Themenüberblick
Was soll die Zentralbank tun?
Die Währungshüter müssten also mindestens ihre Kosten wieder hereinbekommen, die ihnen durch den Kauf der griechischen Bonds seit Mai 2010 entstanden sind. Die Höhe des Abschlags, den die anderen Gläubiger der Griechen werden schlucken müssen, sei dabei für die EZB keine Richtschnur.
EZB gegen Ausweitung der Bondkäufe
EZB-Chef Mario Draghi hat bis zuletzt Forderungen nach einer Ausweitung der Anleihekäufe klar abgelehnt. Von Anleihekäufen im Banken- und Unternehmenssektor - eine Strategie, die teils von den Notenbanken Großbritanniens und Japans verfolgt wird - war im Euro-Raum bisher keine Rede. Die EZB hatte im Frühjahr 2010 damit begonnen, Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder zu kaufen. Als Motiv nennt sie die Sicherung des Wirkungskanals ihrer Geldpolitik.
Griechische Bonds im Wert von über 40 Mrd.
Einige private Investoren, Ökonomen und der Internationale Währungsfonds (IWF) fordern bei den Verhandlungen über einen Schuldenschnitt einen finanziellen Beitrag der EBZ. Die Währungshüter lehnen das bisher kategorisch ab. Die EZB hat schätzungsweise griechische Bonds zu einem Nennwert von 40 bis 45 Mrd. Euro erworben, aber zu einem deutlich niedrigeren Kurs. Würde sie diese Papiere bis zur Fälligkeit halten, könnte sie Experten zufolge sogar einen Gewinn machen.
Morgan Stanley rechnet mit Ausweitung
Der Chefökonom der US-Bank Morgan Stanley, Joachim Fels, rechnet fest mit einer starken Ausweitung der Anleihekäufe durch die EZB. Die EZB werde schon bald in großem Umfang Anleihen von Staaten, Banken und Unternehmen kaufen, sagte Fels dem „Handelsblatt“ (Onlineausgabe) am Freitag. „Die Überschrift über dem Jahr 2012 wird lauten: ‚Schleusen auf, Teil 2‘.“
Fels vermutet, dass die EZB im ersten Quartal zunächst den Leitzins von aktuell 1,0 auf 0,5 Prozent senken wird. Anschließend werde sie abermals ihre Prognosen für Wachstum und Inflation verringern. „Und dann gibt es nur noch einen Weg, um dafür zu sorgen, dass die Geldpolitik ihre gewünschte Wirkung entfaltet: eine Ausweitung der Anleihekäufe.“
Macht die EZB mit?
Der deutsche Wirtschaftsweise Franz, der das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim leitet, hält es für möglich, dass sich die EZB nach einer Einigung der Regierung in Athen mit den privaten Gläubigern bewegen wird. „Sie ist unabhängig, und das aus gutem Grund. Niemand kann sie zu etwas zwingen. Aber es ist natürlich nicht unbedingt erforderlich, dass eine Notenbank Kursgewinne einstreicht, wenn andere - Banken, Versicherungen und sonstige Investoren - bluten müssen.“
Die privaten Gläubiger müssten dann allerdings auch verstehen, dass die EZB nicht als Investor griechische Anleihen in ihre Bilanz genommen hat, sondern um der Politik Zeit für eine Lösung des Schuldenschlamassels zu verschaffen. „Dass die nicht schnell genug gehandelt hat, kann man jetzt nicht der EZB anlasten und dem Steuerzahler Verluste aufbürden“, sagte der Ökonom.
Hedgefonds könnten als Gewinner dastehen
Einen vielfach diskutierten Schuldenschnitt Griechenlands über rückwirkende Umschuldungsklauseln (Retroactive Collective Action Clauses) lehnt Franz ab. Bei diesem Verfahren entscheidet die Mehrheit der Gläubiger, ob und unter welchen Bedingungen es zu einer Umschuldung kommt. Die EZB könnte so von den anderen Gläubigern gezwungen werden mitzumachen.
Sie käme dann zwar nicht in den Verdacht, aus freien Stücken einen Staat finanziert zu haben. „Allerdings hat das Verfahren selbst erhebliche Risiken und Ungereimtheiten“, warnte Franz. „Es würde ziemlich sicher ein Kreditereignis ausgelöst und damit auch die sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Von denen weiß niemand genau, wer wie viele davon hat und wer dann zahlen müsste und wer vielleicht mit der Staatspleite Griechenlands sogar noch Gewinne macht.“ CDS sind Kreditausfallversicherungen in Form von Wertpapieren, mit denen sich dem Vernehmen nach unter anderem viele Hedgefonds gegen einen Zahlungsausfall Griechenlands abgesichert haben.
Sie wären die Gewinner einer Pleite Athens. Auf der anderen Seite könnten Banken, die besonders viele griechische Bonds halten, in Schieflage kommen und müssten mit Steuergeld gestützt werden. Franz: „Die Folge wären wieder neue Bankenrettungsprogramme, und es würde noch teurer.“
Links:
- EZB
- Wolfgang Franz (Wikipedia)
- ZEW
- Morgan Stanley
Publiziert am 27.01.2012