OeBS-Affäre: Aufseher angeblich früher informiert
Die Affäre um die Gelddrucktochter der heimischen Notenbank (OeBS, Banknoten- und Sicherheitsdruck) zieht weitere Kreise: Das Magazin „Format“ schreibt unter Berufung auf Vernehmungsprotokolle aus dem Strafakt, Aufsichtsräte könnten „früher und detaillierter als angenommen über dubiose Provisionszahlungen informiert gewesen sein“.
Die Staatsanwaltschaft hatte vergangenen November ein Strafverfahren gegen den gesamten jetzigen und einstigen Aufsichtsrat der OeBS eingeleitet. Diesem gehören derzeit OeNB-Chef Ewald Nowotny, -Vizechef Wolfgang Duchatczek und -Direktor Peter Zöllner an.
Provisionen für Aufträge
Die OeBS hatte zwischen 2006 und Mitte 2011 rund 14,5 Mio. Euro an Provisionen über die panamesische Briefkastenfirma Venkoy, die einem Wiener Rechtsanwalt gehört, gezahlt, um in Staaten wie Aserbaidschan und Syrien Banknoten-Druckaufträge zu erhalten. Nachdem die Affäre publik geworden war, hatte die OeNB die beiden Geschäftsführer ihrer 100-Prozent-Tochter OeBS im vergangenen Oktober gefeuert.
Beschuldigte Ex-Manager behaupten laut Vernehmungsprotokollen, dass „zumindest einzelne Aufsichtsräte sehr wohl detailliert über Umfang, Höhe und Art der Provisionszahlungen informiert gewesen seien“, berichtet „Format“ in seiner aktuellen Ausgabe.
Aussagen legen Vermutung nahe
Vor allem die Einvernahmen des Ex-OeBS-Geschäftsführers Michael Wolf, der ehemaligen OeBS-Vertriebsleiterin Raluca Tanasescu und des bereits im Jahr 2010 entlassenen Münze-Österreich-Chefs Kurt Meyer sollen diese Vermutung nahelegen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Die OeNB-Spitze hatte wiederholt betont, nichts davon gewusst zu haben, dass es hier um Bestechung gegangen sei.
Publiziert am 27.01.2012