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Neue Chance für extreme Gebiete

Afrika will gegen die Verwüstung des Kontinents vorgehen. Die Ausbreitung der Sahara soll mit dem ambitionierten Plan eines Bollwerks gegen das Vorrücken der Wüste verhindert werden. Mit dem Großprojekt „Great Green Wall“ will man die Sahelzone absichern und damit verbunden auch die Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung verbessern.

Die „Große Grüne Wand“ soll quer durch Afrika führen, von Dakar bis Dschibuti, wie die „Le Monde Diplomatique“ in ihrer November-Ausgabe berichtete. Die Entfernung beträgt, je nach eingeschlagenem Weg des Grüngürtels zwischen der West- und der Ostküste, zwischen 7.000 und 8.000 Kilometer. Die „grüne Mauer“ soll rund 15 Kilometer breit werden.

Wüstenlandschaft

Fotolia/barantza

Die Wüste wächst unaufhörlich weiter

Noch heißer und trockener in nächsten Jahren

Durch elf Staaten soll das Großprojekt führen. Die Sahelzone ist der Übergang zwischen der Sahara im Norden und der afrikanischen Savanne im Süden und umfasst Teile etwa von Burkina Faso, Dschibuti, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Senegal, Äthiopien und dem Tschad und gehört zu den trockensten Gebieten der Erde. In dieser Zone leben laut den Angaben der Monatszeitung einige Millionen arme Bauern und Viehzüchter. Prognosen gehen davon aus, dass Afrika aufgrund des Klimawandels in den nächsten Jahren noch heißer und trockener wird, zitierte „Le Monde diplomatique“ Experten.

Mehrere nützliche Auswirkungen

Das Projekt ist bereits seit einigen Jahren in der Planungsphase - Finanzierungszusagen internationaler Organisationen wie etwa der UNO inklusive. In kleinen Abschnitten wurde bereits ausprobiert, mit welchem Aufwand die Ausbreitung der Sahara und damit die Bodenerosion und Landverödung verhindert werden kann. Befürworter des Milliardenprojekts sehen zwei Effekte.

Idee erstmals in den 1970ern

Die ersten Ansätze zu dem Grüngürtelprojekt sind bereits einige Jahrzehnte alt. Zuerst tauchte die Idee in den 1980er Jahren auf. Sie geht auf den ehemaligen Präsidenten Burkina Fasos, Thomas Sankara, zurück. Zwei Jahrzehnte später wurde der Vorschlag von dem damaligen Staatspräsidenten Nigerias, Olusegun Obasanjo, wiederbelebt. Seit 2005 beschäftigt sein Vorstoß die Afrikanische Union.

Es soll zugleich die Armut in den Gebieten bekämpfen, indem es Landwirtschaft unter besseren Bedingungen - Obst, Gemüse und Getreide sollen künftig angebaut werden sowie nachwachsende Rohstoffe und Energiequellen - ermöglicht und gleichzeitig die bedrohten Gebiete vor der Wüste schützt, beschreibt etwa die Website Mongabay die Intention. Die „grüne Wand“ würde die Nahrungsmittelproduktion und auch die Wasserquellen schützen.

Riesige Oase als Verbindung

Die „Große Grüne Wand“ sei mehr, als der Name nahelege, so Richard Escadafal, Leiter des französischen Wissenschaftlichen Komitees für Wüstenbildung, zu Jahresbeginn in einem Interview mit dem „Guardian“. Das Ziel sei die Pflanzung und Integration einer wirtschaftlich ausbeutbaren dürreresistenten Pflanzenart, die Errichtung von Wasserreservoirs, ein einträgliches landwirtschaftliches Produktionssystem und andere einkommensschaffende Tätigkeiten sowie die Errichtung einer einfachen, aber grundlegenden sozialen Infrastruktur.

Der Grüngürtel wird auch als verbindende Oase zwischen den bewohnten Gebieten dienen. Reisen zwischen Dörfern und Ansiedlungen sollen dadurch weniger beschwerlich werden. Der Gluthitze entgeht man durch die schattenspendende Bepflanzung.

