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Spekulationen über neue Staatshilfen

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) will Bankern zufolge mit einem verschärften „Stresstest“ den Kapitalbedarf für die krisengeschüttelten Finanzinstitute ermitteln. Nach Reuters-Informationen steht dabei außer Frage, dass neue staatliche Milliardenspritzen für die Banken im Raum stehen.

Als Grund für den neuen „Blitzstresstest“ wurde die jüngste Entwicklung in der Staatsschuldenkrise genannt, die zuletzt mit der Verstaatlichung der Bank Dexia bereits ein prominentes Opfer gefunden hat. Mit der neuerlichen Prüfung sollen nun die Schwachstellen der Branche ermittelt werden. Bestätigten wollte die EBA die Berichte nicht. Eine Sprecherin der Behörde erklärte jedoch, die EBA sammle aktualisierte Daten über die Kapitalpositionen der Banken und über deren Staatsanleihen ein.

„Zwischen sieben und zehn Prozent“

Im Gegensatz zum letzten „Stresstest“ (fünf Prozent, Anm.) müssen den Angaben zufolge die Banken diesmal unter Krisenbedingungen auf eine Kernkapitalquote „zwischen sieben und zehn Prozent“ kommen. Wer diese Marke nicht erreiche, werde aufgefordert, sich frisches Kapital zu besorgen - auf dem Markt oder beim Staat.

„Diese Latte dürfte eine große Zahl von Banken in Europa reißen“, sagte ein Banker. „Da wird eine ordentliche Summe an benötigtem Kapital zusammenkommen.“ Nach Reuters-Berechnungen auf Basis der Daten des vergangenen „Stresstests“ vom Sommer müssten 48 Banken etwa 100 Milliarden Euro an frischen Mitteln aufnehmen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte den Kapitalbedarf auf bis zu 200 Milliarden Euro beziffert.

Angesichts der aktuellen Unruhe auf den Märkten dürfte vielen Häusern am Ende nur die Staatshilfe bleiben - wie schon zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008. Seither haben die Staaten in der Europäischen Union mehr als 400 Milliarden Euro in die Banken gesteckt. Dadurch wurde die Verschuldung der einzelnen Länder in die Höhe getrieben.

Erster Test zu lax?

Bei der letzten großangelegten Belastungsprobe von 90 Finanzinstituten im Sommer lag die Bestehenshürde nur bei fünf Prozent hartem Kernkapital. Anders als damals wird nun auch durchgespielt, welche Folgen es für die Kapitalausstattung hätte, wenn die Staatsanleihen aus den Euro-Krisenländern auf den Marktwert abgeschrieben werden. Ein solch radikales Szenario hatte die EBA im Sommer nicht einbezogen, weshalb der Test als zu lax kritisiert worden war. Nur acht Institute waren damals durchgefallen.

Offen ist Finanzkreisen zufolge noch, welche Kapitaldefinition die EBA für ihren internen Test zugrunde legt. Am wahrscheinlichsten sei es, dass die Aufsicht die Kriterien des neuen Regelwerks Basel III anwende, betonten mehrere Banker. Danach zählen nur Stammkapital und Gewinnrücklagen zum harten Kernkapital. Das könnte insbesondere für einige deutsche Landesbanken problematisch sein, da diese in vielen Fällen noch auf stille Einlagen als Kapitalform setzen. Im Streit über die Anerkennung dieser Einlagen hatte die Frankfurter Helaba sich im Sommer in letzter Minute von dem Stresstest zurückgezogen.

„Kaum einer rechnet, gut durchzukommen“

Die Banken hatten den Finanzkreisen zufolge bis Dienstagabend Zeit, ihre aktuellen Daten zum Engagement in den Krisenländern und zur Kapitalausstattung an die EBA abzuliefern. Die Aufsicht bestätigte, dass sie die Informationen abfrage, äußerte sich aber nicht näher dazu. In den Vorstandsetagen der Geldhäuser herrscht wegen der neuen Belastungsproben Insidern zufolge große Unruhe. „Kaum einer rechnet damit, dass er da gut durchkommt“, wurde von Reuters etwa ein deutscher Spitzenbanker zitiert.

Die Ergebnisse der EBA-Tests dienen den europäischen Regierungen als entscheidende Grundlage für ihr Bestreben, den Kapitalpolster der Banken zu stärken. Hintergrund dieser Überlegungen ist die drohende Pleite Griechenlands.

Investoren befürchten, dass nach einer solchen Insolvenz andere hoch verschuldete Euro-Länder ebenfalls in deutlich schwierigeres Fahrwasser kommen könnten. Das wiederum würde die Banken als große Gläubiger der Staaten hart treffen - zur Abfederung von Verlusten sollen sie daher rekapitalisiert werden.

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