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Bilder mit „unsichtbaren Fotografen“

Der italienische Fotograf Ruben Salvadori hat aufgezeigt, wie stark Nachrichtenbilder, die man tagtäglich sieht, manipuliert werden - noch bevor sie im Computer bearbeitet werden. Frustriert von der Geschäftemacherei mit Nachrichtenbildern trat er einen Schritt zurück und dokumentierte die Arbeitsweise seiner Kollegen.

Seine Bilder aus Ostjerusalem demonstrieren, wie palästinensische Jugendliche durch die Anwesenheit der zahllosen Kamerateams zu Posen animiert werden, die ansonsten nie erfolgt wären. Orts- und Zeitangaben der so entstandenen Agenturbilder stimmen, auch wurde das Material nicht nachträglich verfremdet, trotzdem ist die Aussage manipuliert.

Jugendlicher und Medien

Ruben Salvadori

Das ikonische Bild gewaltsamer Proteste ist nur eine Pose für die Medien

Tabubruch hinter den Kulissen

Die preisgekrönte Serie „Photojournalism Behind The Scenes“ (Fotojournalismus hinter den Kulissen) ist nicht der erste Bruch mit dem Tabu des „unsichtbaren Fotografen“. Immer wieder haben Bildjournalisten die Inszenierungen für die Medien im Ganzen gezeigt und ihre Kollegen mit abgelichtet. Der bekannteste von ihnen war in den letzten Jahren wohl der Magnum-Fotograf Alex Webb mit seinen Arbeiten zur Haiti-Katastrophe.

Salvadoris Dokumentation ist allerdings mehr als ein einzelnes Schlaglicht - sie schildert einen etablierten Arbeitsablauf der Bildproduktion. Vor allem schlägt sie die Brücke zu den Fotos, die wir täglich sehen. Die Gegenüberstellung mit den Situationen, in denen sie entstanden sind, zeigt nicht nur, wie wenig sich manche Fotojournalisten um den Wahrheitsgehalt kümmern, sondern auch, wie wenig wir als Konsumenten die Bilder hinterfragen.

Drama auch ohne Konflikte

Um sich gut zu verkaufen, müssen die Bilder so dramatisch und eindeutig wie möglich sein. Martialisch gekleidete Sicherheitskräfte kommen da sehr gelegen.

Sicherheitskräfte

Ruben Salvadori

Eine Mauer aus Sicherheitskräften, die den Weg versperrt?

Der knappe, unruhige Bildausschnitt, die Froschperspektive und der unscharfe Hintergrund tun ein Übriges. Die Umgebung wird automatisch als Fortsetzung des Ausschnitts gedacht, im Gedächtnis bleibt eine Kampfzone. Tatsächlich sind es lediglich drei Sicherheitskräfte, die sich unterhalten. Ein Konflikt findet zum Zeitpunkt dieser Aufnahme gar nicht statt.

Sicherheitskräfte und Fotograf

Ruben Salvadori

Je langweiliger die Szenen, umso kreativer die Fotografen

Manipulation kaum zu beweisen

Bei manipulierten Bildern denkt man zunächst an geschönte Porträts und Models, denen die Beine künstlich langgezogen werden. Immer wieder werden auch Nachrichtenfotos enttarnt, deren Inhalte auf dem Computer stark manipuliert wurden – ein paar Raketen dazu, ein paar Köpfe weg. Die Konzentration auf die Nachbearbeitung verstellt jedoch den Blick auf das Ganze, unbearbeitete Fotos werden häufig zu Unrecht als wahr verstanden.

Salvadoris Bilder hinterlassen den Eindruck, dass sich Teile der Nachrichtenindustrie diesen Umstand zunutze machen. Stereotype Sujets werden handwerklich gekonnt aus der Umgebung herausgelöst und mit möglichst knappen Bildbeschreibungen zur vielseitigen Verwendung verkauft. Der Nachweis, dass der Inhalt absichtlich manipuliert wurde, ist kaum möglich – außer es macht wieder einmal jemand den entscheidenden Schritt zurück.

Jugendlicher und Fotograf

Ruben Salvadori

Nicht überall, wo Steine geworfen werden, haben sie auch ein Ziel

Roland Winkler, ORF.at

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