Bevölkerung muss eingebunden werden

Escadafal wies allerdings auch darauf hin, dass neben allen technischen Problemen der Bepflanzung die lokale Bevölkerung schon bei Beginn des Setzens der Pionierpflanzen und Bäume miteinbezogen werden muss. Ohne die Zustimmung und Mitwirkung der Bevölkerung sei das Projekt ohnehin zum Scheitern verurteilt. Die Bauern müssten wissen, was sie durch das Projekt zurückbekämen. Auch müssten sie geschult werden, welche Pflanzen man wo und wie anbaue. Teils könnten für die Gegend neue und daher unbekannte Sorten sowie neue landwirtschaftliche Methoden zum Einsatz kommen.

Laut „Le Monde diplomatique“ engagieren sich in einigen Dörfern, wo das Projekt bereits angelaufen ist, vor allem Frauen bei der Pflanzung von Bäumen. Innerhalb von sechs Jahren Arbeit schafften es die Frauen des Dorfes Koutal dank auch technischer Beratung gegen Bedenken und Vorurteile anderer Bewohner, dem nackten Boden 290 Hektar mit Setzlingen abzuringen. Das Waldstück ist bereits so groß, dass es auch zum Schlägern von Feuerholz dient, das gewinnbringend in Dörfern der Umgebung verkauft werden kann. Auch Hirse und andere Produkte werden zum eigenen Bedarf angebaut, so die Monatszeitung weiter.

Auch Tschad-See soll geholfen werden

Seither wird für internationale Zustimmung und Unterstützung für das Projekt geworben, auch die UNO und ihre Teilorganisationen unterstützen das Bepflanzungsprojekt. Man erwartet sich dadurch auch positive Auswirkungen auf weitere anstehende Projekte der Region. So könnte es auch Vorteile für eine Revitalisierung des immer mehr austrocknenden Tschad-Sees bringen. Politisch erhofft man sich mehr Stabilität in der Zone. Auch der Migration soll so Einhalt und jungen Menschen eine Perspektive geboten werden.

Achten auf die Nachhaltigkeit

Einige NGOs kritisieren laut „Le Monde diplomatique“ allerdings das Projekt. Es handle sich dabei um Entwicklungspolitik alten Stils, in der die Hilfe von oben nach unten geleistet werde. Die Rolle der ökologischen Dimension und die Rolle der lokalen Bevölkerung würden unterschätzt. Die jungen Bäume würden auch nur überleben, wenn sie gegossen und beschnitten sowie gegen Tierfraß geschützt würden. Und für zu erbringende Leistungen müsste die lokale Bevölkerung einen finanziellen Anreiz bekommen. Ein weiteres Problem sind Bewässerungsanlagen, für die oft nicht genug Wasser da ist.

Das Projekt habe schon in den 1970er Jahren nichts außer ein katastrophales Scheitern gebracht, so Dennis Garrity, Generaldirektor des World Agroforestery Center (ICRAF), eines Agrarforschungsinstituts mit Sitz in Nairobi zur „Le Monde diplomatique“. „Das Projekt brachte über die Entwicklungshilfe den Forstministerien einiger Länder viel Geld, und zahlreiche Bäume wurden damit angepflanzt“, so Garrity. Doch nachhaltig sei das nicht gewesen. Die Bäume seien, da die Pflege nicht mitbedacht worden sei, eingegangen.

Regionale Initiativen einbinden

Garrity spricht sich für einen Fleckerlteppich der Begrünung aus. Er weiß auch andere Experten hinter sich. Traditionell wurden auf den Feldern immer auch Bäume angepflanzt - die klassische Mischkultur. Die Grundidee ist, dass die Bäume das ganze Jahr Schatten spenden und so die Fruchtbarkeit der Böden und deren Wasseraufnahmekapazität erhöhen.

Das Projekt der „grünen Wand“ wird allerdings immer mehr unterstützt. Die Tendenz geht auch hier weiter dazu, „Umwege“ zu machen und regionale Initiativen in den Grüngürtel einzubauen. Die Idee werde diesmal nicht scheitern, so die positiven Prognosen der Verantwortlichen.

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