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Hilfe ist keine „Schurkenhilfe“

Chinas Entwicklungshilfe ist besser als ihr Ruf. Oft wird der aufstrebenden Wirtschaftsmacht vorgeworfen, ärmeren Ländern nur zu helfen, damit sie ihre Rohstoffe ausbeuten kann, oder dass sie mit dem Geld gezielt undemokratische Regime unterstützt. Aber dem ist nicht so, sagen deutsche Forscher. Chinas Hilfe sei nützlich und gefragt.

Mit Chinas Aufstieg als Wirtschaftsmacht steigt auch der Einfluss in Entwicklungsländern. China hat Recherchen der britischen Tageszeitung „Financial Times“ zufolge in den Jahren 2008 bis 2010 mehr Geld in Entwicklungshilfe investiert als die Weltbank. Die Hilfe aus China sei aber allzu oft ein giftiges Geschenk, sagen Kritiker. China wird vorgeworfen, mit der Entwicklungshilfe vor allem eigene wirtschaftliche Interessen zu verfolgen, etwa den Zugang zu Rohstoffen.

Nicht schlechter als der Westen

„Chinas Entwicklungshilfe kann nicht als Schurkenhilfe verurteilt werden“, sagt Andreas Fuchs von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg im Interview mit ORF.at. Gemeinsam mit dem Wissenschaftler Axel Dreher hat er untersucht, nach welchen Kriterien China Entwicklungshilfe vergibt, die Untersuchungen reichen bis in die 50er Jahre zurück. Das Ergebnis wurde vor kurzem in einer Studie präsentiert.

Das Fazit der Wissenschaftler lautet: „Chinas Entwicklungshilfe ist aus humanitärer Sicht nicht schlechter als die des Westens“, sagt Fuchs. „Natürlich verfolgt China wirtschaftliche und politische Interessen, aber das ist auch bei den meisten westlichen Geberländern der Fall.“

China investiert in Infrastruktur

China fülle sogar eine Lücke in der internationalen Entwicklungshilfe, so Fuchs. China investiere zum Beispiel in viele Infrastrukturprojekte. Mit chinesischem Geld werden Straßen, Eisenbahnlinien und Häfen gebaut. Solche Projekte würden von westlichen Geberländern oft vernachlässigt, so Fuchs.

China investiere aber auch in Krankenhäuser, entsende Ärzte in Krisenregionen, baue Bildungseinrichtungen und schicke Lebensmittelhilfe in Hungerregionen. Besonders in Afrika sei China engagiert, mit dem Rohstoffreichtum vieler afrikanischer Länder habe das nicht zwingend etwas zu tun.

„Die Erklärung, die Entwicklungshilfe habe nur mit Zugang zu Rohstoffen zu tun, greift zu kurz, das lässt sich nicht nachweisen“, sagt Fuchs. China investiere in Ländern auf der ganzen Welt unabhängig von deren Rohstoffreichtum. Aber natürlich verfolge China wirtschaftliche Interessen, etwa gute Aufträge für die eigenen Firmen und Arbeitskräfte zu sichern und neue Exportmärkte für die eigenen Produkte aufzubauen.

Keine politischen Motive

Auch den Vorwurf, China unterstütze undemokratische Regime durch Entwicklungshilfe, lässt Fuchs nicht gelten. „Wir sehen nicht, dass China Autokratien bevorzugt, es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Hilfe und den politischen Regimes.“ Es sei Chinas Prinzip, sich nicht in Politik einzumischen, sagt Fuchs. „Es stimmt natürlich schon, dass undemokratische Regime unterstützt werden, aber eben nicht stärker als demokratische Länder.“ Weil sich der Westen aber lieber für Demokratien engagiere, sei es naheliegend, dass sich China andere Länder suche. Peking unterstütze aber nicht absichtlich Autokratien. „China füllt hier auch eine Lücke.“

Wie viel China tatsächlich für Entwicklungshilfe ausgibt, ist den Forschern aus Heidelberg aber nicht bekannt, dazu existierten keine Angaben. Aber: „China wird zu einem der bedeutendsten Gebern von Entwicklungshilfe“, sagt Fuchs, „die Zahlen steigen seit den 90er Jahren stark an.“ Vergleiche mit dem Westen über die Höhe der Spenden seien schwierig, weil nicht alles, was in China als Entwicklungshilfe gelte, auch im Westen als solche gelte.

Problem Intransparenz

Chinas Entwicklungshilfe sei dennoch nicht unproblematisch, sagen die Forscher. „Intransparenz ist ein großes Thema“, so Fuchs, es gebe keine Einsicht darüber, wo welche Projekte verwirklicht werden. Kritisiert wird auch, dass sich China nicht um Umweltauflagen kümmere, die Bedingungen der Arbeiter seien oft schlecht, und die Anliegen der betroffenen Bevölkerung würden zu wenig gehört. Außerdem seien chinesische Hilfsprojekte zu wenig mit anderen nationalen oder internationalen Hilfsprojekten abgestimmt.

Gerade um Ängste abzufedern, sei es in Chinas Interesse, transparenter zu sein. Peking bewege sich langsam in die richtige Richtung, sagt Fuchs. Jetzt müsse man sich die Nebenwirkungen der chinesischen Entwicklungshilfe anschauen, so der Forscher. Aber die Motive zu helfen pauschal zu verteufeln sei nicht richtig. „Wir sollten begrüßen, dass es einen neuen großen Akteur in der Entwicklungshilfe gibt“, so Fuchs. „Wir sollten China kritisch begleiten und die Zusammenarbeit mit China stärken.“

Nadja Hahn, ORF.at

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