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„Die Angst vor dem unretuschierten Foto“

Der weltgrößte Kosmetikkonzern L’Oreal muss Medienberichten zufolge Werbekampagnen mit Hollywood-Star Julia Roberts und Supermodel Christy Turlington in Großbritannien einstampfen. Die britische Advertising Standards Authority (ASA) hatte die Bilder der Kampagnen als „übertrieben“ und „irreführend“ bezeichnet.

Wie mehrere englischsprachige Medien am Mittwoch übereinstimmend berichteten, bestätigte die britische Behörde zur Überwachung von Werbung damit eine Beschwerde der liberaldemokratischen Abgeordneten Jo Swinson. Der „Independent“ bezeichnete das Urteil als „bedeutenden Sieg in der Schlacht gegen Airbrushing“.

„Nicht repräsentativ für Ergebnisse“

Swinson hatte die Bilder mit den prominenten Testimonials als zu stark retuschiert kritisiert, berichtete der „Guardian“. Die Fotos seien digital manipuliert worden und nicht repräsentativ für die Ergebnisse, die die beworbenen Produkte erzielen könnten, kritisierte Swinson. Konkret handelt es sich um zwei Fotostrecken für Magazine. Sowohl Roberts als auch Turlington werben darin für Make-up: Roberts für „Teint Miracle“ der L’Oreal-Marke Lancome, Turlington für „The Eraser“ von Maybelline, ein Produkt, das mit dem Zusatz „Anti-ageing“ wirbt.

Werbung von Maybelline New York

Screenshot www.maybelline.at

Model Christy Turlington ist Testimonial für die L’Oreal-Marke Maybelline.

L’Oreal Großbritannien gestand laut „Guardian“ ein, dass Turlingtons Bild digital retuschiert wurde, um etwa dunkle Augenringe zu reduzieren und die Augenbrauen dunkler zu machen. Es zeige allerdings immer noch Zeichen der Hautalterung, etwa Krähenfüße. Das Bild würde außerdem die erzielbaren Resultate „exakt illustrieren“.

Originalbilder nicht freigegeben

Die ASA erklärte, sie habe nicht genügend Informationen erhalten, um zu evaluieren, welche Auswirkungen die digitalen Eingriffe auf das Resultat haben. L’Oreal stellte der ASA zwar Fotos von Roberts und Turlington „vom roten Teppich“ zur Verfügung, damit sich die Behörde ein Bild von der natürlichen Schönheit der Testimonials machen könnte - die unbearbeiteten Originalbilder von den betreffenden Fotoshootings gab L’Oreal aber nicht frei. Der Kosmetikkonzern begründete das mit im Vertrag festgehaltenen Vereinbarungen mit der Schauspielerin.

Swinson bezeichnete dieses Vorgehen als „empörend“: Es zeige auf, wie lächerlich die Dinge geworden seien, wenn die Angst vor einem unretuschierten Foto so groß ist, dass nicht einmal die für Werbung zuständige Behörde es sehen dürfe. Maßloses Airbrushing und digitale Manipulation sind mittlerweile die Norm, aber Turlington und Roberts seien natürlich schöne Frauen, die keine Retusche brauchten, um großartig auszusehen, so Swinson. Das Verbot der ASA bezeichnete die Abgeordnete als starke Botschaft an die Werbung.

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