Themenüberblick

Hilfsgelder offiziell abgezweigt

Die japanische Regierung zweigt Hilfsgelder für den Wiederaufbau des Landes nach der Erdbeben-, Tsunami- und AKW-Katastrophe im März für den Walfang ab. Die Fischereibehörde in Tokio bestätigte Anfang Dezember entsprechende Vorwürfe der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Mit den eingeplanten 2,28 Milliarden Yen (21,9 Mio. Euro) sollten unter anderem zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für die Walfänger bezahlt werden, sagte der Behördenvertreter Tatsuya Nakaoku. Greenpeace spricht von einem Skandal. Japanische Beamte hingegen sehen darin weder einen Skandal noch Unrecht. Sie argumentieren in ihrem Antrag auf die Förderung, dass das Geld den durch den Tsunami in Mitleidenschaft gezogenen Gemeinden an der Küste zugutekomme.

Bereits früher in diesem Jahr hatte die japanische Fischereibehörde bei der Regierung zusätzliche Mittel aus dem Notfallfonds für Erdbeben-, Tsunami- und Fukushima-Opfer beantragt. Die Behörde argumentiert damit, dass Gemeinden am Meer mit dem Walfang ihren Lebensunterhalt verdienten. „Außerdem essen in der Region auch viele Menschen Walfleisch“, fügte Nakaoku hinzu.

Aktivist: Walfangprogramm hoch verschuldet

Junichi Sato von Greenpeace Japan sagte im australischen Fernsehen, dass es keine Verbindung zwischen dem Walfangprogramm und dem Wiederaufbauprogramm gebe. Das sei eine Schutzbehauptung der zuständigen Stellen, um das Abzweigen der Gelder für den Walfang zu rechtfertigen.

„Die Gelder werden einfach dazu benutzt, die Schulden des Walfangprogramms zu begleichen, da das Walfangprogramm in großen finanziellen Problemen steckt“, so Sato zu ABC Australia. Die Regierungen Australiens und Neuseelands kritisierten den japanischen Walfang scharf und wollten Schiffe schicken, um die Walfänger zu beobachten. Auch die radikaleren Aktivisten der Organisation Sea Shepherd wollen ihre Kampagne gegen die Walfänger fortsetzen.

Die Walfanggegner versuchen bei dem jährlichen Auslaufen der Walfangflotte, es den Schiffen so schwer wie möglich zu machen, die riesigen Meeressäuger zu jagen. Das verursacht durch die Verzögerungen und auch für die Sicherheitsmaßnahmen zusätzliche Kosten für die Walfänger. Die Gegner wollen dadurch den Walfang so unrentabel wie möglich machen und hoffen darauf, dass er in der Folge ganz eingestellt wird.

900 Wale auf „Abschussliste“

Die japanische Walfangflotte stach unterdessen zu Beginn voriger Woche zu ihrer international umstrittenen alljährlichen Jagd in der Antarktis in See. Medienberichten zufolge legte die aus drei Schiffen bestehende Flotte, die vom Walfangschiff „Yuhsin Maru“ angeführt wird, vom Hafen Shimonoseki im Westen Japans ab. Die japanische Fischereibehörde wollte die auch durch Fotos belegten Berichte aus Sicherheitsgründen nicht bestätigen. Einem der Internationalen Walfangkommission (IWC) vorgelegten Plan zufolge sollen in dieser Saison 900 Wale getötet werden.

Die Kommission hatte 1986 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang in Kraft gesetzt. Japan nutzt allerdings ein Schlupfloch des Abkommens, indem es Wale offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken jagt. Es macht aber kein Geheimnis daraus, dass das Fleisch der erlegten Tiere in Geschäften und Restaurants verkauft wird. Die japanischen Behörden vertreten die Ansicht, dass der Walfang eine jahrhundertealte Tradition ist, die nicht verloren gehen darf. Die vorige Walfangsaison in der Antarktis war im Februar nach einer Reihe von Störaktionen militanter Walschützer vorzeitig beendet worden.

Links: