Themenüberblick

Gebrochene Rippen und Nervenschäden

Ignorant, beleidigend, verfälschend, sensationsgeil, gefährlich, einseitig, verantwortungslos und dumm - das sind nur einige der Kommentare, mit denen Leser des Artikels „How Yoga Can Wreck Your Body“ („Wie Yoga deinen Körper ruinieren kann“) abstrafen. Der „New York Times“-Zeitungsartikel hat die gesamte amerikanische Yoga-Fangemeinde in Aufruhr versetzt.

Gesundheitsexperten warnen seit jeher davor, jegliche Art von Sport zu exzessiv zu betreiben, doch dass ausgerechnet Yoga - bekannt als Quell von Ruhe, Gelassenheit und Wohlbefinden - bei Überstrapazierung zu ernsthaften Schäden führt, ist für viele unverständlich. Entsprechend kontrovers werden die Argumente von William Broad diskutiert. Broad, der in der „New York Times“ („NYT“) zahlreiche schauderhafte Fälle von Verletzungen aufzählt, kritisiert, dass die Gefahren von Yoga in der Öffentlichkeit überhaupt nicht thematisiert werden.

Uzo Aduba, George Salazar und Nick Blaemire, alle Broadway-Schauspieler probieren Yoga

Screenshot www.nytimes.com

Illustration und Titel der „NYT“-Geschichte seien „dumm“, „irritierend“ und „verantwortungslos“, so verärgerte Leser

Die Reportage zeichnet ein düsteres Bild: Broad schreibt von Fällen, in denen das zu exzessive oder falsche Betreiben von Yoga zu gebrochenen Rippen, kaputten Hüftgelenken, schmerzenden Rücken und schwerwiegenden neurologischen Schäden führte, auch bei erfahrenen Yogis. Laut dem Yoga-Lehrer Glenn Black, der in der Reportage ausführlich zu Wort kommt, sollten die meisten Leute Yoga komplett aufgeben. Es sei einfach zu wahrscheinlich, sich Verletzungen zuzuziehen.

Wenn, dann nur mit individueller Betreuung

Der Grund: Die meisten Menschen hätten tiefer liegende physische Schwächen oder Probleme, die sich durch die Übungen zu ernsthaften Verletzungen auswachsen könnten. Anstelle von Yoga sollten sie spezielle Übungen machen, die die empfindlichen Körperteile stärkten. „Yoga ist für Menschen in guter körperlicher Verfassung. Oder es wird therapeutisch eingesetzt. Es ist wirklich schwierig zu sagen, aber es sollte auf keinen Fall in einer allgemeinen Gruppe angewendet werden“, so Black.

Der anhaltende Hype verstärke die Risiken nur noch. Die Beliebtheit von Yoga führe dazu, dass immer mehr Menschen, die sich tagsüber relativ wenig bewegten nach der Arbeit mehrere Male pro Woche im Yoga-Studio zu schwierigen Asanas verrenkten. Hinzu komme, dass Yoga-Studios aus dem Boden schießen - oft mit unerfahrenen Lehrern, die zu wenig über die Anatomie des Körpers wissen und ihre Schüler (und sich selbst) dazu anspornen, ihren Körper überzustrapazieren und das Üben zu übertreiben.

„Die Leute flippen total aus“

Die 20 Millionen US-Yogis fühlen sich durch den Artikel vor den Kopf gestoßen. Mehr als 730 emotionale Kommentare wurden hinterlassen, bevor das Forum geschlossen wurde. Sie reichen von fanatischen Plädoyers für Yoga bis hin zu (wenigen) Lobeshymnen auf den Artikel, oft von Menschen, die sich selbst Verletzungen bei Yoga-Übungen zuzogen. „Artikel wie diese sind wenig zielführend, sondern geben faulen, ungesund lebenden Menschen eine bequeme Ausrede, um auch so bleiben“, schreibt eine Leserin. Dank der britischen Zeitung „Guardian“ schwappte die Diskussion auch auf Europa über. Die Tageszeitung vermutet bereits, dass aufgrund des „beleidigenden“ Artikels Yoga „nie wieder dasselbe sein wird“.

Der Artikel stachelte eine kontroverse Diskussion an. „Der Streit ist gewaltig. Die Leute in meinen Kursen flippen total aus“, sagte die Yoga-Lehrerin Paula Tulsi gegenüber dem „Guardian“. Die Debatte über das Für und Wider von Yoga wird in Tausenden Blogs und anderen Foren weitergeführt. Die Ashtanga New York Group etwa kontert auf ihrer Website mit einem Artikel mit dem Titel „Wie die ‚NYT‘ Yoga ruinieren kann“. Die Google-Suche nach dem provokanten Titel des Texts liefert mehr als eine Million Websites, in denen auf den Text Bezug genommen wird.

Yoga selbst ist nicht das Problem

Die einhellige Meinung eines Gros der Debattierenden: Natürlich kann Yoga Verletzungen hervorrufen, wie jede andere Art von körperlicher Betätigung auch. Der „NYT“-Artikel prangere jedoch lediglich die Schauermärchen an, und gehe nicht auf die positiven Effekte von Yoga ein. Denn, wie Tulsi die Problematik auf den Punkt bringt: „Nicht Yoga ist das Problem, viel mehr ist es die schlechte Umsetzung oder der mangelhafte Unterricht.“

Links: