilität“ einstellen.

Nur kurze Vorwarnzeit

Informationen zu den Vorwarnzeiten des Raketenabwehrsystems für Tel Aviv gab es nicht. In der Grenzstadt Sderot haben die Einwohner nach Beginn des Luftalarms nur gut 15 Sekunden Zeit, Schutzräume aufzusuchen. Je größer die Distanz ist, aus der die Raketen abgefeuert werden, desto länger ist für gewöhnlich die Warnzeit.

Ein Angriff auf iranische Atomanlagen würde die israelische Luftwaffe nach Einschätzung von Militärexperten auf eine sehr harte Probe stellen. Die Piloten müssten mehr als 1.600 Kilometer über feindliches Gebiet fliegen, unterwegs in der Luft auftanken, die iranische Luftabwehr überwinden und mehrere unterirdische Nuklearanlagen gleichzeitig angreifen, hieß es zuletzt in der „New York Times“.

Schwierige Einsatzszenarien gegen Iran

Israel müsste nach Einschätzung von US-Sicherheitsexperten mindestens 100 Flugzeuge einsetzen. Damit würde sich ein möglicher Angriff deutlich von den gezielten Luftschlägen gegen den mutmaßlichen Reaktor in Syrien im Jahre 2007 und den irakischen Atomreaktor Osirak im Jahre 1981 unterscheiden, heißt es.

Nach Informationen der „New York Times“ sind sich einige US-Experten nicht einmal sicher, ob Israel überhaupt die militärische Fähigkeit besitzt, einen solchen Angriff auszuführen. Es sei auch unklar, ob die bunkerbrechenden US-Bomben, über die Israel verfügt, stark genug seien, um in die tiefsten unterirdischen Schutzanlagen des Iran vorzudringen. Man habe zudem die Sorge, die USA könnten im Falle eines fehlgeschlagenen israelischen Luftangriffs in den Konflikt hineingezogen werden.

Skeptische Stimmen aus den USA

Selbst mit dem erheblich größeren Arsenal der USA könnte es jedoch nach Einschätzung der Experten viele Wochen dauern, die nuklearen Anlagen Teherans zu zerstören. Eine große Sorge sei auch ein möglicher iranischer Vergeltungsschlag. Israel zeigte sich angesichts der kritischen Stimmen aus den USA verärgert. Diese würden „dem Iran in die Hände spielen“, hieß es.

Bisher wurde das Abwehrsystem „Eisenkuppel“ vor allem im Umland des palästinensischen Gazastreifens eingesetzt, als Warnsystem gegen den fortwährenden Raketenbeschuss durch militante Palästinenser. Grundsätzlich dient es aber dazu, das Land mit moderner Technik vor Kurz-, Mittel- und Langstreckenwaffen zu schützen.

Schutzschirm gegen Raketen

Die Abwehrtechnik gegen Kurzstreckenraketen kam bereits gegen Raketen und Granaten zum Einsatz, die vom Gazastreifen aus abgefeuert wurden. Dabei erkennt ein Radargerät die anfliegende Geschoße. Ein Raketenwerfer zerstört sie noch in der Luft. Einen hundertprozentigen Schutz kann aber auch „Iron Dome“ nicht bieten. Große Städte wie Haifa und Tel Aviv sowie grenznahe Gebiete gelten weiter als gefährdet.

Bis 2015 soll darüber hinaus das System „Magic Wand“ („Zauberstab“) oder „David’s String“ („Schleuder Davids“) bereit sein, Mittelstreckenraketen aus bis zu 200 Kilometer Entfernung noch besser abzuwehren. Gegen Langstreckenraketen wird das System „Arrow“ („Pfeil“) modernisiert. Bei allen Entwicklungen erhält Israel Unterstützung aus den USA.

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