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Ehrgeizige Weltraumpläne

Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Sprung für die junge Raumfahrtnation: Mit dem ersten erfolgreichen Andockmanöver im All ist China diese Woche bei seinen ehrgeizigen Plänen im Weltraum ein großes Stück vorangekommen.

„Das bringt die Chinesen über einen großen Berg auf ihrem Weg“, sagte der australische Raumfahrtexperte Morris Jones der Nachrichtenagentur dpa in Peking. „Das ist eine schwierige, aber notwendige Aufgabe.“ Acht Jahre nach dem ersten bemannten Raumflug des Landes steigt China nach den USA und Russland zur dritten Nation auf, die zwei Raumschiffe miteinander verkoppeln kann. „Es zeigt, dass China bei den grundlegenden technologischen Fähigkeiten rasant zu den USA aufholt“, sagte Jones. „Einige Technik ist nicht so fortschrittlich, aber sie können schwierige Flüge absolvieren - so wie die USA.“

„Andocken ist eine grundlegende Fähigkeit, die für viele andere Vorhaben wichtig ist - sei es der Bau eines großen Raumlabors oder einer Raumstation“, sagte Dean Cheng, China- und Raumfahrtexperte der US-Denkfabrik Heritage Foundation. Auch ein Mondflug erfordere mehrfache Andockmanöver.

„Magisches Schiff“ und „Himmelspalast“

Es war ein riskantes Vorhaben, das gut eine Stunde nach Mitternacht live im Fernsehen übertragen wurde. Während „Shenzhou 8“ („Magisches Schiff“) und „Tiangong 1“ („Himmelspalast“) langsam aufeinander zuflogen, übertrugen Kameras jeden Moment aus dem All. Als der Kopplungsmechanismus endlich zuschnappte, schien der als „historisch“ gefeierte Augenblick völlig unspektakulär - als wenn das Manöver schon oft vollführt worden wäre.

In Wirklichkeit schienen alle im Kontrollzentrum in Peking - darunter Regierungschef Wen Jiabao und Vizepräsident Xi Jinping - den Atem anzuhalten. Als auch die Schleuse wenig später sicher versiegelt war, brandete Beifall auf. „Alles, was im All passiert, ist sowohl gefährlich, weil das Umfeld unwirtlich ist, als auch schwierig wegen der Schwerelosigkeit und der Umweltbedingungen“, sagte US-Experte Cheng. „Nichts im All ist einfach.“

Experten streuen China Rosen

Mit dem Manöver demonstriert China seine Fortschritte in der technologischen Aufholjagd zu den anderen großen Raumfahrtnationen. Es zeige die Qualität der Steuerdüsen, der Sensoren und der Software der Bodenkontrolle, so Cheng. „Die Chinesen haben es das erste Mal gemacht und, soweit wir wissen, allein auf der Grundlage ihrer eigenen Technologie und Entwicklungsprozesse.“

„Das ist nicht einfach“, sagte auch der Astrophysiker der Universität Hongkong, Sun Kwok. „Es erfordert Koordination in verschiedenen technischen Bereichen wie Kommunikation, Kontrolle, Roboter- und Raketentechnik.“ Auch die Raumfahrtexpertin Joan Johnson-Freese vom US Naval War College sagte: „China bewegt sich auf der technologischen Lernkurve beständig nach oben.“

Raumstation um 2020 fertig

Der Chefdesigner des chinesischen Raumfahrtprogramms, Zhou Jianping, sagte nach dem Rendezvous, sein Land besitze jetzt die grundlegenden Technologien und Fähigkeiten für den Bau einer Raumstation, die um 2020 fertiggestellt werden soll. „Das ermöglicht es China, die Erforschung des Weltraums im großen Stil aufzunehmen.“

Andreas Landwehr, dpa

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