Themenüberblick

Angeblich aus der „Dolphin“-Klasse

Laut Berichten der deutschen „Welt“ und der „Kieler Nachrichten“ könnte ein hochmodernes U-Boot der „Dolphin“-Klasse noch in diesem Jahr von Deutschland an Israel geliefert werden. Eine Bestätigung für diese Berichte gibt es nicht - im Gegenteil: Hersteller und Politik hüllen sich in Schweigen.

Das U-Boot ist mit einer Länge von 68 Metern das größte, das in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkriegs gebaut wurde. Hergestellt wurde das U-Boot auf dem Gelände der Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH (HDW) in Kiel in Schleswig-Holstein und war dort vor kurzem erstmals zu sehen, hieß es am Dienstag. Allerdings hätten Polizeiboote den Hafenabschnitt abgeschirmt. Die Werft gehört zur Thyssen Krupp Marine Systems, einer Tochter des Stahl- und Technologieriesen Thyssen Krupp AG.

Ein U-Boot der Dolphin-Klasse vor Tel Aviv

AP/Tara Todras-Whitehill

Israelisches U-Boot der „Dolphin“-Klasse bei einem Manöver vor Tel Aviv (2008)

Im Herbst solle „Israels Geheimwaffe“ („Kieler Nachrichten“) die ersten Probefahrten unternehmen, hieß es weiter. Doch weder dafür noch für Spekulationen, dass das U-Boot tatsächlich für die israelische Marine bestimmt ist, gab es eine Bestätigung. „Kein Kommentar“, hieß es laut der deutschen Nachrichtenagentur dpa auf Anfrage bei Thyssen Krupp Marine Systems unter Verweis auf „vertragliche Verschwiegensheitspflichten“.

Hochmoderner U-Boot-Typ

„Dem Vernehmen nach“ handle es sich bei dem U-Boot um eines der zweiten Generation der „Dolphin“-Klasse, das mit einem Hybridantrieb aus Dieselmotor und Brennstoffzellen ausgestattet ist. Es zählt laut „Kieler Nachrichten“ zu den „derzeit leistungsfähigsten konventionellen U-Booten“ weltweit und soll nicht nur in der Lage sein, Atomwaffen einzusetzen. Die norddeutsche Zeitung berichtete auch davon, dass sich das Kriegsschiff weit besser tarnen könne als andere Modelle. Auch dazu habe Thyssen Krupp eine Stellungnahme angelehnt.

Auf der Website von HDW finden sich ebenfalls lediglich Informationen zur letzten Schiffstaufe eines U-Boots der Klasse 212A („U 35“) für die Deutsche Bundeswehr letzten November. Laut „Kieler Nachrichten“ gehört der Bau des „Super-Dolphin“ zu den „geheimsten U-Boot-Projekten der Welt“. Für die Dauer der Liegezeit vor der Werfthalle sei sogar der Propeller des U-Boots „extra mit einer Plane abgedeckt“ worden.

Drei Schiffe in Israel in Betrieb

Deutschland hat bisher drei „Dolphin“-U-Boote (1999 und 2000) nach Israel geliefert, wobei die ersten beiden Boote ein Geschenk waren, für das dritte teilten sich Deutschland und Israel die Kosten. In Bau sind derzeit weitere zwei, die größer als ihre 58 Meter langen, von HDW und der früheren Nordseewerke GmbH in Ostfriesland (heute Schaaf Industrie AG, SIAG) gebauten Vorgänger sind. Eines davon soll nun im Herbst, das andere 2013 ausgeliefert werden, heißt es. Die Kosten dafür betragen jeweils rund 550 Mio. Euro, die Verträge waren noch unter SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahr 2005 ausgehandelt worden.

U-Boot der Dolphin-Klasse

AP/Tara Todras-Whitehill

Bisher verfügt Israel über drei U-Boote der „Dolphin“-Klasse aus Deutschland

Im Herbst letzten Jahres hieß es, Israel soll aufgrund einer bestehenden „Option“ ein drittes U-Boot der neuesten Generation erhalten. Dessen Bau subventioniert der deutsche Staat laut „Welt“ und „Kieler Nachrichten“ mit rund einem Drittel des Kaufpreises, maximal 135 Mio. Euro. Der Vertrag mit Israel sei aber „dem Vernehmen nach“ noch nicht unter Dach und Fach, hieß es in der „Welt“.

Brisanter Zeitpunkt

Brisant wäre die Lieferung an Israel zum gegenwärtigen Zeitpunkt angesichts des Säbelrasselns mit dem Iran allemal. Internationale Medien spekulierten zuletzt immer wieder über einen noch in diesem Jahr bevorstehenden israelischen Angriff auf iranische Atomanlagen. Die USA, Frankreich und auch Deutschland warnten mehrfach vor den unabsehbaren Folgen einer derartigen militärischen Konfrontation.

Erst am Montag hieß es, die israelischen Streitkräfte planten, in den kommenden Tagen im Großraum Tel Aviv Raketenabwehrsysteme bzw. Boden-Luft-Raketen in Stellung zu bringen und zu testen. Die Großstadt gilt als ein wahrscheinliches Angriffsziel im Fall eines Kriegs mit dem Iran. Die israelische Armee teilte mit, es handle sich lediglich um eine „Routineübung“. Der israelische Militärgeheimdienstchef Generalmajor Aviv Kochavi hatte allerdings zuletzt erklärt, etwa 200.000 Raketen könnten aus feindlichen Ländern auf Israel abgefeuert werden.

Säbelrasseln und Luftabwehrmanöver

„Wir haben es mit einem feindseligeren, islamistischeren, empfindlicheren Nahen Osten zu tun“, sagte er. Man müsse sich auf „permanente Instabilität“ einstellen. Der Iran begann - ebenfalls am Montag - mit Luftabwehrübungen. Diese dienten „der Stärkung der Luftabwehr des Landes insbesondere zum Schutz der Atomanlagen“, erklärte die Luftwaffenbasis Chatam al-Anbija nach Angaben der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA. Von der Basis aus werden die Luftabwehr und das Raketenprogramm des Landes koordiniert.

Links:

ThyssenKrupp Marine Systems
HDW
SIAG
Israelische Marine
Deutsche Bundeswehr