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„Friedlich eingeschlafen“

Der Sohn des letzten regierenden Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, Otto Habsburg, kehrt nach seinem Tod nach Wien zurück. Otto wird gemeinsam mit seiner Frau Regina in der Wiener Kapuzinergruft, der Kaisergruft der Habsburger, beigesetzt werden.

Der Sarg seiner im Vorjahr verstorbenen Ehefrau wird dazu von der Veste Heldburg in Südthüringen umgebettet. Otto Habsburg war Montagfrüh im Alter von 98 Jahren in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See gestorben. Nach Angaben seiner Sprecherin Eva Demmerle waren alle sieben Kinder bei ihm, als er starb.

Es seien für den Kaisersohn insgesamt vier Requien geplant, am Samstag in Pöcking, am Montag in München, am Mittwoch darauf im österreichischen Wallfahrtsort Mariazell und schließlich am Samstag (16. Juli) in Wien. Im Anschluss daran würden dann beide Särge in der Kapuzinergruft beigesetzt.

Herz wird in Ungarn bestattet

Das Herz des verstorbenen Kaisersohnes soll getrennt bestattet werden. Es werde im ungarischen Kloster Pannonhalma beerdigt, sagte der Biograf Habsburgs, Stephan Baier. Das entspreche der Tradition der Familie, in der es stets eine eigene Herzbestattung gegeben habe. Habsburgs Sprecherin Eva Demmerle sagte, dass die Herzbestattung am 17. Juli stattfinden werde.

Pannonhalma liegt südlich der westungarischen Stadt Györ. In der Nähe des Benediktinerklosters, das seit dem Jahr 1996 eine UNESCO-Weltkulturerbestätte ist, befindet sich ein Knabeninternat, in dem auch Otto Habsburg einige Jahre lang unterrichtet wurde.

„Friedlich eingeschlafen“

Der Ehrenpräsident der Internationalen Paneuropa-Union und ehemalige Alterspräsident des Europaparlaments ist nach Angaben Demmerles „friedlich eingeschlafen“. Der Ehrenpräsident der Paneuropa-Union hinterlässt sieben Kinder, 22 Enkelkinder und zwei Urenkel. Chef des Hauses Habsburg ist sein ältester Sohn Karl Habsburg-Lothringen, der in Österreich lebt. Der Verstorbene war Träger zahlreicher hoher Auszeichnungen. Zuletzt hatte ihm der französische Präsident Nicolas Sarkozy das Großkreuz des Ordens der Ehrenlegion verliehen.

Sein Sohn Karl sagte am Montag zum Tod des ehemaligen Erzherzogs: „Mein Vater war eine überragende Persönlichkeit. Mit ihm verlieren wir einen großen Europäer, der uns in allem, was wir heute tun, über die Maßen geprägt hat“. Die heimischen Politiker von Bundespräsident Heinz Fischer abwärts würdigten Otto Habsburgs Einsatz für den Fall des Eisernen Vorhangs und die Einigung Europas.

Jahrelang im EU-Parlament

Otto Habsburg, der zwanzig Jahre - von 1979 bis 1999 - für die bayrische CSU als Abgeordneter dem Europäischen Parlament angehörte, besaß die deutsche, österreichische und ungarische Staatsbürgerschaft. Er war der mit Abstand dienstälteste Europaparlamentarier. Seit einem Treppensturz vor zwei Jahren war der ehemalige Kronprinz der österreichisch-ungarischen Monarchie gesundheitlich angeschlagen.

Für rasche Osterweiterung

Im Außenpolitischen Ausschuss des Europaparlaments setzte sich Otto Habsburg für die Länder jenseits des Eisernen Vorhangs ein und kämpfte für das Selbstbestimmungsrecht der Völker, für Minderheitenrechte und für eine rasche Osterweiterung der EU nach dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989.

Er war Initiator und Schirmherr des „Paneuropäischen Picknicks“ an der österreichisch-ungarischen Grenze, bei dem mehr als 600 DDR-Bürger nach Österreich flüchteten. 31 Jahre war er als Nachfolger des Gründers, Graf Richard Coudenhove-Kalergi, Präsident der Internationalen Paneuropa-Union.

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