Themenüberblick

Droht „interkonfessioneller Krieg“?

Syriens Präsident Baschar al-Assad sei im Begriff, Vorkehrungen für die Schaffung eines eigenen Alawiten-Staates zu schaffen, indem er Truppen und Waffen in den Siedlungsgebieten der Minderheit konzentriere, dem sein Clan und die gesamte Führungsclique angehören. Das sagte der exilierte ehemalige Vizepräsident Abdelhalim Chaddam im Gespräch mit der französischen Tageszeitung „Le Figaro“.

Assad setze darauf, einen „interkonfessionellen Krieg“ zu führen und das Land zu zerstückeln, weil ihm bewusst geworden sei, dass er sich sonst nicht an der Macht halten könne. Er habe glaubwürdige Informationen, nach denen Assad vor rund einem Monat Mitarbeitern Pläne anvertraut habe, einen Alawiten-Staat zu errichten, sagte Chaddam, der von 1984 bis 2005 Vizepräsident Syriens gewesen war.

Nach dem Tod von Präsident Hafes al-Assad im Sommer 2000 hatte er das Amt des Übergangspräsidenten übernommen, bis Präsidentensohn Baschar Staatschef wurde. Laut WikiLeaks-Enthüllungen soll der libanesische Oppositionsführer und Ex-Premier Saad Hariri den USA Chaddam als Führer einer Übergangsregierung in Damaskus vorgeschlagen haben. Chaddam hatte seinerzeit Präsident Assad beschuldigt, persönlich die Ermordung von Hariris Vater, Ex-Premier Rafik Hariri, 2005 angeordnet zu haben.

Machtwechsel stets mit Minderheiten durchgesetzt

Die syrische Armee rekrutiert sich seit der Mandatszeit nach dem Ersten Weltkrieg zu einem erheblichen Teil aus Angehörigen religiöser und ethnischer Minderheiten. Die Franzosen hatten nämlich bei der Aufstellung der Truppen den Drusen, Alawiten, Christen und Tscherkessen eine Vorzugsbehandlung angedeihen lassen, was das Misstrauen der sunnitischen Mehrheitsbevölkerung erweckte. Sämtliche Machtwechsel von der Unabhängigkeit bis zum Putsch von Assads Vater 1970 waren von Exponenten von Minderheiten bewerkstelligt worden.

Links:

Publiziert am 31.01.2012