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Studie zeigt eindeutige Ergebnisse

Mit Frauen in der Führungsetage wirtschaften Unternehmen erfolgreicher als ohne. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young bei den 290 größten börsennotierten Unternehmen Europas. Die Studie vergleicht die Jahre 2005 und 2010 und lässt den Schluss zu, dass - zumindest statistisch gesehen - Frauen an der Unternehmensspitze ein Erfolgsgarant sind.

Demnach entwickelten sich die wichtigen Kennzahlen Umsatz, Gewinn, Mitarbeiterzahl und Börsenwert positiver als der Durchschnitt aller Unternehmen, wenn in den Führungsetagen sowohl 2005 als auch 2010 wenigstens eine Frau saß. Der Umsatz stieg in diesen Firmen um 64 Prozent, in Unternehmen ohne Frauen im Vorstand nur um 44 Prozent. Noch deutlicher fällt der Unterschied mit plus 89 Prozent gegenüber plus 67 Prozent beim Gewinn aus.

Männerdomänen schneiden schlecht ab

Beim Börsenwert beträgt die Differenz sechs Prozentpunkte. Bei Beschäftigung ist der Unterschied mit zwei Prozentpunkten am geringsten. Vernichtend ist das Urteil für diejenigen Konzernspitzen, die auch 2010 noch reine Männerzirkel waren. Umsatz, Gewinn, Börsenwert und Beschäftigung: Alles ist dort schlechter als beim Durchschnitt.

Ausgeklammert wurden in der Studie allerdings zwei Branchen: Bei Energie- und Rohstoffkonzernen sind die Vorstandsposten fast ausschließlich von Männern besetzt. Trotzdem hätten diese sehr gut abgeschnitten - was allerdings in der Studie auf die Sonderkonjunktur in den Bereichen erklärt wird. Abgesehen von diesen Bereichen ist das Urteil für diejenigen Konzernspitzen, die auch 2010 noch rein männlich waren, vernichtend.

Frauenanteil stieg

Selbst dann, wenn mindestens eine Frau erst bis 2010 in die frühere Männerdomäne kam, wirkte sich das spürbar auf den Gewinn der untersuchten Firmen aus, heißt es in der Studie. Die 290 untersuchten Unternehmen hatten 2005 insgesamt 2.150 Vorstandsmitglieder – 103 bzw. fünf Prozent davon waren Frauen. Bis 2010 stieg die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder auf 178 bzw. acht Prozent von insgesamt 2.262 Vorstandsmitgliedern.

2005 hatten nur 79 der 290 Unternehmen mindestens ein weibliches Vorstandsmitglied. 2010 waren es schon 121, was einem Anteil von 42 Prozent entsprach. Frauen sind vor allem für Marketing und Personal zuständig, eine Vorstandsvorsitzende haben nur zwei Prozent der Konzerne. Nicht berücksichtigt wurde die Zusammensetzung des Aufsichtsrats.

Österreich abgeschlagen

Das Gros der Unternehmen stammt aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Auch sechs große börsennotierte ATX-Unternehmen aus Österreich wurden untersucht. In Irland Finnland, Schweden und England hat die Mehrzahl der Unternehmen mittlerweile eine Frau im Vorstand. Abgeschlagen in dieser Statistik ist Deutschland. Auf dem vorletzten Platz rangiert Österreich gemeinsam mit Luxemburg. Irland führt mit 28 Prozent auch bei der Quote der Frauen in Vorstandspositionen, gefolgt von Schweden mit 15 Prozent. In Österreich sind es drei Prozent, in Deutschland zwei.

Infrastruktur in Österreich fehlt

„Österreich fehlt die Infrastruktur, um Familie und Beruf vernünftig unter einen Hut zu bekommen“, betonte Helmut Maukner, Country Managing Partner bei Ernst & Young in Österreich. Es müsste in Österreich eine flächendeckende Ganztagsbetreuung für Kinder ab einem Jahr und auch für Schulkinder angeboten werden.

Österreich sei in diesem Bereich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern „weit hinten“. Der Einführung einer Quote zur Erhöhung des Anteils weiblicher Führungskräfte kann der Ernst-&-Young-Experte wenig abgewinnen. „Quoten alleine helfen nicht, wenn die Rahmenbedingungen fehlen.“ Von den Unternehmen fordert Maukner eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Firmen müssten zeitliche Flexibilität für Familienverantwortliche ermöglichen

Im Vorzeigeland Irland hingegen seien viele internationale Konzerne aktiv, „die durchaus höhere Frauenquoten in Leistungsebenen“ selber forcieren, so Maukner. Auch Schweden habe mit einer Verbesserung der Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und Karenz den Anteil von acht auf 15 Prozent nahezu verdoppelt.

Frauen als Indiz für erfolgreichen Wandel

„Das ist eine automatische Folge der Diversität“, erklärt Maukner das Faktum, dass Vorstände mit Frauen besser abschneiden. Frauen würden eine andere Diskussionskultur, Fragestellungen und Herangehensweisen in der Führungsebene etablieren. Ähnlich argumentiert Ana-Cristina Grohnert, die Personalchefin bei Ernst & Young für den deutschsprachigen Raum.

Frauen in Führungspositionen seien meist die Folge eines Umdenkens. Gerade jene Firmen, die Managerinnen aus ihren eigenen Reihen rekrutierten, hätten früh begonnen, die Barrieren in der Unternehmenskultur zu identifizieren, die das einst blockierten. Stelle sich ein Konzern modern, aufgeschlossen, flexibel, zukunftsorientiert, nachhaltig und verantwortungsbewusst auf, sei das generell gut fürs Geschäft - und Frauen an der Spitze seien nur ein Indiz des erfolgreichen Wandels.

Bessere Teamergebnisse mit Frauen

Unabhängig davon haben wissenschaftliche Studien mehrfach belegt, dass Frauen Teams positiv beeinflussen. So zeigten die US-Wissenschaftler Anita Woolley von der Carnegie Mellon University und Thomas Malone von der MIT Sloan School of Management im Vorjahr, dass der Erfolg einer Gruppe nicht von der Intelligenz ihrer einzelnen Mitglieder abhängt.

Kommen aber mehr Frauen in das Team, schneidet die Gruppe ganz einfach besser ab. Je mehr Frauen, desto besser wird das Ergebnis. Die Autoren der Studie meinen, Frauen würden den Diskussionsprozess offener und damit produktiver machen. Und das wirke sich positiv auf die Gruppenergebnisse aus, berichtete die „Harvard Business Review“.

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Publiziert am 18.01.2012